DEUTSCHLAND: Chef Deutsche Bank: «Wir möchten uns entschuldigen»

Die Vergangenheit lässt Deutschlands grösstes Geldhaus nicht los: Abermals weist die Deutsche Bank einen Milliardenverlust aus. Indirekt wird dafür auch der Schweizer Joe Ackermann verantwortlich gemacht.

Christoph Reichmuth/Berlin
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Der Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt. (Bild: Andreas Arnold/EPA)

Der Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt. (Bild: Andreas Arnold/EPA)

Christoph Reichmuth/Berlin

christoph.reichmuth@luzernerzeitung.ch

«Ich möchte das zum Anlass nehmen, um im Namen des Vorstands der Deutschen Bank un­ser tiefes Bedauern auszudrücken für das, was geschehen ist», sagte John Cryan, Chef der Deutschen Bank, gestern vor der Presse. «Wir möchten uns dafür entschuldigen. Es wurden schwerwiegende Fehler gemacht. Das betrifft zum Beispiel die Hypothekengeschäfte auf dem US-Markt in den Jahren von 2005 bis 2007.» Das damals von der Bank an den Tag gelegte Verhalten «entsprach nicht unseren Standards und war völlig unakzeptabel», fügte der 56-Jährige hinzu.

Grund für John Cryans reumütigen Auftritt ist das schlechte Jahresergebnis. Deutschlands grösstes Geldhaus schliesst das Jahr 2016 mit einem Minus von 1,4 Milliarden Euro ab. Bereits 2015 musste die Bank ihren Anlegern einen Konzernverlust präsentieren, mit fast 7 Milliarden Euro war dieser allerdings deutlich höher.

Gründe für das schlechte Ergebnis gibt es mehrere. Die Deutsche Bank büsst vor allem für Sünden der Vergangenheit. Immerhin konnte sich die Bank im letzten Jahr aus den zwei grössten juristischen Streitfällen freikaufen. Kurz vor Weihnachten überwies die Bank insgesamt 7,2 Milliarden Dollar an das US-Justizminis­terium. Die Bank wurde zu dieser milliardenschweren Strafzahlung wegen früherer Geschäfte mit faulen Hypotheken verdonnert.

Erst vor wenigen Tagen konnte die Deutsche Bank zudem einen weiteren Rechtsstreit zu den Akten legen. In einem Skandal um Geldwäscherei mit Russland ist die Bank mit einer Strafe von rund 587 Millionen Euro günstiger davongekommen, als befürchtet. Der Vorwurf lautete hier, dass russische Kunden über die Bank in Moskau und London Rubel-Schwarzgeld im Wert von etwa 10 Milliarden Euro gewaschen haben – das Geldinstitut habe den Skandal weder aufgedeckt noch gestoppt. Auch im laufenden Jahr könnte das Betriebsergebnis wegen Altlasten gedrückt werden, nach wie vor sind viele Rechtsstreitigkeiten nicht erledigt. Die Bank erhöht deshalb die Rückstellungen für Rechtsrisiken von 5,5 Milliarden Euro auf 7,6 Milliarden Euro. Von 2012 bis 2016 summierten sich die Rechtskosten auf über 14 Milliarden Euro.

Bonuszahlungen zurückgefordert

Nichtsdestotrotz zeigte sich Vorstandschef Cryan gestern auch zuversichtlich. Das schlechte Ergebnis resultierte auch aus dem Konzernumbau, den der im Sommer 2015 zur Deutschen Bank gestossene Brite umsetzt. Der vormalige Finanzchef der UBS hatte das Jahr 2016 schon zuvor zum «Übergangsjahr» erklärt. Weltweit will das Bankinstitut bis 2018 9000 Arbeitsplätze abbauen und sich aus zehn Auslandmärkten und manchen Investmentbanking-Geschäften zurückziehen. Die Kosten sollen auch durch eine Reduktion der Zahl von Bankfilialen in Deutschland reduziert werden, zudem ist auch der Vorstand dazu bereit, Opfer zu vollbringen. Die Boni-Zahlungen an die Führungskräfte wurden für 2016 drastisch gekürzt. Experten halten Cryan zugute, dass er sein Versprechen umsetzt und die Altlasten sukzessive aus dem Weg räumt.

Wenngleich der Name des früheren Vorstandschefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann, an der gestrigen Pressekonferenz nicht fiel, bekam der 68-jährige St. Galler indirekt sein Fett weg. Mit den von Cryan als «schwerwiegende Fehler» bezeichneten Geschäften der Vergangenheit attestierte er auch Ackermann, von 2002 bis 2012 Mitglied im Vorstand der Bank tätig, eine Mitverantwortung für die heutigen Schwierigkeiten. Dem Schweizer wird zugeschrieben, die Deutsche Bank zum «Global Player» aufgebaut und zu stark auf das riskante und volatile Investmentbanking gesetzt zu haben. Für Fehler auch dieser strategischen Planung muss das Geldhaus heute bluten.

Im vergangenen November wurde bekannt, dass die Deutsche Bank ihre früheren Vorstandsmitglieder für die aktuelle Krise in Mithaftung nehmen will. Unter anderem fordert das Institut auch von Josef Ackermann, der von 2006 bis 2012 alleiniger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank war, eine Rückzahlung bereits getätigter Bonus-Zahlungen. Ackermann hat diese Forderung stets zurückgewiesen.