Der Sponsoren-Rubel rollt nicht mehr

Der regionale Sport befindet sich wegen der Finanzkrise in einem Teufelskreis. Bisherige Geldgeber springen ab, neue sind wegen firmeninterner Sparrunden nicht zu finden.

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Schweiz am Sonntag

Von Bojan Stula

Starwings Basket Regio Basel

Spielersaläre sinken
Bei den Nationalliga-A-Basketballern der Starwings Regio Basel geht man davon aus, dass die Wirtschaftskrise in diesem Jahr vor allem jene Vereine mit voller Wucht treffen wird, die in strukturschwachen Landesteilen wie dem Wallis angesiedelt sind. Da werden die eigenen Sparbemühungen im mittleren fünfstelligen Bereich vergleichsweise moderat ausfallen. Dank weniger ausländischen Spielern, oder solchen, die «nur» noch als Halbprofis angestellt werden, soll das Jahresbudget der Starwings von bisher 540 000 Franken unterhalb die Grenze der halben Million gedrückt werden, kündigt Präsident Martin Spörri an. Wegen der Krise hat bisher erst ein Sponsor sein Engagement reduziert. Dieser Fehlbetrag konnte aber mit anderen Sponsoreinnahmen kompensiert werden. Spörri sieht letztlich auch einen positiven Effekt: «Die Vereine werden bei den Spielersalären wieder realistischer werden, das Salärniveau wird sinken.» (bos)

So wie dem FC Oberdorf ergeht es derzeit vielen Sportvereinen in der Region Basel. Die Zweitliga-Fussballer aus dem Waldenburgertal müssen künftig ohne einen ihrer Hauptsponsoren auskommen. Eine in Liestal beheimatete Firma für Vermögensberatung hat ihren jährlichen Unterstützungsbeitrag in der Höhe von 20 000 Franken aufgekündigt. Der Grund für den Rückzug ist klar: die allgegenwärtige Finanzkrise - was für den vor allem in der Jugendarbeit tätigen Fussballklub eine mittlere Katastrophe darstellt. «Ich weiss noch nicht, wie wir unser Jahresbudget von 220 000 Franken künftig zusammenkratzen sollen», stöhnt Oberdorfs Interimspräsident Johannes Schweizer.

Solche Meldungen erschüttern derzeit zahlreiche Sportvereine. Manche machen Schlagzeilen - wie der Rückzug von Hauptsponsor «Grand Casino» bei den Nationalliga-A-Volleyballerinnen von Sm'Aesch Pfeffingen -, andere erfolgen in aller Stille. RTV-Basel-Präsident Alex Ebi musste den Rückzug eines Sponsors «in mittlerer fünfstelliger Höhe» verkraften. FC-Concordia-Basel-Präsident Stephan Glaser ärgerte sich vor kurzem über geplatzte Verhandlungen mit einem neuen potentiellen Geldgeber: «Über die Grössenordnung der entgangenen Mittel möchten wir uns nicht konkret äussern - nur so viel: Es tut weh!». Und selbst beim Grossunternehmen FC Basel macht sich die Finanzkrise bemerkbar. Dies beispielsweise im Bereich der «Premium Lounges», wo die «Basler Zeitung» ihre langjährige Firmenloge bereits 2008 aus wirtschaftlichen Überlegungen aufgekündigt hat.

FC Concordia Basel

Sparen als einzige Lösung
Für die wenigen Zuschauer an Congeli-Spielen macht Präsident Stephan Glaser nicht die Wirtschaftskrise verantwortlich. Für die Schwierigkeiten, an neue Geldgeber heranzukommen, dagegen schon. Bereits haben sich Verhandlungen des FC Concordia Basel mit einem neuen potentiellen Grosssponsor zerschlagen: «Es liegt auf der Hand, dass sich Sponsoren in Krisenzeiten aus finanziellen Überlegungen zurückziehen. Der Sport ist vom Rückzug von Sponsoren logischerweise als Erster betroffen. Dort kann ein Sponsor am besten sparen, ohne dass es ihm allzu stark weh tut», folgert Glaser. Was das für einen Sportverein mit Profibetrieb wie den Basler Challenge-League-Fussballklub bedeutet, ist ebenso klar: «In der aktuellen Situation ist für Sportvereine das Senken von Ausgaben die einzige gangbare Lösung.» (bos)

