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DETAILHANDEL: Migros-Luzern-Chef Felix Meyer: «Niemand hat auf die Mall of Switzerland gewartet»

Die Genossenschaft Migros Luzern steigerte entgegen dem Branchentrend ihren Umsatz. Geschäftsleiter Felix Meyer redet über das Einkaufszentrum Mall of Switzerland und den Onlinehandel.
Filialen sollen mit dem Onlinegeschäft verknüpft werden: Migros in der Mall of Switzerland in Ebikon. (Bild: Pius Amrein (21. März 2018))

Filialen sollen mit dem Onlinegeschäft verknüpft werden: Migros in der Mall of Switzerland in Ebikon. (Bild: Pius Amrein (21. März 2018))

Interview: Rainer Rickenbach

Felix Meyer, die Detailhandelsgeschäfte in den Läden stagnieren, die Onlineverkäufe boomen. Warum hat die Migros Luzern in der Mall of Switzerland ihre Ladenfläche trotzdem stark ausgebaut?

Die Ladenfläche, die wir heute in der Mall of Switzerland mieten, ist insgesamt kleiner als die im ehemaligen MParc Ebikon. Es stimmt, das Ladengeschäft ist in der Schweiz sogar leicht rückläufig. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Ladenflächen mehr braucht, denn die Filialen werden immer enger mit dem Onlinegeschäft verknüpft. Die Migros ist daran, ihre Verkaufsflächen mit Abholstationen zu bestücken, wo die Kunden Waren abholen können, die sie übers Internet bestellt haben. Die Pickup-Stationen stehen auch für Waren anderer Onlineanbieter offen.

Wegen dem Abholsystem hätte die Migros nicht Hauptmieterin in der Mall werden müssen.

Die Mall bot die wahrscheinlich letzte Möglichkeit, in der Zentralschweiz an eine grosse Verkaufsfläche zu kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein weiteres neues Einkaufszentrum in der Region entstehen wird. Kommt hinzu: Die Planung des Mall-Vorgängerprojektes begann vor 15 Jahren. Damals sah es im Detailhandel noch anders aus, Ladenflächen waren gefragt. Es liess sich nicht vorhersehen, wie sehr der Onlinehandel und der Frankenschock die Branche verändern. Als die Mall dann im vergangenen Herbst eröffnet wurde, hatte niemand mehr auf die Mall gewartet.

Hat sich die Investition in die Mall gelohnt?

Wir sind zufrieden. Die Fachmärkte, die vom MParc Ebikon in das neue Einkaufszentrum umzogen, befinden sich nun an guten Lagen und hatten dort einen starken Start. Im Supermarkt lief das Weihnachtsgeschäft gut. Seither ist es ruhiger geworden. Das war zu erwarten. Für ein erstes Fazit ist es aber noch zu früh, es lässt sich erst nach einem Jahr ziehen. Erst muss sich noch weisen, ob die Mall of Switzerland genügend Magnetwirkung entwickelt. Zuversichtlich stimmen mich aber das Erlebniskonzept und wie professionell und mit welch beträchtlichen Finanzmitteln das Marketing betrieben wird.

Selbst in den gut etablierten Migros-Einkaufszentren Länderpark Stans und Surseepark stagnieren die Besucherzahlen und Umsätze.

Das ist so. Der Januar 2015 mit der Freigabe des Euro-Mindestkurses kam für den Detailhandel einer Zäsur gleich. Er bescherte den Retailern Schwierigkeiten, vor allem das Textilgeschäft leidet. Es verlor viele Kunden an die grossen ausländischen Onlineanbieter.

Geht der Umsatz in der Mall auf Kosten kleinerer Migros-Filialen?

Es mag sein, dass es zur einen oder anderen Umsatzverschiebung kam. Bei den Fachmärkten gibt es diese Verschiebung nicht, der MParc Ebikon wurde ja geschlossen. Über alles betrachtet verzeichnet die Migros im aufstrebenden Rontal ein markantes Wachstum.

Schafft die Migros weitere neue Ladenflächen?

Weitere grosse Flächen wie in der Mall of Switzerland sind nicht geplant. Wir sind aber bei verschiedenen Standorten daran, neue Verkaufsflächen für die Nahversorgung zu entwickeln oder sie zu modernisieren. Am Mittwoch etwa feierten wir die Eröffnung der neuen Filiale in Steinhausen. Es gibt allerdings in der Zentralschweiz immer weniger weisse Flecken im Detailhandel. Das Filialnetz ist bereits sehr dicht.

Wie entwickelt sich das Online­geschäft der Migros?

Sehr gut. Die Migros verknüpft das Internetgeschäft mit den herkömmlichen Läden. In unseren Filialen gibt es bereits 31 Abholstandorte für Onlinebestellungen, bis Ende Jahr kommen 20 weitere dazu. Im Herbst führen wir an 12 Standorten Bestellterminals für Onlineartikel aus dem Fachmarkt ein. Was an Sortiment vor Ort fehlt, können die Kunden am Terminal ordern. Es geht beim Online­business also um viel mehr als bloss darum, vom heimischen Sofa aus die Einkäufe zu tätigen.

Welche Produkte laufen online besonders gut?

Alle Non-Food-Artikel, die einigermassen handlich sind. Es sind in erster Linie Artikel aus der Unterhaltungselektronik und für Heimwerker. Für einen Rasenmäher etwa suchen die meisten Kunden nach wie vor einen Laden auf, Mobiletelefone hingegen eignen sich für unsere Onlineportale bestens. Die Migros legt in diesem Geschäftszweig viel Wert auf Service. So kann sie sich von den internationalen Online-Giganten abheben.

Welche Folgen hat das eigene Onlinegeschäft auf die Geschäfte der Genossenschaft Luzern?

Online eröffnet eine weitere Chance auf Kundenbindung. Auf der andern Seite bringt es mit Grossanbietern wie Amazon oder Ali Baba das Risiko einer übermächtigen Konkurrenz mit sich. Deren Wertschöpfung fällt ausserhalb der Schweiz an. Das Kundenverhalten ist zwiespältig: Einerseits legen die Konsumenten grossen Wert auf regionale Produkte, andererseits bestellen sie im Ausland Waren, wenn sich damit ein paar Franken sparen lassen.

Hinweis

Felix Meyer (59) ist Geschäftsführer der Genossenschaft Migros Luzern. Ihr Einzugsgebiet umfasst die ganze Zentralschweiz.

Tabelle-Mogros. (Bild: Tabelle: LZ)

Tabelle-Mogros. (Bild: Tabelle: LZ)

Felix Meyer (59) ist Geschäftsführer der Genossenschaft Migros Luzern (Bild: Dominik Wunderli (LZ))

Felix Meyer (59) ist Geschäftsführer der Genossenschaft Migros Luzern (Bild: Dominik Wunderli (LZ))

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