Von Arx
Der Technologieführer kommt aus Sissach

Ob Tafelscheren, Pressluftmeissel, Bodenfräsen oder Hydraulik-Presszangen: Innovation ist seit bald 70 Jahren der Lebensnerv der Von Arx AG in Sissach.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Daniel Haller

«Keine betriebsbedingten Entlassungen, keine Kurzarbeit», betont Managing Director Karl Viehmann. So stark wie in anderen Branchen spüre man bei der Von Arx AG in Sissach die Krise nicht. Im Gegenteil: Derzeit läuft die Fertigung im Zweischichtbetrieb, und wenn die Montage Ende Juni den Betrieb nach dem Brand wieder aufnimmt, werde die Von Arx AG zusätzliche Temporärstellen anbieten.

Aber nicht der Umstand, dass der Brand vom 8. Mai den ganzen Lagerbestand vernichtete, ist der Grund für die hohe Auslastung. Vielmehr verweist Viehmann respektvoll auf den Firmengründer Paul von Arx - ein Erfinder, der es auf 90 Patente brachte. Von Arx hinterliess, als er die Firma 1974 verkaufte, das Firmencredo, dass man Gelegenheiten entschieden ergreifen müsse.

Inbetriebsaufnahme sechs Wochen nach dem Brand

Zwar liege der Bericht noch nicht vor, aber ein technischer Defekt in der alten Spedition der Von Arx AG stehe als Ursache des Brandes vom 8. Mai im Vordergrund, erklärt Betriebsleiter Willi Mundwiler. Managing Director Karl Viehmann schätzt den Schaden auf rund 10 Millionen Franken. Die Nussbaum AG in Olten, Viega in Deutschland und Ridge Tool in den USA versuchen, aus Lagerbeständen den Markt solange zu beliefern, bis die Montage in Sissach wieder angelaufen ist. Dort wird eine angemietete provisorische Lagerhalle montiert. Räume im Untergeschoss wurden freigeräumt und für die provisorische Montageabteilung hergerichtet. Viehmann rechnet damit, dass die Montage sechs Wochen nach dem Brand wieder arbeiten wird. Die abgebrannte Halle dürfte am alten Ort wieder aufgebaut werden: «Grünes Licht für die Planung haben wir. Die Mittel können aber erst bewilligt werden, wenn das Projekt vorliegt», berichtet Viehmann und ergänzt: «Das Mutterhaus hat bisher in den Standort Sissach wegen seines Stellenwerts überdurchschnittlich investiert.» (dh)

Nachdem Von Arx mit Tafelscheren zum Blechschneiden und Druckluftmaschinen für die Oberflächenbearbeitung dank Qualität zwar Erfolg hatte, aber die kritische Grösse nicht erreichte, wandte sich die Sissacher Technologiefirma 1990 deshalb der Presstechnik zu: Dabei werden Metallrohre im Sanitär- oder Heizungsbereich nicht gelötet, sondern zusammengepresst. Für die erforderlichen Hydraulikpressen im Handbohrmaschinenformat gibt es weltweit fünf namhafte Hersteller: Vier in Deutschland und die Von Arx AG in Sissach. Der Baselbieter 67-Personen-Betrieb beliefert rund 20 Prozent des Weltmarktes.

Trotzdem ist «Von Arx» keine Marke für Hydraulikpressen: Diese werden in der Schweiz von der Nussbaum AG in Olten und in Europa von der deutschen Viega GmbH & Co KG zur Installation ihrer Fittingsysteme vertrieben. Seit 2002 gehört Von Arx zum US-Konzern Ridge Tool, der seine europäischen Niederlassungen von Belgien aus leitet. «Ridge kam durch Von Arx zu einer Technologie, die er in nützlicher Zeit nicht hätte selbst entwickeln können», erklärt Viehmann. «Und Von Arx hat nun als mittelständischer Betrieb Zugriff auf die weltweiten Konzernstrukturen: Informatik, Einkauf und vor allem Zugang zu Märkten.»

Das Mutterhaus in den USA, die direkte Kontrollstelle in der EU, der Manager aus Deutschland: Lässt sich da ein Standort mit Schweizer Löhnen halten? «Wir sind dem konzerninternen Standortwettbewerb ausgesetzt», erklärt Viehmann. Doch sei Von Arx bei Ridge das Kompetenzzentrum für Presstechnik: «90 Prozent unserer Press-Produkte haben wir in den letzten fünf Jahren entwickelt. Diese hohe Innovationsgeschwindigkeit sichert unsere Existenz.» Wer das Produkt als Erster lanciert, kontrolliere den Markt.

«Den Ausbildungsstand und der hohe Grad an Selbstverantwortung der Belegschaft, die Kompetenz der Zulieferer und die unternehmerische Risikobereitschaft eines Erfinderbetriebs, dies alles kann man anderswo nicht kopieren. Ich bin ein Fan des Standorts Sissach.»