Kommentar

Der Weg zurück aus der Krise wird für die Luxusgüterbranche steinig

Die Coronakrise trifft die Luxusbranche besonders hart. Kreative Lösungen sind gefragt, aber mit dem nötigen Respekt für die Arbeitnehmer.

Maurizio Minetti
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Maurizio Minetti.

Maurizio Minetti.

Jahrelang sprudelten die Umsätze zuverlässig. Während viele in der Region den «Overtourism» beklagten, profitierten Luxusgüterhändler am Luzerner Schwanenplatz von asiatischen und amerikanischen Gästen, die Rolex-Uhren und Edelstein-Colliers kauften. Nach dem Ende der Finanzkrise reihte die Branche dank dem sozialen Aufstieg Chinas Rekordjahr an Rekordjahr. Stadt und Kanton Luzern nahmen die Steuereinnahmen dankend entgegen.

Und nun also die Coronakrise. Sie trifft praktisch alle Branchen, aber mit grösster Wucht vor allem jene Sektoren, die stark vom internationalen Tourismus abhängig sind. Denn es dürfte noch lange dauern, bis sich wieder das gleiche Reiseverhalten wie früher einstellt. Ohne Touristen werden die Absätze markant zurückgehen; Schweizer Kunden werden die Lücke nicht schliessen können. Zudem wollen Luxusgüter vor dem Kauf haptisch begutachtet werden – der Onlinekanal spielt nach wie vor eine marginale Rolle. Nicht auszudenken, was eine befürchtete zweite Ansteckungswelle anrichten könnte.

Die Branche hat darum richtigerweise schnell auf Kurzarbeit umgestellt. Doch das scheint nicht zu reichen, wie das Beispiel Gübelin zeigt: Das traditionsreiche Haus erwartet von seinen Angestellten, dass sie ihr Pensum im Schnitt um 20 Prozent kürzen. Zudem mussten sieben Führungskräfte den Hut nehmen. Mit diesen Massnahmen hofft Gübelin, die Baisse zu überstehen. Auch andere Händler prüfen «sämtliche Möglichkeiten», wie es in solchen Fällen oft heisst. Die Botschaft dahinter ist: Die Krise geht nicht so schnell vorbei, wie sie gekommen ist. Der Weg zurück in die Normalität wird steinig. Und wer danach wieder so fit wie früher dastehen will, muss jetzt die richtigen Entscheide treffen und sich vorbereiten.

Ob es angebracht ist, der Belegschaft eine Pensenreduktion aufs Auge zu drücken und ganze Führungsschichten zu eliminieren – das muss jeder Arbeitgeber für sich entscheiden. Sicher ist: Es kann keine Lösung sein, die Hände in den Schoss zu legen und zu warten, bis die Krise vorbei ist. Kreative Lösungen sind gefragt – vorausgesetzt, die Arbeitnehmer werden mit dem nötigen Respekt behandelt. Andernfalls drohen am Ende Massenentlassungen und Konkurse.

Gübelin entlässt Kader – wegen Coronakrise

Der Luzerner Schmuck- und Uhrenhändler Gübelin muss wegen der Coronakrise die Kosten runterfahren: Angestellte sollen ihr Pensum im Schnitt um 20 Prozent reduzieren. Wer es nicht tut, habe nichts zu befürchten, versichert Präsident Raphael Gübelin.
Maurizio Minetti