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Der Vorzeige-Flieger in Nöten: So kam die Swiss zu ihrer Problem-Maschine

Die Swiss bezeichnete die Beschaffung der 29 Bombardier-Flugzeuge einst als Quantensprung. Nun muss die Airline die Maschinen grounden. Über 100 Flüge fallen aus, rund 10'000 Passagiere sind betroffen.
Andreas Möckli und Benjamin Weinmann
Die C-Series-Flotte der Swiss für Kurz- und Mittelstreckenflüge muss untersucht werden. (Bild: Graham Hughes/Keystone)

Die C-Series-Flotte der Swiss für Kurz- und Mittelstreckenflüge muss untersucht werden. (Bild: Graham Hughes/Keystone)

Zuerst verzögerte sich die Auslieferung, im Betrieb kam es mehrfach zu Triebwerkproblemen – und nun das temporäre Grounding: Die Swiss-Flugzeuge von Bombardier haben der Fluggesellschaft wiederholt Probleme eingebrockt. Im Jahr 2009 bestellte die Lufthansa-Tochter 30 Maschinen des Typs C-Series der kanadischen Firma Bombardier für über eine Milliarde Franken.

Damit wurden die alten Jumbolino ersetzt, die als wahre Kerosin-Schleudern im Verruf standen. Ganz anders die Jets von Bombardier. Sie verbrauchen markant weniger Treibstoff und machen deutlich weniger Lärm.

Der damalige Swiss-Chef Harry Hohmeister war voll des Lobes. Die neuen Flugzeuge brächten in Sachen Effizienz und Komfort «einen Quantensprung» auf der Kurz- und Mittelstrecke. 2014 sollte die erste Maschine abheben. Doch die neuen Flieger liessen auf sich warten. Schuld waren Produktionsprobleme beim US-Triebwerkhersteller Pratt & Whitney.

Ein Drittel der Flotte ist von den Problemen betroffen

Im Juli 2016 landete der erste Bombardier-Flieger in Zürich. Inzwischen sind 29 Maschinen für die Swiss im Einsatz, davon 20 des Typs CS300, der knapp vier Meter länger ist. Er bietet mit 145 Sitzplätzen 20 mehr als jener des Typs CS100. Vor einem Jahr wurde die Flugzeugsparte von Bombardier durch Airbus gekauft. Damit wurden auch die Flugzeugbezeichnungen von Airbus übernommen: Die C-Series wurde zur A220.

Vom temporären Grounding der 29 Maschinen ist knapp ein Drittel der Swiss-Flotte betroffen. Probleme mit den Triebwerken gab es wiederholt (siehe Spalte rechts). Seit Ende Juli mussten drei Flugzeuge umkehren oder zwischenlanden. Gestern war eine Maschine auf dem Flug von London nach Genf betroffen. Triebwerkprobleme zwangen die Crew, in Paris zu landen.

Eine Untersuchung dauert bis zu fünf Stunden

In der Folge wurden einige Flüge annulliert oder mit Verspätung ausgeführt, vor allem in Genf. Kurz nach 15 Uhr meldete die Swiss dann das vorübergehende Grounding: Aufgrund eines neuen Vorfalls mit einem Triebwerk von Pratt & Whitney habe sich Swiss entschieden, eine umfassende Inspektion der Triebwerke der gesamten Bombardier-Flotte durchzuführen.

Die Untersuchung einer Maschine dauert laut einer Swiss-Sprecherin vier bis fünf Stunden. Nur wenn ein Flugzeug diese bestehe, werde es in den regulären Flugbetrieb zurückkehren. Am Ende musste die Swiss etwas über 100 Flüge streichen. Rund 10'000 Fluggäste waren betroffen. Die Gesellschaft geht davon aus, dass spätestens ab Donnerstag der Betrieb wieder regulär laufe.

Die Firma nehme diese Vorfälle sehr ernst und stehe im engen Austausch mit den zuständigen Behörden, Airbus Canada und Pratt & Whitney, teilte die Swiss mit. «Wir werden alles dafür tun, den Flugbetrieb unserer C-Series-Flotte schnellstmöglich wieder zu normalisieren und weiterhin einen sicheren Flugbetrieb gewährleisten zu können.»

Die betroffenen Passagiere würden aktiv informiert und auf Kosten der Swiss auf die bestmögliche Alternative umgebucht. Zudem können Tickets annullierter Flüge kostenlos umgebucht oder erstattet werden.

Eilt Milliardär Martin Ebner zur Hilfe?

Hilfe sucht die Swiss unter anderem bei ihrer Partner-Airline Helvetic Airways des Schweizer Milliardärs Martin Ebner. Ein Sprecher der Schweizer Fluggesellschaft bestätigt auf Anfrage, von der Swiss kontaktiert worden zu sein. So wird Helvetic in den nächsten Tagen häufiger nach Florenz und London fliegen. Schon heute ist der Grossteil der elf Helvetic-Flugzeuge im Auftrag der Swiss unterwegs.

Besorgt zeigen sich auch die Piloten der Swiss. «Man muss jetzt rausfinden, was Sache ist», sagt ein Sprecher des Swiss-Pilotenverbands Aeropers. Die Sicherheitsmassnahmen der Airline seien auf jeden Fall sinnvoll. Nervosität oder Angst herrsche bei den Swiss-Piloten derzeit nicht

Dafür nimmt der Verbandssprecher den US-Lieferanten der Triebwerke in die Pflicht: «Wir hoffen natürlich auf eine baldige Auflösung des Problems seitens des Triebwerkhersteller Pratt & Whitney.»

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