Kolumne

Der Sieger räumt alles ab

Die heutigen Monopolisten sind zwar jung - sie haben aber eine grosse Zukunft vor sich, weil digitale Entwicklungen ihnen in die Hände spielen.

Maurice Pedergnana
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Maurice Pedergnana.

Maurice Pedergnana.

Starke Marktstellungen haben sich in der Wirtschaftsgeschichte immer wieder herausgebildet. Beispiele dafür sind die florentinische Bankiersfamilie Medici, der amerikanische Ölbaron Rockefeller oder auch der amerikanische Eisenbahnunternehmer Vanderbilt. Sie alle haben durch geschicktes und manchmal auch rücksichtsloses Handeln eine dominierende Marktposition errungen und ein immenses Vermögen angehäuft.

Inspiriert davon, wollte Elizabeth Magie, eine Stenografin, diesen Sachverhalt mit seinen Folgen den Menschen vor Augen führen. Sie entwickelte 1904 das Brettspiel, das uns allen unter dem Begriff «Monopoly» bekannt ist. Es sollte eines der erfolgreichsten Brettspiele aller Zeiten werden, aber vom pädagogischen Anspruch der Elizabeth Magie ist jedoch wenig übrig geblieben. Angeblich soll sich die längste Monopoly-Partie über 70 Tage hingezogen haben, meistens geht es aber viel schneller.

Mit noch viel grösserem Eifer wird in der realen Wirtschaft die eigene Marktstellung erarbeitet. Kleinere und grössere Übernahmen in rascher Folge beschleunigen vielfach den Erfolgspfad. In der digitalen Welt des 21. Jahrhunderts zeigt sich der ungezügelte Kapitalismus noch eindrucksvoller, als es sich Karl Marx je hätte vorstellen können. Es wird in kürzester Zeit und stärker denn je einer monopolartigen Stellung nachgeeifert. Digitale Plattformen und Netzwerkeffekte sind dabei zentral. Eine Plattform wie das Suchportal Google ist umso attraktiver, je mehr Personen sie nutzen und über je mehr Daten sie verfügt. Das stärkt den Marktführer und erschwert es den weiteren Wettbewerbern, eine wesentliche Rolle zu spielen.

Zu diesen «Superstar»-Firmen zählen Amazon, Google, Facebook, Microsoft sowie Tencent und Alibaba. Sie alle haben in ihren Kernmärkten das Marktgeschehen im Sinne von Monopoly gespielt: Einer siegt, und alle anderen verlieren. Dabei sind diese sechs Unternehmen erst gerade erwachsen geworden. Sie alle haben noch eine grossartige Zukunft vor sich, weil ihnen die digitale Weltordnung und die globale Durchdringung von Smartphones in die Hände spielen.

Im Onlinehandel nehmen Amazon in westlichen Ländern und Alibaba in China eine fantastische Marktstellung ein. Alibaba hat es am sogenannten Singles’ Day, einem vor allem in asiatischen Ländern beliebten Einkaufstag im November, geschafft, Waren für mehr als 30 Milliarden Franken zu verkaufen. Logistisch wurden mehr als eine Milliarde Lieferaufträge innerhalb von 24 Stunden verarbeitet, und bezahlt wurde selbstverständlich mit Alipay. Amazon versucht, eine ähnliche Marktstellung im Westen zu erreichen. Dabei soll der smarte «Lautsprecher» Alexa dienen. Alexa steht auf dem Büropult oder zu Hause. Sie begleitet einen im Auto und erinnert als digitale Assistentin an den nächsten Termin, nimmt Telefongespräche entgegen und ruft gleich an, wenn man eine Mahlzeit bestellen und ausliefern möchte.

Die Vision von Amazon geht natürlich viel weiter, und mit künstlicher Intelligenz werden derartige Netzwerkanbieter immer cleverer und leistungsstärker. Zugleich verfügen sie über Forschungsressourcen, die in der Summe mehrere Milliarden Franken pro Jahr umfassen und die Marktstellung faktisch sichern. Sollte ein lästiger Konkurrent am fernen Horizont auftauchen, wird er mit den Tentakeln des Monopolisten eingefangen und «verdaut». Jedes Jahr nehmen die erwähnten sechs Superstar-Firmen bis zu einhundert kleinere und grössere Akquisitionen vor, um ihre Marktstellung damit auszubauen.

Monopoly macht Spass, vor allem wenn man auf der Gewinnerseite steht.