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DEUTSCHLAND: Abgas-Skandal: Weitere 800 000 Autos betroffen

VW hat zugegeben, dass auch CO2-Werte manipuliert wurden und Benziner betroffen sein könnten. Damit hat Europas grösster Autokonzern eine neue milliardenschwere Baustelle.
Autos vor dem Porsche-Werk in Leipzig aus der Vogelperspektive. Hier wird unter anderem der Porsche Cayenne hergestellt, dessen Software manipuliert sein soll. (Bild: EPA/Jan Woitas)

Autos vor dem Porsche-Werk in Leipzig aus der Vogelperspektive. Hier wird unter anderem der Porsche Cayenne hergestellt, dessen Software manipuliert sein soll. (Bild: EPA/Jan Woitas)

mim/sda. Der Abgas-Skandal bei VW erreicht eine neue Dimension. Volkswagen musste gestern nun auch Unregelmässigkeiten bei CO2-Werten einräumen. Es geht um den Ausstoss des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) – und damit um den Spritverbrauch. «Nach derzeitigem Erkenntnisstand können davon rund 800 000 Fahrzeuge des Volkswagenkonzerns betroffen sein», heisst es in einer Mitteilung von gestern Abend. «Die wirtschaftlichen Risiken werden in einer ersten Schätzung auf rund 2 Milliarden Euro beziffert», schreibt VW.

Zylinderabschaltung betroffen

Bisher ging es in dem Skandal um Stickoxid (NOX). Im September hatte das Unternehmen eingestanden, bei Abgastests auf dem Prüfstand mit Softwarehilfe die Ergebnisse für Dieselmotoren manipuliert zu haben. Die Software schaltet in Testsituationen in einen Sparmodus. In diesem Zusammenhang musste VW bereits 6,5 Milliarden Euro zurückstellen.

Im Rahmen der derzeit laufenden Überprüfungen aller Prozesse und Abläufe bei Dieselmotoren ist laut VW aufgefallen, dass bei der CO2-Zertifizierung einiger Fahrzeugmodelle zu niedrige CO2- und damit auch Verbrauchsangaben festgelegt wurden. Betroffen seien überwiegend Fahrzeuge mit Dieselmotoren. Es gehe um Autos der Typen Polo, Golf und Passat, sagte ein VW-Sprecher auf Anfrage. Bei der VW-Tochter Audi seien A1- und A3-Modelle betroffen. Bei Skoda gehe es um den Octavia und bei Seat um den Leon und den Ibiza.

Auch bei einem Benzinmotor mit Zylinderabschaltung habe es Auffälligkeiten gegeben, sagte der Sprecher. Es handle sich dabei aber um eine geringe Stückzahl. Bei den Dieselmotoren seien 1,4-, 1,6- und 2,0-Liter-Varianten betroffen. Alle Aggregate stammen einem Sprecher zufolge aus dem Wolfsburger Stammhaus von VW.

Kohlendioxid (CO2) ist zwar unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und wesentlich für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Die CO2-Grenzwerte sind in der EU in den vergangenen Jahren verschärft worden. «Der Vorstand der Volkswagen AG bedauert zutiefst den festgestellten Sachverhalt», hiess es. Die Sicherheit der Fahrzeuge sei in keinem Fall betroffen.

Amag klärt ab

VW-Chef Matthias Müller, der erst seit Ende September im Amt ist, versprach erneut eine «schonungslose» Aufklärung. VW wolle nach Absprache mit den zuständigen Behörden schnellstmöglich eine Klärung der weiteren Vorgehensweise sowie eine korrekte Einstufung der CO2-Werte bei den betroffenen Fahrzeugen vornehmen. Ob auch Fahrzeuge in der Schweiz von der neuen Entwicklung betroffen sind, sei noch unklar, teilte der Generalimporteur am Dienstagabend mit.

Erst am Montag hatte die US-Umweltbehörde EPA neue schwere Vorwürfe gegen VW erhoben – dabei geht es um Stickoxid-Werte. Die EPA beschuldigt VW, bei weiteren Dieselmotoren eine Manipulationssoftware eingesetzt zu haben. Volkswagen hält dagegen, kein Programm installiert zu haben, «um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern». Nach den neuen EPA-Vorwürfen wären erstmals auch Porsche-Fahrzeuge und jüngere Modellreihen betroffen. Wie die US-Behörde am Montagabend mitgeteilt hatte, wurden in bestimmten Dieselmodellen der Marken VW, Audi und Porsche 3-Liter-Dieselmotoren verbaut, die bei Stickoxid-Emissionen die in den USA erlaubten Grenzwerte um das bis zu Neunfache überträfen.

Astra-Task-Force an der Arbeit

Thomas Rohrbach, Mediensprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra), sagt, man habe die Darstellungen der EPA zur Kenntnis genommen. «Unsere Task-Force, die in den letzten Wochen mit Behörden, Herstellern und Importeuren in Kontakt stand, ist weiterhin an der Arbeit und beobachtet die Thematik. Erste Kontakte zur Informationsbeschaffung in dieser Sache fanden bereits statt», so Rohrbach auf Anfrage. Neue Erkenntnisse zu den in Europa angebotenen Versionen des 3.0-TDI-Motors liegen dem Astra nicht vor. Zuständig sei in erster Linie jene Behörde, die die gesamteuropäische Zulassung der Modelle durchgeführt habe. Rohrbach rechnet mit weiteren Informationen in rund einer Woche.

Die US-Umweltbehörde EPA hatte den Skandal um geschönte Abgaswerte bei Volkswagen Mitte September ins Rollen gebracht.

Der Aktienkurs der Volkwagen AG in Euro. (Bild: Grafik Neue LZ)

Der Aktienkurs der Volkwagen AG in Euro. (Bild: Grafik Neue LZ)

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