DETAILHANDEL: Migros Luzern sagt bei Tegut ab

Die Übernahme der deutschen Handelskette Tegut soll der Migros künftig neues Wachstum bescheren. Doch die Luzerner Migros macht nicht mit.

Bernard Marks
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Zwei Beschwerden gegen unlautere Werbung der Migros wurden gutgeheissen. Im Archivbild: Die Migros Waldstätter-Filiale in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Zwei Beschwerden gegen unlautere Werbung der Migros wurden gutgeheissen. Im Archivbild: Die Migros Waldstätter-Filiale in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Die Migros Luzern beteiligt sich nicht an der deutschen Handelskette Tegut. «Eine Beteiligung an Tegut ist für uns aktuell kein Thema», sagt Marisa Michlig von der Migros Luzern gestern auf Anfrage. Auch andere Genossenschaften wie die der Ostschweiz verkündeten in einem Artikel in der «Ostschweiz am Sonntag», dass sie von einem Engagement bei Tegut absehen wollen.

Noch im November 2012 klang dies euphorischer. Die Genossenschaft Migros Luzern stehe dauernd im Austausch mit der Migros Zürich, welche Tegut übernommen hatte. Jetzt ist klar: Zu einer Beteiligung der Migros Luzern sowie auch anderer Genossenschaften an der Übernahme wird es vorerst nicht kommen. Damit stellt sich nun die Frage: Übernimmt sich die Migros Zürich ohne die Hilfe der anderen Genossenschaften mit Tegut? Und: Verpasst die Migros Luzern etwa eine Chance, um am möglichen Wachstum im Ausland teilzuhaben?

Analysten sind skeptisch

Der Grund für die Expansion liegt auf der Hand: In der Schweiz wird es den beiden Grossen im Schweizer Detailhandel zu eng: «Generell ist der Markt für den Detailhandel in der Schweiz gesättigt», bestätigt Peter Gasser, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Coop und Migros müssten ihre Rentabilität erhöhen. «Wenn Detailhändler wie die Migros oder Coop weiter wachsen wollen, müssen sie ins Ausland expandieren», erklärt Gasser.

Eine Möglichkeit sind Akquisitionen wie im Falle von Tegut. Dass sich die Migros Luzern nicht an Tegut beteiligen möchte, kommt für Gasser nicht überraschend. «Die Migros Luzern will sich offenbar auf ihren Kernmarkt in der Zentralschweiz konzentrieren», sagt er. Denn der deutsche Markt sei kein einfacher, so Gasser. «Das ist ein hartes Business, und ich glaube nicht, dass die Migros Luzern eine Chance verpasst», so Gasser.

Vor allem die Preise seien ein Problem. «Der deutsche Konsument ist enorm preisbewusst», sagt er. Die Migros-Produkte seien zwar attraktiv, aber möglicherweise für den deutschen Käufer wohl etwas zu teuer. Das bestätigen auch Experten aus Deutschland. «Migros-Produkte könnten für Konsumenten in Deutschland durchaus attraktiv sein», denkt Waldemar Toporowski, Professor für Handelsbetriebslehre an der Universität Göttingen. Auch er ist aber bezüglich Preisniveau der Migros-Produkte skeptisch. Eine Bündelung der Kräfte, sprich die Beteiligung anderer Migros-Genossenschaften am Abenteuer ennet der Grenze, erscheine daher sinnvoll.

«Die Migros Zürich hat deutlich mehr finanzielle Kraft, um diese Aufgabe der Übernahme der Handelskette alleine zu bewältigen», sagt aber Analyst Gasser. Die Migros Luzern ist mit aktuell 45 Supermärkten, diversen Fachmärkten sowie 13 Freizeitanlagen im Vergleich zur Migros Zürich mit 98 Filialen nur etwa halb so gross. Auch der Umsatz zeigt den Unterschied deutlich. Mit 2,5 Milliarden Franken erzielen die Zürcher klar mehr Verkaufserlöse als die Luzerner mit rund 1,35 Milliarden Franken. Auch die Mitarbeiterzahl liegt höher. In der Migros Zürich sind über 8600 Mitarbeiter tätig, in Luzern sind es rund 5900 Mitarbeiter.

Migros Zürich bestätigt

«Die Übernahme von Tegut erfolgt einzig durch die Genossenschaft Migros Zürich. Es beteiligt sich keine andere Genossenschaft», bestätigt Rolf Fuchs, Sprecher der Migros Zürich. Diese könne den Erwerb von Tegut mit rund 286 Filialen sehr gut alleine stemmen. Die Finanzierung erfolge einerseits durch Eigenmittel, andererseits durch einen Kredit beim Migros-Genossenschafts-Bund. «Wir nutzen die aktuell tiefen Zinsen, um einen wesentlichen Teil des Kaufpreises mittels längerfristigen Darlehen via Migros-Genossenschafts-Bund zu finanzieren», erklärt dazu Fuchs. Die Bilanzstruktur der Migros Zürich mit einem hohen Eigenkapitalanteil erlaube die Aufnahme von Fremdkapital ohne besondere Sicherheiten.

Tegut betreibt Filialen in den deutschen Bundesländern Hessen und Thüringen sowie im nördlichen Teil Bayerns. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Brancheninsider rechnen mit rund 300 Millionen Franken.