Kommentar

Der Zukunftstag ist ein wichtiger Beitrag zur Gleichstellung

Wegen Corona streichen viele Grossfirmen heuer den Zukunftstag. Langfristig sollten Arbeitgeber ihre Bemühungen aber eher verstärken, den Jugendlichen spannende Berufe näherzubringen.

Maurizio Minetti
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Maurizio Minetti.

Maurizio Minetti.

Der Nationale Zukunftstag ist ein relativ junges Projekt. Vor zwanzig Jahren als Tochtertag initiiert, soll er heute allen Jugendlichen der fünften bis siebten Klasse die Möglichkeit geben, geschlechtsuntypische Arbeitsumgebungen kennen zu lernen. Buben schauen bei der Primarlehrerin vorbei, Mädchen schnuppern in der Schreinerei. Für viele Kinder ist es der erste Einblick in die Berufswelt überhaupt.

Dass in diesem Coronajahr einige grosse Arbeitgeber auf diese Tradition verzichten, ist durchaus nachvollziehbar. Ein solcher Tag muss fast schon generalstabsmässig organisiert sein, will man nicht riskieren, die Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit zu missachten.

Auf lange Sicht sollten Arbeitgeber ihre Bemühungen aber eher verstärken, den Jugendlichen spannende Berufe näherzubringen. Zumal der Aufwand in normalen Zeiten durchaus vertretbar ist. In den letzten Jahren der Primarschule wird die spätere Karriere bereits wesentlich vorgespurt. Kein Video, kein Prospekt und kein Berufsbildungsgespräch vermögen das Gefühl zu ersetzen, in einem Bagger zu sitzen, einen Computer selber zusammenzubauen oder eine Spritze zu setzen. Oft reicht nicht mal ein Tag dafür aus. Der Nationale Zukunftstag ist nicht nur ein gutes Mittel für KMU und Grossunternehmen, um künftigen Nachwuchs zu fördern. Er trägt langfristig auch zur Gleichstellung von Frau und Mann bei.