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Kommentar

Fall Raiffeisen: Der Rücktritt von Patrik Gisel ist richtig und überfällig

13 Jahre lang war Patrik Gisel der Stellvertreter von Pierin Vincenz. Unter seiner Führung ist für Raiffeisen kein unbelasteter Neustart möglich.
Roman Schenkel
Roman Schenkel, Redaktor Wirtschaft.

Roman Schenkel, Redaktor Wirtschaft.

Noch im Mai schloss er einen Rücktritt kategorisch aus, nun tritt Raiffeisen-Chef Patrik Gisel doch per Ende Jahr zurück. Mit diesem Schritt will er die öffentliche Debatte um seine Person beenden und die Reputation der Bank schützen. Der Rücktritt ist richtig, er ist aber auch überfällig.

Richtig ist er, weil Gisel in der Affäre um Pierin Vincenz und dessen Geschäftsgebaren nie ganz aus der Schusslinie kam. 13 Jahre lang war Gisel bei der Genossenschaftsbank der Vize hinter Vincenz. 2015 räumte dieser das Feld und ebnete ­seiner rechten Hand den Aufstieg in den Chefsessel. Gisel wird zwar weder von der bankinternen Untersuchung, noch vom Verfahren der Finanzmarktaufsicht Finma belastet. Allerdings konnte der Raiffeisen CEO die Zweifel, dass er vom Geschäftsgebaren seines Vorgängers und Förderers nichts mitbekommen hat, nie ganz ausräumen.

Und damit kam auch die Bank nicht zur Ruhe. Sogar kleine Fehler – etwa der falsche Versand von 114 Kontoauszügen Ende April – wurden zur grossen Mediengeschichte, wurden mit der Bankspitze in Verbindung gebracht. Gisel wurde für Raiffeisen zunehmend zur Belastung. Ein Neustart war unter der ehemaligen rechten Hand von Vincenz schlicht nicht möglich. Diese Sicht der Dinge hat sich nun auch in der Bankzentrale in St. Gallen durchgesetzt.

Der Rücktritt von Patrik Gisel war deshalb überfällig. Im 14-Tage-Takt kamen in den Medien neue Details ans Licht. Es ist absehbar, dass die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, die gegen Vincenz wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung ermittelt, noch das eine oder andere Detail aufdecken wird. Auch wenn Gisel davon nicht belastet wird, so wird er bei einer möglichen Anklage gegen Vincenz wieder im Mittelpunkt stehen. Nicht als Mitangeklagter, aber doch als Vertreter einer Ära, in der Raiffeisen zwar enorm erfolgreich unterwegs war, in der die Bank ihre Aufsichtspflicht aber – um es diplomatisch auszudrücken – arg vernachlässigt hat.

Hätte sich Raiffeisen wirklich Sorgen um die Reputation gemacht, dann hätte sie schon früher reinen Tisch machen und Gisel zum Rücktritt bewegen müssen. Dann wären schon früher Hypotheken und Kundengelder statt mögliche Straftaten des ehemaligen CEOs im Mittelpunkt gestanden. Denn das ist unbestritten: trotz aller Querelen hat die Raiffeisenbank eine solide Basis. Im vergangenen Jahr hat die Marktführerin im Hypothekargeschäft einen Rekordgewinn geschrieben. Das sollte ihr helfen, wieder in ruhiges Fahrwasser zu gelangen.

Ungelöst bleibt die Rolle von Interims-Präsident Pascal Gantenbein. Er hatte Gisel wiederholt und demonstrativ den Rücken gestärkt. Seine Ambitionen auf das Präsidentenamt dürften heute einen herben Rückschlag erlitten haben.

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