Der Thurgau und seine Firmen sind konjunkturell voll im Saft

Industrie und Baugewerbe sind robust, Detailhandel und Tourismus zeigen sich wieder etwas zuversichtlicher: Die Thurgauer Wirtschaft kommt gut voran.

Thomas Griesser Kym
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Die Industrie zeigt sich robust, doch die Auftriebskräfte haben sich nicht weiter verstärkt. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die Industrie zeigt sich robust, doch die Auftriebskräfte haben sich nicht weiter verstärkt. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Dass es der Ostschweizer Wirtschaft momentan recht gut geht, hat vergangene Woche schon der jüngste Konjunkturindex der Beratungsfirma Ecopol für die Region St. Gallen-Appenzell belegt. Nun gesellt sich der Thurgau hinzu. Dessen jüngstes Wirtschaftsbarometer kann sich ebenfalls sehen lassen, wenngleich es wie der Konjunktur­index auch da und dort ein paar kleinere Schwachpunkte zeigt.

«Nach wie vor robust» ist die Lage der Thurgauer Industrie. So sei die Produktion im zweiten Quartal verbreitet auf hohen Touren gelaufen, die Kapazität war gut ausgelastet, und der Auftragsbestand nahm weiter zu. Die Thurgauer Exporte, die im ersten Quartal im Vorjahresvergleich noch um 5 Prozent abgekommen hatten, zogen im zweiten Quartal wieder um 1,4 Prozent an. Rückläufig waren einzig und erneut die Fahrzeugausfuhren, was aber wesentlich mit dem Bahnbauer Stadler zusammenhängt und wann dieser seine Grossaufträge verbucht.

Rege Bautätigkeit im Kanton

Insgesamt meldete Anfang Juli jeder dritte Thurgauer Industriebetrieb eine gute und nur jeder 20. eine schlechte Geschäftslage. Damit hat sich das Bild seit Frühling kaum verändert. Allerdings: «Die Auftriebskräfte haben sich nicht weiter verstärkt», heisst es im Kommentar zum Wirtschaftsbarometer. Und bei mehr Betrieben als vor drei Monaten habe eine ungenügende Nachfrage die Produktion gebremst. Zudem spricht nun jede dritte Industriefirma von einer verschlechterten Auftragslage aus dem Ausland, während es im April erst 8 Prozent so sahen.

«Lebhaft» lief im zweiten Quartal das Geschäft des Thurgauer Baugewerbes. Die Stimmung hat auf hohem Niveau aufgehellt. Fast 60 Prozent der Baufirmen, annähernd doppelt so viele wie vor drei Monaten, nennen ihre Geschäftslage gut. Allerdings werden der Auftragsbestand und die Entwicklung der Erträge im Ausbaugewerbe besser beurteilt als im Bauhauptgewerbe. Fast jeder zweite Betrieb kämpfe zudem mit einem Fachkräftemangel.

Mehr warme Betten in den Hotels

Eine allmähliche Aufhellung der Geschäftslage meldet der Thurgauer Detailhandel, der im Lichte des Einkaufstourismus besonders exponiert ist. Im zweiten Quartal habe sich der Waren­verkauf «mengenmässig überwiegend positiv» entwickelt, was sich «günstig auf die Ertragslage» ausgewirkt habe. 18 Prozent der Detaillisten melden eine gute Geschäftslage, 6 Prozent eine schlechte. Das ist merklich besser als vor drei Monaten. Im Tourismus haben die Logiernächte in der Thurgauer Hotellerie nach dem rückläufigen 2017 im ersten Halbjahr 2018 um 5 Prozent angezogen. Im zweiten Quartal betrug das Plus 8 Prozent. Vor allem deutsche Gäste kamen wieder öfters (+17 Prozent im Semester), nachdem ihre Übernachtungszahlen in den vergangenen Jahren ständig gesunken waren.

Im Ausblick erwartet im Thurgauer Detailhandel bis Ende Jahr jeder vierte Betrieb eine Verbesserung der Geschäftslage und nur 3 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Die Thurgauer Baufirmen gehen von einer stabilen Lage auf hohem Niveau aus. Die Industriebetriebe beurteilen das laufende Halbjahr «überwiegend positiv, allerdings gedämpfter als noch im Frühling». Jeder fünfte Betrieb prognostiziert eine Aufhellung seiner Geschäftslage, 7 Prozent gehen von einer Eintrübung aus. Die Arbeitslosenquote im Thurgau beträgt relativ tiefe 1,9 Prozent, im Bezirk Weinfelden gar nur 1,5 Prozent.

wirtschaftsbarometer.tg.ch/