Rund 200 000 Franken im Jahr verteilt die Basellandschaftliche Kantonalbank auf rund 200 Sportvereine; in der Regel auf solche aus dem Baselbiet. Die Spanne des jeweiligen Betrags reicht vom Inserat im Vereinsheft für wenige hundert Franken bis hin zu einer Zuwendung von 10 000 Franken für besondere Anlässe. Da sich die BLKB aber eher nicht als Haupt- oder Trikotsponsor eines Vereins in den Vordergrund stellen will, wird der Grossteil der Mittel nach dem Giesskannenprinzip verteilt. Der jüngst erfolgte Ausstieg aus dem Sponsoring-Engagement bei den Davidoff Swiss Indoors, der zuvor wohl glamouröseste Sportwerbeauftritt der Kantonalbank, sei laut Ponti aus anderen Gründen als der Finanzkrise erfolgt.

EHC Basel

Verunsicherung
Noch muss sich der EHC Basel nicht in grösserem Umfang Sorgen wegen der Finanzkrise machen. Nach dem Schrumpfungsprozess im Zuge der Relegation aus der Nationalliga A sind die grossen Einbussen schon früher erfolgt. «Da sich der EHC nicht mehr auf einem ausgereizten Höchst-Vermarktungsniveau befindet, hoffen wir, mögliche Einbussen bei den Einnahmen durch unser Bestreben bei der Basisarbeit und in der Breite wettmachen zu können», sagt Sportdirektor Beat Kaufmann. Zwar spüre man bei den Verhandlungen mit Geldgebern die herrschende Verunsicherung, doch würden die bisherigen EHC-Sponsoren dem Verein auch nächste Saison noch die Treue halten. Kaufmann weiss: «In diesem unsicheren Umfeld wird es für jede Klubleitung noch schwieriger, eine seriöse wirtschaftlich Politik zu betreiben und dabei immer dem Spagat des sportlichen Erfolgs und Misserfolgs ausgesetzt zu sein.» (bos)

Was Ponti und zahlreichen seiner Berufskollegen in anderen Firmen auffällt, ist, dass gerade in letzter Zeit die «Bettelbriefe» und Anfragen um Unterstützung von Sportvereinen beinahe explosionsartig angestiegen sind. Da versteht es sich von selbst, dass solche Anfragen per Serienbrief kaum Aussicht auf Erfolg haben. «Zudem haben alle Vereine immer nur die ewig gleichen Firmennamen auf ihrer Bettelliste», ergänzt FC-Basel-Finanzchef Mathieu S. Jaus. Dabei unterstützen gerade solche Firmen nur jene Vereine finanziell, die sie bereits «unter Vertrag» haben oder zu denen irgendwelche persönlichen Beziehungen bestehen. «Neue Sponsoren zu finden, ist in der jetzigen Wirtschaftlage unmöglich geworden», folgert Oberdorfs Interimspräsident Johannes Schweizer, wobei ihm Novartis-Mediensprecher Satoshi J. Sugimoto kaum zu widersprechen mag.

«Wichtig», so Sugimoto, «sind bei einer Sponsoringanfrage ein transparentes klares Dossier mit einem einfachen klaren Sponsoringkonzept. Das heisst: Wie sollen die Mittel eingesetzt werden, was soll mit den Mitteln erreicht werden und wie sieht die Gegenleistung für den Sponsor aus?» Doch mit der Gegenleistung hapert es in aller Regel von Seiten der Sportvereine. Vor allem Amateur- und Breitensportklubs verstehen Sponsorengelder als eine Art fast selbstverständlicher Almosen seitens der Wirtschaft an den Sport und befassen sich deshalb nicht mit der Frage des «Return of Investment».

