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DETAILHANDEL: Shoppingcenter müssen investieren

Der Markt für Shoppingcenter ist hart umkämpft. In der Zentralschweiz entsteht mit der Mall of Switzerland neue Konkurrenz. Das zwingt etablierte Einkaufscenter zum Handeln.
Die Jahresumsätze der grossen Schweizer Einkaufscenter. (Bild: Grafik Isi/ Neue LZ)

Die Jahresumsätze der grossen Schweizer Einkaufscenter. (Bild: Grafik Isi/ Neue LZ)

Bernard Marks

Der Schweizer Detailhandel steckt in einem Dilemma. «Seit fünf Jahren stagniert der Markt», sagt der Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener. Im Jahr 2014 erwirtschaftete die Branche einen Gesamtumsatz von 97,6 Milliarden Franken. Dies entspricht lediglich einem Wachstum von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. «In diesem Jahr verliert der Detailhandel jedoch allein in den ersten neun Monaten rund 2 Prozent», sagt Hochreutener. Umgerechnet sind dies etwa 2 Milliarden Franken weniger Umsatz. Und die Aussichten für 2016 sehen nicht besser aus: «Es wird nicht alle Marktteilnehmer gleich treffen. Aber man kann sagen, dass für den Schweizer Detailhandel harte Zeiten kommen werden», sagt Hochreutener.

Studie: Verkaufsfläche sinkt

Diesen Trend bestätigt eine neue Studie. Im Shoppingcenter-Marktreport 2016 wurden 256 Experten aus der Shoppingcenter- und Detailhandelsbranche zur Entwicklung der nächsten zwei bis drei Jahre befragt. Das Ergebnis der Studie zeigt auf, dass die Schweizer Shoppingcenter vor grossen Herausforderungen stehen. So gehen 60 Prozent der Befragten davon aus, dass die Umsätze im stationären Handel in den nächsten Jahren weiter sinken werden. Folglich erstaunt es nicht, dass 70 Prozent aller interviewten Personen davon ausgehen, dass die Nachfrage nach Verkaufsfläche sinken wird.

Das bekommen auch die hiesigen Shoppingcenter zu spüren. «Die Investoren machen einen grossen Bogen um den Markt», schreiben Analysten der Credit Suisse. Es würden aktuell 40 Prozent weniger Baugesuche gestellt als im Durchschnitt der letzten Jahre.

190 Schweizer Shoppingcenter

Hinzu kommt, dass ein beträchtlicher Teil der 190 Schweizer Shoppingcenter mit einer Fläche über 5000 Quadratmetern in die Jahre gekommen ist. Ihr Durchschnittsalter liegt bei über 20 Jahren. Von den 190 untersuchten Einkaufszentren wurden laut Thomas Hochreutener 55 Center in den vergangenen zehn Jahren weder umgebaut noch revitalisiert. Er prognostiziert, dass, wenn die älteren Center nicht umgebaut oder revitalisiert werden, Kundenfrequenzen und Umsätze zurückgehen dürften.

Emmen-Center auf Platz 6

Der Shoppingcenter-Markt hat einen Anteil von 17 Prozent am Gesamtumsatz des Schweizer Detailhandels. Das grösste Schweizer Shoppingcenter ist gemessen am Umsatz das Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen. Laut GFK Schweiz wurden dort im vergangenen Jahr 619 Millionen Franken umgesetzt (siehe Grafik). Die Nummer 2 ist das Centre Balexert in Genf mit einem Umsatz von 443 Millionen Franken.

Bereits auf Rang 6 folgt das Emmen-Center in Emmenbrücke. Seine Läden setzten 2014 rund 239 Millionen Franken um. Für die Zentralschweizer Shoppingcenter kommt neben den schwierigen Marktbedingungen auch noch neue Konkurrenz hinzu. Der Bau der Mall of Switzerland in Ebikon geht laut Mediensprecher Werner Schaeppi planmässig voran, bereits im Herbst 2017 soll das neue Shoppingparadies eröffnen. Mit 50 000 Quadratmetern und einem geschätzten Umsatz zwischen 300 und 400 Millionen Franken wird es eines der grössten Einkaufszentren der Schweiz. Neben dem gewohnten Mietermix eines klassischen Shoppingcenters will die Mall of Switzerland mit der Verbindung zu verschiedenen Freizeitangeboten, einer Surfwelle, einem Fitnesscenter sowie zwölf Kinosälen auftrumpfen. Dieses Gesamtpaket setzt die etablierten Player natürlich unter Druck.

«Bei den Shoppingcentern gibt es Sättigungs- und Verdrängungstendenzen. Das schliesst jedoch nicht aus, dass vereinzelte Standorte nach wie vor Potenzial für neue Shoppingcenter bieten», sagt Patricia Feubli, Analystin der Credit Suisse. Auch Hochreutener sieht Chancen. «Ein grosser Teil der Umsatzeinbussen ist auf Preisrückgänge zurückzuführen. Auch der Einkaufstourismus tut weh.»

Der Länderpark hat schon reagiert

In der Zentralschweiz sehe es aber ein wenig anders aus. Hier sei man nicht so stark vom Einkaufstourismus betroffen. «Der Druck auf etablierte Einkaufscenter in der Region wird in Zukunft dennoch zunehmen» sagt Hochreutener. Darauf hat man im Länderpark in Stans bereits reagiert. Im Länderpark ist ein fast neues Zentrum entstanden, die Verkaufsfläche hat sich praktisch verdoppelt. Auch im Emmen-Center gebe es Pläne für einen Umbau in den nächsten Jahren. Diese sind laut Emmen-Center-Direktor Roland Jungo noch nicht spruchreif. «Die lokalen Shoppingcenter nehmen die neue Konkurrenz als Herausforderung an», folgert daraus Experte Hochreutener.

Ganz entscheidend zur Gesamtwahrnehmung eines Centers seien seine Ausrichtung und seine Wandelbarkeit, sagt Jan Tanner, Präsident des Swiss Council of Shopping Center. «Das Management eines Shoppingcenters hat schon lange keine Verwalterfunktion mehr, für ein attraktives Center ist ein modernes Management notwendig», so Tanner. Nur dann erhalte ein Haus eine klare Identität, welche die Kunden anziehe.

Ein Blick in das Emmen-Center, eines der grössten Einkaufszentren der Schweiz. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Ein Blick in das Emmen-Center, eines der grössten Einkaufszentren der Schweiz. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

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