Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DETAILHANDEL: Mehr Kunden, weniger Umsatz

In den Coop-Supermärkten haben im Jahr 2015 rund 2 Prozent mehr Kunden eingekauft. Dennoch ging der Umsatz zurück. Beides hat mit den Preisen zu tun.
Roman Schenkel und Rainer Rickenbach
Die Coop-Filialen – im Bild Coop Südpark in Basel – lockten 2015 mehr Kunden an trotz zunehmendem Einkaufstourismus. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Die Coop-Filialen – im Bild Coop Südpark in Basel – lockten 2015 mehr Kunden an trotz zunehmendem Einkaufstourismus. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Coop-Chef Joos Sutter ist mit dem sich zu Ende neigenden Geschäftsjahr zufrieden. Zwar zeichnet sich ein im Vergleich zum Vorjahr tieferer Umsatz ab, und die Gewinnzahlen liegen noch nicht vor. Grund für Sutters Genugtuung bietet indes die Anzahl Kunden in den Supermärkten des Grossverteilers. Sie stieg in diesem Jahr um 2 Prozent. Kommt hinzu, dass Coop nach Sutters Einschätzung in der «Coop-Zeitung» bei den Frischprodukt-Nahrungsmitteln Marktanteile gewonnen hat. Von der Migros gibt es dazu noch keine Angaben.

Ausserordentliche Erfolgsmeldungen der Schweizer Grossverteiler sind in Zeiten des überbewerteten Schweizer Frankens und dem damit einhergehenden Einkaufstourismus im grossen Stil selten geworden. Die Branche litt schon lange unter den Währungsturbulenzen, der Frankenschock machte im Januar bloss deutlich, dass eine Normalisierung noch in weiter Ferne ist.

Keine Ladenschliessungswelle

Sutter glaubte zuerst an eine Falschmeldung, als er auf seinem Smartphone las, die Nationalbank habe die Euro-Untergrenze aufgehoben. «Dann wurde mir klar, dass wir auf einen Schlag mehr als 10 Prozent an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland verlieren», wird Sutter in der «Coop-Zeitung» zitiert.

Trotzdem: Eine Ladenschliessungswelle sieht er nicht auf den Detailhandel zukommen. Läden würde es immer geben, doch sie müssten sich verändern, sagt der Coop-Chef und meint damit die Verknüpfung der Einkaufsläden mit dem Onlineangebot. Etwa mit Abholstellen für Bestellungen, die über das Internet getätigt wurden.

Nicht alles taugt für Onlineverkauf

Der Verkauf über das Internet ist bei den Grossverteilern stark im Kommen. Beim Umsatz findet das Onlineshopping aber keinen markanten Niederschlag. Denn es geht zu einem schönen Teil zu Lasten der Verkäufe in den Läden. Zu diesem Schluss kam die Detailhandelsstudie der Credit Suisse von diesem Jahr. Rund 4,7 Prozent des gesamten Branchenumsatzes entfallen gemäss der Studie auf den Einkauf per Internet.

Die Fachleute der Credit Suisse gehen zwar von einem grossen Potenzial des Onlinehandels aus. Doch beschränkt es sich weitgehend auf Sparten wie Heimelektronik und – mit Abstrichen – auf Kleider. Die Anteile des Onlineumsatzes liegen bei diesen Sparten bei 23 und 12,4 Prozent. Gering ist mit 1,5 Prozent der Anteil beim Segment Lebensmittel. Daran dürfte sich auch längerfristig nicht viel ändern. «Bei Gemüse, Früchten, Brot und Fleisch lassen sich Qualität und Frische nur feststellen, wenn man das Produkt sieht oder fühlt», stellen die Studienverfasser fest.

Die Detailhändler expandieren

Dies sieht auch der Luzerner Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler so. Er geht davon aus, dass die Läden bei den grossen Detailhändlern auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen werden. Denn deren Expansion sei nach wie vor im Gange. «Die grossen Detailhändler eröffnen Laden um Laden. Dabei schliessen die Unternehmen oft langfristige Mietverträge ab», sagt er.

Wangler glaubt daher nicht, dass es künftig zu vielen Ladenschliessungen kommen wird – auch nicht wegen der Onlinekonkurrenz. «Der Onlinehandel wächst zwar stark, er ist aber sehr tief unten gestartet», so Wangler. Noch sei der Anteil des Onlinegeschäfts sowohl bei Coop wie auch bei der Migros «sehr klein». Insbesondere im Frischebereich komme das Onlinegeschäft nicht vom Fleck. «Bei Lebensmitteln läuft der Kauf halt über Emotionen», erklärt Wangler. Hier locken die Detailhändler mit den diversen Nachhaltigkeitslabels die Kunden in ihre Geschäfte. Potenzial sieht Wangler jedoch in der Kombination von Laden und Internet. «Das spricht Kunden an. Sie informieren sich heute viel genauer über ihre Einkäufe und wissen, wo welche Rabatte zu erhalten sind.»

Kaufkraft angestiegen

Von der Zunahme der Kunden in den Coop-Supermärkten ist Wangler nicht überrascht: Die Kaufkraft der Schweizer habe zuletzt wegen der Minusteuerung zugenommen, sagt er. «Wir können uns mit gleichem Lohn mehr leisten als im Vorjahr», so Wangler. Der Umsatzrückgang sei wohl insbesondere wegen der tieferen Preise zu Stande gekommen.

Den starken Franken als Ausrede für rückläufige Umsätze zu benutzen, lässt er aber nicht gelten. «Wer heute noch mit dem starken Franken kommt, hat am Markt nichts verloren», sagt Wangler. Der Detailhandel habe nun lange Zeit gehabt, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Zudem bringe die starke Schweizer Währung auch Vorteile. «Die Detailhändler konnten 2015 wesentlich günstiger im Ausland einkaufen als im Jahr zuvor», sagt Wangler. Hinzu komme der tiefe Preis für Benzin. «Der Detailhandel hat mit Sicherheit auch stark von den günstigen Spritpreisen profitiert», sagt er. Für 2016 hofft Wangler auf ein etwas ruhigeres Jahr für den Schweizer Detailhandel. «Stand heute sollte es keine grossen Überraschungen geben.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.