Konjunktur

Deutschland bremst den Aufschwung der Eurozone

Die Eurozone wächst trotz eines Schwächeanfalls in Deutschland so kräftig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Schlecht steht jedoch Griechenland da, das wegen des ungelösten Schuldenstreits in die Rezession zurückfiel.

Drucken
Teilen
Die Kauflust steigt in mehreren EU-Ländern merklich an

Die Kauflust steigt in mehreren EU-Ländern merklich an

SDA

Die überraschend gute Konjunktur in Frankreich, Italien und Spanien liess das Bruttoinlandprodukt der 19 Staaten der Eurozone von Januar bis März um 0,4 Prozent steigen. Das gab die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch bekannt. Im Vorquartal hatte das Wachstum 0,3 Prozent betragen.

Sinkende Benzinpreise kurbelten den Konsum an, während der schwache Euro die Exporte anschob. Als Bremse entpuppte sich Deutschland, dessen Wachstum sich mehr als halbierte. Das Plus betrug lediglich noch 0,3 Prozent.

Die exportabhängige deutsche Wirtschaft leidet vor allem unter der wackligen Weltkonjunktur. Die Ausfuhren stiegen merklich langsamer als die Importe. Die Stütze der deutschen Konjunktur bleibt der Konsum. Wegen der Rekordbeschäftigung, steigender Löhne und niedriger Inflation sitzt das Geld bei den Konsumenten locker.

Konjunkturlok Frankreich

Als Konjunkturlokomotive erwies sich dieses Mal die französische Wirtschaft. Sie wuchs dank kauffreudiger Konsumenten mit 0,6 Prozent nicht nur doppelt so schnell wie die deutsche, sondern auch so kräftig wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Ökonomen zufolge ändert der gute Jahresauftakt aber wenig an der insgesamt düsteren Lage. "Der Aufschwung wird nicht stark genug sein, um die hohe Arbeitslosigkeit in Frankreich merklich zu drücken", sagte ein Analyst von His Global Insight.

Spitzenreiter Spanien

Noch besser als Frankreich schlug sich zuletzt Spanien: Dort wuchs die Wirtschaft um 0,9 Prozent. Hauptgründe dafür waren der Konsum und die anziehenden Exporte.

Auch Italien wittert Morgenluft. Im ersten Quartal 2015 legte die Wirtschaft um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Die drittgrösste Volkswirtschaft der Eurozone hatte zuvor eine lange Durststrecke ohne Wachstum in 14 aufeinanderfolgenden Quartalen.

Griechenland steckt dagegen wieder in der Rezession. Das Bruttoinlandprodukt schrumpfte um 0,2 Prozent und damit das zweite Quartal in Folge. Der anhaltende Schuldenstreit untergräbt die wirtschaftliche Gesundung. Finnland verbuchte zwei Vierteljahre hintereinander mit schrumpfender Wirtschaft.

Erholung dank Geldschwemme

Auch die Aussichten für die gesamte Eurozone sind nicht nur rosig. "Der Erholung wird vor allem von der Abwertung des Euro und sinkenden Energiepreisen gestützt", sagte Benoit Coeure, Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB), mit Blick auf die Währungsunion. "Beide Effekte dürften aber bald abflauen."

Der Euro hat sich wegen der extrem lockeren Geldpolitik der EZB binnen eines Jahres ein Fünftel zum Dollar abgewertet. Das macht Waren in Übersee billiger und Konkurrenzprodukte in der Währungsunion teurer. In den vergangenen zwei Monaten hat sich der Euro aber um mehr als Prozent zur US-Währung aufgewertet. Und ein Fass Öl kostet inzwischen mit 68 Dollar deutlich mehr als zu Jahresbeginn mit knapp 50 Dollar.

Die EU-Kommission rechnet damit, dass die Wirtschaft der Eurozone im laufenden Jahr insgesamt um 1,5 Prozent wachsen wird. Für das kommende Jahr werden 1,9 Prozent erwartet.