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DEUTSCHLAND: Schritt zum Ende des Dieselmotors

Die Luft in deutschen Städten ist wegen des Diesels oft verpestet. Das oberste Gericht erlaubt nun Fahrverbote für ältere Dieselmodelle. Die Politik habe zu lange weggeschaut, kritisiert der Automobilexperte.
Christoph Reichmuth, Berlin
Demo gegen den Diesel: eine Umweltaktivistin gestern vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. (Bild: Jens Meyer/AP)

Demo gegen den Diesel: eine Umweltaktivistin gestern vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. (Bild: Jens Meyer/AP)

Christoph Reichmuth, Berlin

Der Dieselantrieb macht eine ­turbulente Zeit durch. Zuerst der Skandal um die manipulierten Abgaswerte bei den deutschen Autokonzernen VW, Audi und Co. Nun das gestrige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig: Die oberste Instanz in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hat mit ihrem Entscheid den Diesel-Fahrverboten in deutschen Städten grundsätzlich den Weg gewiesen. Es ist zu erwarten, dass nach einer Übergangsfrist von mehreren Monaten gewisse ältere Dieselmodelle der Abgasnormen Euro-4 und Euro-5 auf bestimmten ­Strecken in Stuttgart, Düsseldorf, Berlin, Köln oder Dortmund und Hamburg nicht mehr verkehren dürfen.

Wo Grenzwerte für die gesundheitsgefährdenden Stick­oxide nicht eingehalten werden, droht den alten Diesel-Fahrzeugen – PW und Lastwagen – also das Aus. Für Handwerker, die Feuerwehr oder die Polizei können die Städte Aus­nahmeregeln erlassen. Werden die Verbote konsequent umgesetzt, drohen Millionen von Diesel­besitzern teilweise Einschränkungen in den deutschen Städten. Betroffen sind freilich auch Touristen oder Geschäftsreisende aus der Schweiz, die mit älteren Dieselfahrzeugen nach Deutschland reisen. Möglicherweise werden saubere Fahrzeuge künftig mit einer blauen Plakette gekennzeichnet. Wer nicht über eine solche verfügt, dürfte in bestimmten Zonen schon bald mit saftigen Bussen zu rechnen haben.

Wert des Diesels sinkt rapide

Dass die oberste Instanz den Städten grünes Licht für Teil­verbote erteilt, ist vor allem ein Rückschlag für Millionen von Besitzern der vermeintlich sauberen Dieselmodelle. Denn ältere Dieselmotoren bräuchten eine kostspielige Umrüstung, damit die Fahrzeuge die Vorgaben bei den Stickoxidwerten doch noch erfüllen. Die Automobilindustrie hat allerdings bereits deutlich gemacht, dass sie für diese Nachrüstungen nicht aufkommen will – obschon der Dieselskandal deutlich gemacht hat, dass die Automobilbranche zu hohe Stick­oxidwerte durch Schummelei bewusst in Kauf genommen hat.

Diesel-Fahrzeuge haben infolge des Abgasskandals bereits überdurchschnittlich rasch an Wert eingebüsst. Durch das ­gestrige Urteil sinkt der Wert der Diesel­modelle weiter. Der Marktanteil von Diesel bei Neuwagen ist zuletzt von 45 Prozent deutlich auf 33 Prozent geschrumpft.

Seit gestern rufen nun Experten dazu auf, mit dem Kauf gebrauchter Dieselmodelle zuzuwarten, bis die tatsächlichen Folgen des Leipziger Urteils bekannt sind. Für den Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen bedeutet das gestrige Urteil «einen weiteren Schritt zum Ende des Dieselmotors», wie er auf An­frage sagt. Dudenhöffer übt vor allem Kritik an der deutschen Regierung. Verstösse gegen die Luftreinhaltung seien seit Jahren bekannt gewesen, dennoch habe die Politik die Automobilindustrie protegiert und nicht dazu angehalten, sauberere Modelle auf den Markt zu bringen – obwohl dies technisch möglich gewesen wäre. «Eine katastrophale Politik hat dazu geführt, dass Besitzer von Diesel-Autos nun mit Verlusten zu rechnen haben.»

Ähnlich beurteilt dies der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch: «Wir er­leben hier ein Debakel für die Regierungspolitik der Grossen Koalition, die sich eindeutig auf die Seite der Autoindustrie geschlagen hat», sagte er gestern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich von der Kritik unbeeindruckt. Sie rechne für die Dieselbesitzer nur mit geringen Folgen: «Es geht um einzelne Städte, in denen muss noch mehr gehandelt werden», meinte sie.

Wachsender Druck auf die Autodustrie

Der Diesel, diese weit über einhundertjährige Antriebstechnik, wird in Deutschland steuerlich gefördert. Der Spritpreis ist im Vergleich zum Benziner dadurch nicht nur günstiger, auch der geringere Verbrauch hat viele Jahre für den Selbstzünder gesprochen. Dudenhöffer fordert nun das Ende der Diesel-Subventionen. Die dadurch freigewordenen Gelder sollten laut dem Automobilexperten in die Umrüstung älterer Dieselmodelle investiert werden, da die Automobilbranche für die technische Umrüstung nicht aufkommen wolle. «Der Diesel-Treibstoff wird dadurch wieder teurer, dafür steigt allerdings der Wert des Fahrzeuges», rechnet der Experte vor.

Allerdings: Steigen die Konsumenten nun wieder auf benzinbetriebene Fahrzeuge um, drohen die klimaschädlichen CO2-Belastungen anzusteigen. Der Druck auf die deutsche Auto­mobilindustrie ist nach Ansicht von Ferdinand Dudenhöffer mit dem gestrigen Urteil gestiegen, in neue, umweltschonende Technologien und Antriebe zu investieren. «Die Entwicklung von ­Hybrid- und Elektroautos ist nicht mehr aufzuhalten.»

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