Der Westen kann von China lernen

Felix Lee über die enorm wachsende Wirtschaftsmacht China.

Felix Lee, Peking
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Felix Lee

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Bis 2035 will China zu den führenden Industrieländern gehören. Angesichts der rasanten technischen Entwicklung, die das Riesenreich derzeit durchmacht, ein durchaus realistisch gestecktes Ziel.

Für 2049 hat Staats- und Parteichef Xi Jinping für sein Land zum Ziel gesetzt, zur wohlhabendsten Nation aufzusteigen. China soll bis dahin nicht nur den Sozialismus komplett umgesetzt haben, sondern auch in der Lage sein, die Welt anzuführen. Das klingt dann doch nach Grössenwahn.

Und doch ist das nicht falsch. Seit Chinas grosser Reformer Deng Xiaoping das Riesenreich der Aussenwelt öffnete, gehört es für die chinesischen Machthaber zum guten Ton, eine Vision zu entwickeln, die über die eigene Amtszeit hinausgeht. Deng selbst war ein Meister darin. Viele Entwicklungen, die er vor 30 Jahren aussprach, haben sich bewahrheitet. Seine Prognose, dass sein Land es wirtschaftlich binnen zwei Jahrzehnten mit den westlichen Industrieländern aufnehmen könnte, erfolgte in einer Zeit, als vier Fünftel der Bevölkerung noch nicht einmal ein Transistorradio besass. Er hat dennoch Recht behalten.

Das allein mag noch kein Beleg dafür sein, dass sich auch Xis Visionen erfüllen werden. Doch darauf kommt es gar nicht an. Was die chinesischen Staatslenker auszeichnet: Sie denken und planen in langen Zeiträumen.

Welcher Politiker hierzulande kann das von sich behaupten? Vielmehr ist es in westlichen Demokratien zur Normalität geworden, dass Politiker sich an populistischen und kurzlebigen Moden orientieren und nicht an einer langfristigen Leitlinie. China hat einen Plan, der Westen hat ihn nicht. Schade eigentlich.

Felix Lee, Peking

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

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