Detailhandel
365 Tage lang im «Weihnachtsmodus»: Migros Luzern blickt trotz Pandemie auf erfolgreiches Jahr zurück

Die Genossenschaft Migros Luzern profitierte von der gestiegenen Nachfrage nach Lebensmitteln. In anderen Bereichen musste sie dagegen Rückschritte hinnehmen. Mitarbeitende erhalten eine ausserordentliche «Corona-Dankeschönprämie» von 500 Franken.

Gregory Remez
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Die Pandemie führte zu einem veränderten Kundenverhalten in den Migros-Filialen.

Die Pandemie führte zu einem veränderten Kundenverhalten in den Migros-Filialen.

Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

Die Genossenschaft Migros Luzern blickt auf ein Jahr der Gegensätze zurück. «In unseren diversen Bereichen waren wir unterschiedlich stark gefordert», resümierte der neue Geschäftsleiter Guido Rast anlässlich der Veröffentlichung des Finanzergebnisses am Dienstag. Als «Grundversorger» profitierten die Super- und Fachmärkte von der gestiegenen Nachfrage nach Lebensmitteln. Alle übrigen Sparten der Migros Luzern waren dagegen von den beiden Lockdowns sowie von betrieblichen Einschränkungen während der Öffnungszeiten betroffen. Teilweise mussten sie grosse Einbussen verkraften.

«Die Spartenumsätze der Migros Luzern zeigen ein exaktes Spiegelbild der coronabedingt äusserst unterschiedlichen Marktentwicklungen», kommentierte Finanzchef Bruno Bieri das Finanzergebnis. Da jedoch die Supermärkte fast 80 Prozent des Gesamtumsatzes der Genossenschaft ausmachen, habe die Migros Luzern unter dem Strich deutlich von den Turbulenzen am Markt profitiert.

So konnte die grösste Zentralschweizer Arbeitgeberin ihren Umsatz um 5 Prozent auf 1,52 Milliarden Franken steigern und blickt mit einem Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 53,3 Millionen Franken – ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – auf ein sehr gutes Resultat zurück. Es sei gar das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der Genossenschaft, so Bieri.

Kleinere Filialen erlebten einen Boom

Die gestiegenen Umsätze im Detailhandel konnten die Ausfälle in den geschlossenen Geschäftsbereichen damit mehr als auffangen. «Das ganze Jahr hindurch hatten wir rund 30 Prozent mehr Warenmengen zu bewältigen als im Vorjahr», sagte Kurt Odermatt, Leiter Logistik/Produktion/Informatik. Derartige Zahlen kenne man eigentlich nur von den Weihnachtstagen:

«Wir waren sozusagen 365 Tage lang im Weihnachtsmodus.»

Das Kundenverhalten habe sich in diesem aussergewöhnlichen Jahr stark verändert, führte Guido Rast aus, der im 1. Juli 2020 die operative Verantwortung von Felix Meyer, dem neuen Präsidenten der Verwaltung, übernommen hatte. Vor allem kleinere Filialen hätten als Folge der Pandemie einen Boom erlebt. Zwar seien die Läden weniger oft besucht worden, dafür hätten die Kundinnen und Kunden ihre Warenkörbe besser gefüllt. Das zeige sich etwa bei den regionalen und Bioprodukten, bei denen die Nachfrage erneut stark zugenommen habe. «Mit dem Biosortiment haben wir erstmals über 100 Millionen Franken umgesetzt, ein Plus von 20 Prozent», so Rast. Profitiert habe die Migros im Allgemeinen davon, dass viele Menschen im Homeoffice arbeiteten und ihre Ferien daheim verbrachten.

Um die zusätzlichen Warenvolumen zu meistern, wurde ein Teil der Mitarbeitenden aus den temporär geschlossenen Freizeitanlagen oder der Gastronomie in die stark nachgefragten Bereiche verlegt. Die Fachmärkte boten ihre Dienstleistungen derweil via Click&Collect-Abholsystem an. Die Kurse in den Klubschulen, wo man ein Umsatzminus von 31 Prozent verzeichnete, wurden coronabedingt grösstenteils auf virtuellen Unterricht umgestellt. Oder es fanden Mischformen mit Teilnehmenden vor Ort und Videoschaltungen nach Hause statt.

Seit 1. Juli 2020 Geschäftsleiter der Migros Luzern: Guido Rast (51).

Seit 1. Juli 2020 Geschäftsleiter der Migros Luzern: Guido Rast (51).

Allerdings konnte nur ein Teil der Belegschaft verlegt werden. Rund ein Drittel der Mitarbeitenden wurde während der beiden Lockdowns in die Kurzarbeit geschickt. Sie erhielten allerdings über die gesamte Zeit den vollen Lohn. Als verantwortungsvolle Arbeitgeberin habe die Migros Luzern die Lohnlücke der von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeitenden von 80 auf 100 Prozent kompensiert, so Rast.

Zudem profitierten alle Mitarbeitenden – die Migros Luzern beschäftigt in der Zentralschweiz rund 6000 Personen – von der Erfolgsbeteiligung 2019 in Höhe von 500 Franken, die Anfang des letzten Jahres ausbezahlt wurde. Hinzu kam eine ausserordentliche «Corona-Dankeschönprämie» von 500 Franken, die all jene erhielten, die nicht von Kurzarbeit betroffen waren. Insgesamt liess sich die Migros Luzern die beiden Prämien 3,7 Millionen Franken kosten.

In der Rolle als Vermieterin gewährte die Migros Luzern den vom Lockdown betroffenen Geschäften einen Mieterlass von 50 Prozent für die Zeit der Ladenschliessung, was sich entsprechend im Umsatz der Sparte Dienstleistungen niederschlug. Zurzeit befinden sich noch etwa 1000 Mitarbeitende in Kurzarbeit, von denen viele normalerweise in Teilpensen arbeiten, etwa als Kursleiter in den Klubschulen oder als Service-Angestellte im Catering-Bereich.

Erster Wasserstoff-Lastwagen ab Mai

Trotz Corona investierte die Genossenschaft rund 70 Millionen Franken in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Standorte, fast die Hälfte davon ins neue Einkaufszentrum Herti in Zug. Erneuert wurden unter anderem die Filialen in Rain, der Brüelstrasse und der Bruchstrasse in Luzern, der Migros-Partner in Weggis sowie die Bäderlandschaft im Fitnesspark National Luzern. Hinzu kamen die beiden neuen Filialen in der Würzenbachstrasse Luzern und in Oberkirch.

Total zählt die Migros Luzern in der Zentralschweiz aktuell 139 Standorte. Und künftig sollen es noch mehr werden: Das Unternehmen werde auch weiterhin in den Ausbau des Filialnetzes investieren und die Modernisierung der bestehenden Standorte vorantreiben, kündigte die Genossenschaft, die heuer ihr 80-Jahr-Jubiläum feiert, im aktuellen Jahresbericht an.

Bei jeder Entscheidung nehme dabei der Nachhaltigkeitsgedanke eine zentrale Rolle ein, ergänzte Kurt Odermatt. «Sei es in Form von LED-Beleuchtungen, einer Wasserreduktion bei der Gebindewaschanlage oder der laufenden CO2-Reduktion im Transport.» Besonders erfreulich sei dabei, dass die Migros Luzern im Mai den ersten Wasserstoff-Lastwagen in Betrieb nehme. Zudem verfüge die Fahrzeugflotte zurzeit über zwei Elektro- und vier Hybridautos.