FC Basel

Heikler Europacup-Verkauf
Der FC Basel verfügt nicht nur in sportlicher Hinsicht in der Region über eine Sonderstellung. Auch die Sponsoren halten ihm trotz Finanzkrise bisher die Treue. Finanzchef Mathieu S. Jaus vermutet, dass Geldgeber aus der Wirtschaft zunächst an anderen Orten Einsparungen vornehmen, bevor sie ihr prestigeträchtiges Engagement beim FCB kürzen. So vermelde die Marketingabteilung, dass es derzeit keine Anzeichen von Sponsoren auf dem Absprung gebe. Allerdings laufen Diskussionen mit der UBS um die künftige Anzahl von Firmenlogenplätzen im VIP-Bereich; hier zeichnet sich von Seiten der Grossbank eine Reduktion ab, nachdem bereits die «Basler Zeitung» ihre Plätze in der «Premium Lounge» gekündigt hat. Schwierigkeiten sieht Jaus auch hinsichtlich der nächsten Europacup-Kampagne auf den FCB zukommen. «Ich erwarte im Sommer wegen der Krise einen eher mühsamen Verkauf der Sitzplätze im VIP-Bereich.» (bos)

Zurück ins beschauliche Waldenburgertal: Beim FC Oberdorf feilen inzwischen Interimspräsident Johannes Schweizer und Finanzchef Christoph Gysin an Strategien, wie sie den Auswirkungen der Wirtschaftskrise trotzen können. Schweizer: «Wir müssen die Ausgaben dort reduzieren, wo noch Spielraum besteht.» Doch ist dieser Spielraum äusserst beschränkt.

Streicht man die Spesen-Zuwendungen an die rund 40 Trainer, was rund einen Drittel des Jahresbudgets ausmacht, geht dem Dorfverein wohl mancher Übungsleiter für seine insgesamt 22 Teams verloren. Streicht man der ersten Mannschaft die Punkteprämie von 100 Franken für die Mannschaftskasse, wird es noch schwieriger als bisher, valable 2.-Liga-Spieler ins hintere Waldenburgertal zu locken. Weiter erinnert Finanzchef Gysin daran, dass die kürzlich erfolgte Investition in den neuen Kunstrasenplatz erst noch abbezahlt werden muss. Auch hierbei besteht kein Sparpotenzial.

RTV Basel

Gönner statt Sponsoren
Obschon bereits ein Sponsor im mittleren fünfstelligen Bereich abgesprungen ist, will der RTV Basel die nächste Handballsaison mit einem leicht erhöhten Budget von 1,3 Millionen Franken angehen. RTV-Präsident Alex Ebi weiss, «dass sämtliche im Finanzsektor involvierten Firmen sich mit zusätzlichen Sponsorenausgaben sehr schwer tun». Deshalb möchte der Realturnverein in Zukunft neben seinen bisherigen Sponsoren verstärkt auf Gönner und Supporter setzen. «Ein finanzielles Engagement im Handball erfreut wohl mehr das Herz und die Gewissheit, etwas Sinnvolles zu unterstützen, als ein mögliches Kickback des eingesetzten Kapitals», weiss Ebi. Deshalb rechnet er mit zunehmenden Schwierigkeiten, die bisherigen Geldgeber für seine «mediale Halb-Randsportart» halten zu können. Ebi: «Mannschaftssportarten mit einer ganzjährigen Meisterschaft stehen bei Firmen nochmals eine Stufe weiter hinten an.» (bos)

Bliebe also noch die Einnahmenseite. Die generelle Mitgliederbeitragserhöhung um 20 Prozent wurde bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Zusätzliche Anlässe wie Sponsorenläufe oder Lotto-Matches sollen Bares in die Kasse fliessen lassen - doch das ist an Ideen alles schon da gewesen. «Wir hoffen jetzt auf einen Riesentransfer von Philipp Degen von Liverpool zu Real Madrid», scherzt Schweizer, «daran würden wir ein Stange Geld mitverdienen». Genau dieser frühere Geldsegen aber aus der vertraglichen Transferbeteiligung am berühmten ehemaligen FCO-Junior habe dazu geführt, dass man in Oberdorf «betriebsblind» geworden sei, wie Johannes Schweizer selbstkritisch eingesteht. Der FC Oberdorf erlebt jetzt an eigenem Leibe, dass die Finanzkrise jene Sportvereine besonders hart trifft, die sich bisher auf der Einnahmenseite nur auf ein, zwei grössere Geldquellen verlassen haben.