Dietikon
Der Schweizer Chicorée spriesst und spriesst

Jörg Weber, Chef des Textildiscounternehmens mit dem Gemüsenamen Chicorée, sieht in der Schweiz noch Platz für weitere 60 Verkaufsstellen, vor allem in der Westschweiz.

Ruedi Mäder
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Chicorée

Chicorée

«Tochter und Mutter»: So umschreibt der Zürcher Unternehmer Jörg Weber (54) das Zielpublikum seiner Modekette, die er mit einer aggressiven Preisstrategie («Erstpreislage») nun verstärkt auch über die Deutschschweiz hinaus vorwärtstreibt. Seit Ende letzten Jahres kletterte die Zahl der Filialen um 16 auf heute 140. Von diesen befinden sich gut 130 in der Deutschschweiz. Weber meinte gestern gegenüber der az, bis Ende 2014 wolle er die Präsenz landesweit auf 200 Standorte ausbauen. Als Nächstes folgen in der Deutschschweiz Läden in Lyss und Aarberg, Potenzial sieht das Unternehmen aus Dietikon auch im Baselbiet. Hinter der rasanten Expansion der Ladennetze von Discountern steckt eine klare Zielsetzung: Die Vervielfachung der Shops erhöht die Chance, möglichst viele Kundenfrequenzen zu erzeugen und auf diese Weise auch die Kosten möglichst tief zu halten.

Chicorée-Läden weisen im Schnitt eine Verkaufsfläche von 200 Quadratmeter auf. Letzte Woche wurde in Lausanne der bisher grösste Shop (mit 1000 Quadratmetern) eröffnet. Das Flaggschiff in der Deutschschweiz wurde vor Monatsfrist im Einkaufszentrum Shoppi in Spreitenbach in Betrieb genommen.

Marktanteil steigt auch 2010

Chicorée peilt im laufenden Jahr einen Rekordumsatz von 140 bis 145 Millionen Franken an. Dies entspräche erneut einem Zuwachs von rund einem Fünftel. Firmenchef Weber präzisiert, auch flächenbereinigt – also ohne die zusätzlichen Filialen – erreiche das Unternehmen 2010 ein Umsatzwachstum von rund 5 Prozent. Damit wird Chicorée den Marktanteil weiter ausdehnen.

Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte die Firma in einem leicht geschrumpften Gesamtmarkt flächenbereinigt 6 bis 7 Prozent zulegen können. Im Kreis der reinen Textilketten, das heisst insbesondere ohne die Grossverteiler und Warenhäuser, dürfte Chicorée um Platz acht herum anzusiedeln sein. Apropos Textilbranche: Es war die Kette C&A, der Chicorée vor zwei Jahren das unlängst in Betrieb genommene Verteilzentrum in Brunegg abkaufte.

Chicorée beschäftigt rund 650 Personen (darunter 40 Lernende), was ungefähr 550 Vollzeitstellen entspricht. Gegründet wurde die Firma 1982. Als Chicorée tritt sie seit 1985 am Markt auf, nachdem Patron Weber dieses Label in Paris entdeckt hatte. Vergleichsweise früh, nämlich im Jahr 2004, folgte Chicorée dem Vorbild einer anderen, deutlich kleineren Modekette, Companys, und setzte ebenfalls auf eine hochwertigere Einkaufstasche. Die schwarzen Bags avancierten schnell zu einem preisgünstigen Marketinginstrument.