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18'000 Jobs gestrichen – die Deutsche Bank nimmt Abschied vom Grössenwahn

Der Radikalumbau bei der grössten Bank Deutschlands hat mit einer Welle erster Entlassungen begonnen. Trotz der Streichung von 18'000 Arbeitsplätzen gibt es Lob von Analysten.
Christoph Reichmuth aus Berlin
Die Deutsche Bank will weniger hoch hinaus: Hauptsitz in Frankfurt. (Bild: AP/KEY)

Die Deutsche Bank will weniger hoch hinaus: Hauptsitz in Frankfurt. (Bild: AP/KEY)

Die Hiobsbotschaft wurde den von der Entlassung betroffenen Mitarbeitern der Deutschen Bank in Frankfurt, London und New York am Montag persönlich übermittelt. Ein Reporter der Wirtschaftsagentur «Bloomberg» berichtete von Szenerien in London, die an die Pleite bei Lehman Brothers 2008 erinnern: Mitarbeiter, denen in persönlichen Gesprächen das sofortige Ende der Zusammenarbeit eröffnet worden war, trugen in Kisten ihre persönlichen Gegenstände aus dem Bankgebäude; einige Händler sollen, so der Reporter, beim Verlassen des Gebäudes geweint haben.

Der Zeitpunkt der Kündigung bedeutet für die Londoner Investmentbanker wegen der ohnehin angespannten Lage durch den bevorstehenden Brexit ein Risiko. «Während der Sommerflaute und der generell ungünstigen Marktsituation kommt die Entlassung für die Mitarbeiter zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt», zitiert «Bloomberg» den Londoner Analysten Joseph Leung.

Einen Tag zuvor, am Sonntag, kündigte der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, den radikalsten Umbau in der bald 150-jährigen Geschichte des grössten deutschen Geldhauses an. Unter anderem wird das Investment Banking in den nächsten Jahren um 40 Prozent verkleinert. Vor allem in New York und London, wo ein Grossteil der für die Bank einst so erfolgreichen Investment-Sparte angesiedelt ist, werden Tausende von Mitarbeitern in den nächsten Tagen und Monaten ihre Stelle verlieren. «Wir wissen, dass dieser Entscheidung tiefgreifende Auswirkungen auf die Leben der Menschen hat», liess sich Bankchef Sewing in einer Mitteilung zitieren. Insgesamt sollen in den nächsten dreieinhalb Jahren 18'000 Stellen verschwinden – fast jeder fünfte der heute 91'000 Arbeitsplätze.

«Der Traum, sich mit der Wall Street zu messen, ist geplatzt»

Die 1870 gegründete Deutsche Bank läutet mit dem Sanierungskonzept das Ende einer 30 Jahre dauernden Ära ein. 1989 wurde mit dem Kauf der Londoner Investmentbank Morgan Grenfell damit begonnen, alles auf die Karte Investment Banking zu setzen. Zunächst war das Konzept erfolgreich, die Bank erlangte Weltmacht im Wertpapierhandel. Doch seit der Finanzmarktkrise 2008 fand der Bereich nicht mehr zu alter Stärke zurück, hinzu kamen negative Schlagzeilen durch Milliardenstrafen. «Der Traum, sich mit den Grössten der Wall Street zu messen, ist geplatzt», räsonierte der «Spiegel».

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing betonte nach der Verkündigung der Pläne, dass bei der neu strukturierten Institution «die Bank und die Kunden immer vor den Interessen eines Einzelnen stehen» sollen – eine klare Anspielung auf die in früheren Jahren verfolgte Strategie einer aggressiven angelsächsischen Kultur des Investment Bankings, bei der zu oft der Bonus des Mitarbeiters Antrieb für riskante Geschäfte war. Sewing übte indirekt Kritik an seinen Vorgängern, die zu stark auf das Investment Banking gesetzt hätten. Der Versuch, in möglichst vielen Bereichen in der obersten Liga mitmischen zu wollen, «hat uns überfordert». Der 49-Jährige zeigte sich optimistisch: «Wir dürfen mit Fug und Recht behaupten, dass wir die Deutsche Bank neu erfinden.» Der Umbau des Geldhauses werde eine «Zeitenwende» sein. «Wir werden eine neue, bessere Deutsche Bank bauen.»

Der Ruf nach Verkleinerung ist nicht neu

Der Ruf nach Verkleinerung der Investment-Sparte ertönte schon seit geraumer Zeit. «Die Deutsche Bank krankt seit vielen Jahren an ihrem beharrlichen Festhalten an dem extrem teuren, nicht profitablen und riskanten Investment Banking», sagte vor wenigen Wochen der Frankfurter Finanzanalyst Dieter Hein gegenüber dieser Zeitung. Im März wurde eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank geprüft, das Geldinstitut wäre zu einem nationalen Champion aufgestiegen. Doch die Fusion scheiterte.

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