Nordwestschweiz
Der Region geht es gut – Schweinegrippe sei Dank!

Der Wirtschaftsraum Nordwestschweiz, zu dem auch das Fricktal gehört, profitierte dieses Jahr vom Bauboom und von der hohen Nachfrage nach Pharmaprodukten. Im Jahr 2010 soll die Wirtschaft in der Nordwestschweiz leicht wachsen.

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Bauwirtschaft wehrt sich gegen Krise

Bauwirtschaft wehrt sich gegen Krise

Keystone

Hans-Martin Jermann

Es klingt hart, ist aber eine Tatsache: Die Nordwestschweizer Wirtschaft ist 2009 nicht zuletzt wegen der weltweiten Ängste vor einer Grippepandemie mit einem leichten Husten davongekommen. Die beiden Basler Grosskonzerne Novartis und Roche haben von ihrer Stellung als Hausapotheke der Weltbevölkerung einmal mehr profitiert. Resultat: Die regionale Life-Sciences-Branche meldet in den ersten drei Quartalen 2009 einen Wertschöpfungszuwachs von satten 10 Prozent. «Was einen enormen Einfluss hat auf das Gesamtresultat», betont Rainer Füeg, Verfasser der Wirtschaftsstudie Nordwestschweiz. Kein Wunder: Die Pharma-, Medizinal- und Forschungsfirmen tragen 20 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Region bei.

Klassische Exportbranchen kriseln

Der nicht nachlassende Boom der Life-Sciences könnte allerdings den Blick auf die Krise in anderen Branchen verstellen: In den klassischen Exportindustrien Chemie, Kunststoffe, Metall und Maschinen ist die Wirtschaftsleistung 2009 um 15 Prozent eingebrochen. Am härtesten getroffen hat es die Metallbranche mit einem Minus von 30 Prozent. Ex-UBS-Chefökonom Klaus Wellershoff stellt eine wachsende Divergenz in der wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Branchen fest. «So gross wie heute war die Streuung zwischen Boom und Krise noch nie», sagt er.

Wiederum anders ist die Situation in der Bauwirtschaft, die dank reger Wohnungsbautätigkeit und einigen Grossbaustellen der Wirtschaft stabile Zahlen vermeldet. Aufs Ergebnis gedrückt hat indes die geringe Bautätigkeit der öffentlichen Hand des Kantons Basel-Stadt. Ebenfalls eher rückläufig war die Bauwirtschaft im Fricktal: Es wurden weniger Wohnungen gebaut und auch die Wirtschaft investierte weniger in Bauprojekte. Die öffentliche Hand investierte hingegen wieder vermehrt. Im Tiefbau wurden im Fricktal mehr Bauvorhaben gemeldet als noch 2008.

In ähnlich robuster Verfassung präsentiert sich der Detailhandel: Trotz Preisabschlägen und dem Markteintritt neuer Discounter konnte dieser den Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres leicht (um ein Prozent) steigern. «Dies dank anhaltender Zuwanderung und leicht höheren Löhnen», kommentiert Füeg.

2010 wohl mehr Arbeitslose

Interessant die Entwicklung der Finanzwirtschaft: «99 von 100 Instituten liefern positive Zahlen», bemerkt Füeg lapidar. Der anhaltende Tauchgang der UBS reisst allerdings die Branche in die Tiefe. Resultat: Minus sechs Prozent Wertschöpfung. Die Banken und Versicherungen verlieren in der Nordwestschweiz denn auch an Bedeutung: Ihr Anteil an der Wirtschaftsleistung ist innert Jahresfrist von 15 auf 11 Prozent (auf das Niveau der öffentlichen Hand) gesunken.

Was steht der Region aufgrund dieser Zahlen 2010 ins Haus? Wirtschaftsexperte Füeg hält eine gewisse Skepsis für angebracht und rechnet mit leicht positiver Entwicklung. Ein Wachstumstreiber wie die Schweinegrippe falle 2010 vermutlich aus. Ein weiterer Wertverlust des Dollars könnte zudem die Exportwirtschaft hemmen.

«Technisch» sei die Rezession, die in einigen Branchen gar nie stattgefunden habe, zwar bereits überwunden. Nicht ausgestanden ist aber die Krise auf dem Arbeitsmarkt, die stets mit einer gewissen Verzögerung zuschlägt. 2009 hätten viele Betriebe mit Kurzarbeit Entlassungen vermeiden können. «Das geht aber nicht ewig», betont Füeg. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent lag die Nordwestschweiz Ende Oktober leicht unter dem Landesdurchschnitt (4%). Wellershoff prognostiziert einen Anstieg auf 5 bis 5,5 Prozent - was sich neben den höheren Krankenkassenprämien wiederum dämpfend auf den Konsum auswirken könnte.