Euro
Deutsche bringen ihr Geld wieder auf Schweizer Bankkonti

Der Euro macht es möglich: Aus Angst vor dem Zerfall ihrer Einheitswährung bringen EU-Bürger ihre Ersparnisse auf Schweizer Bankkonti in Sicherheit - ganz legal und ohne Steuerbetrug.

Vasilije Mustur
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Keystone

So schnell kann es gehen: Seit Monaten liegt die Schweiz mit seinen Nachbarstaaten im Steuerstreit. Dies versetzte Bankkunden aus dem EU-Raum in Angst und Schrecken - sie kehrten dem Bankenplatz Schweiz den Rücken. Jetzt zeigen Recherchen von «a-z.ch»: Seit der Griechenland-Krise und dem drohenden Zerfall des Euro bringen verängstigte Europäer ihr Geld wieder zurück in die Schweiz:

«In den vergangenen Tagen kamen vermehrt Deutsche in unsere Geschäftsstellen, um sich über ein neues Konto in der Schweiz zu erkundigen. Einige haben inzwischen ein neues Konto bei uns eröffnet», bestätigt ein hochrangiges Kadermitglied einer grenznahen Bank - das namentlich nicht genannt werden will. Zwar handle es sich noch nicht um eine Welle von Kapitalflüchtlingen, «noch vor sechs Monaten war von dieser Angst nichts zu spüren».

Der Insider betont jedoch, dass es sich bei den Interessenten und Neukunden nicht um reiche Steuerflüchtlinge handelt: «Alle sozialen Schichten sind vertreten. In der Regel werden kleinere Beträge deponiert».

Deutsche zur Raiffeisen - Griechen zur ZKB

Neben dem Kadermitglied der Bank verspüren sowohl die Raiffeisenbank wie auch die Zürcher Kantonalbank die Unsicherheit der EU-Bürger. Dies führte bei der Raiffeisen Koblenz dazu, dass die Anfragen für ein Schweizer Konto von EU-Bürgern leicht anstieg. Generell stellt die Raiffeisenbank laut Sprecher Franz Würth fest, das vereinzelte Sparer aus den EU-Staaten Konten bei Raiffeisen eröffnen. Dabei spiele der Finanzplatz Schweiz als sicherer Hafen eine Rolle.

Derweil kämen die vereinzelten Anfragen von Anlageinteressenten bei der ZKB vornehmlich aus Griechenland, wie ZKB-Sprecherin Sybille Umiker bestätigt. «Bei den Anfragen geht es um die Einschätzung der ZKB zur Lage des Euro».

Angst vor staatlicher Enteignung

Die Angst vor dem Währungszerfall ist laut der ZKB aber nicht die einzige Sorge der EU-Bürger. Die Kunden würden sich vor allem davor fürchten, dass die vom Bankrott bedrohten Staaten auf den Vermögen exorbitante Steuern erheben, um so die Staatskassen zu sanieren. «Ohne Steuererhöhungen und zusätzliches Wirtschaftswachstum werden die Probleme in diesen Ländern auch nicht zu lösen sein», sagt Umiker. Damit gehört der Finanzplatz Schweiz zu den wenigen Gewinnern der Euro-Krise.