Export
Der starke Franken frisst die Margen auf

Der Euro ist erneut auf unter Fr.1.20 gesunken. Die Schweizer Ausfuhren wachsen vorerst weiter, doch die hiesigen Exporteure müssen schmerzhafte Konzessionen bei den Preisen machen, um ihre Marktanteile nicht zu verlieren.

Marcel Speiser
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Der starke Franken bedroht die Wirtschaft

Der starke Franken bedroht die Wirtschaft

Keystone

Lange hörte man von den Schweizer Exporteuren, die Schmerzgrenze für den Eurokurs liege bei Fr. 1.50. Dann sank der Kurs der Gemeinschaftswährung, und auch die Schmerzgrenze wurde mehrfach nach unten verschoben. Mittlerweile aber ist klar: Der Euro ist zu schwach. Langsam, aber sicher schnürt er der Schweizer Exportwirtschaft den Schnauf ab.

Kein Wunder: Seit Anfang 2010 hat die Gemeinschaftswährung zum Franken mehr als 18 Prozent verloren. Seit Anfang 2008 gar fast 27 Prozent. Gestern Donnerstag ist der Euro zum wiederholten Male unter die Marke von Fr. 1.20 getaucht. Die Devisenexperten der Zürcher Kantonalbank rechnen deshalb damit, dass die Märkte jetzt einen Kurs von Fr.1.1950 oder gar von Fr.1.1825 testen werden. Ein Schreckensszenario.

Denn schon ohne ein solches weiteres Nachlassen hat der helvetische Aussenhandel an Schwung verloren, wie die jüngsten Daten der Eidgenössischen Zollverwaltung für den Mai zeigen. Konkret: Letzten Monat stiegen die Exporte nur deswegen, weil er – dank Auffahrt und Pfingsten im Juni – drei Arbeitstage mehr hatte als ein normaler Mai. Ohne diese geschenkten Tage wäre der Export auf dem Niveau des Aprils stehen geblieben respektive um nur 0,2 Prozent gewachsen. Immerhin: Unkorrigiert gelangte den Exporteuren ein im Vergleich zum April ein sattes Plus von fast 17 Prozent auf 18,4 Milliarden Franken. Und in den ersten fünf Monaten dieses Jahres stiegen die Exporte um fast 7 Prozent auf 84,3 Milliarden Franken.

Ein hoher Preis

Aber für die Verteidigung ihrer Marktanteile zahlen die Unternehmen wegen der widrigen Wechselkursbedingungen einen hohen Preis. Sie müssen ihre Gewinnmargen opfern. Oder anders formuliert: Sie können nicht mehr die gleichen Preise verlangen wie im Vorjahr. Konkret sanken die geschätzten Preise der Exportgüter im Mai um 4,8 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Von Januar bis Mai lag das Preisminus gar 5,6 Prozent im Minus. Diese Durchschnittswerte zeigen zudem ein zu rosiges Bild. Denn die gewichtigen Pharmaexporte verringern das Minus. Obwohl die Branche über staatlich verordnete Preissenkungen klagt, kann sie ihre Preise im Branchenvergleich eher verteidigen als der Rest der Industrie.

Das bedeutet: Die Exporteure werden erfinderisch, zehren ab auch von der Substanz. Unumwunden spricht Swissmem, der Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, von einer «dramatischen Situation». Die Margen – also der Teil, von dem die Unternehmen Löhne zahlen und Investitionen in die Zukunft finanzieren – würden regelrecht «einbrechen», sagte Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann. Und befürchtet aufgrund von Rückmeldung der Mitgliedsfirmen, dass sich die Lage in den kommenden Monaten noch zuspitzen werde. «Die Probleme sind zwar nicht offensichtlich», fügte Zimmermann an. Die Firmen hätten seit Anfang Jahr viele Bestellungen erhalten, was die Produktion auszulasten helfe und Stellen erhalte. Aber rund ein Drittel der Firmen fahre mittlerweile operative Verluste ein. «Das ist existenzielle Bedrohung.»