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DEVISEN: Der Euro gewinnt Terrain

Die europäische Gemeinschaftswährung hat im Frühling an Stärke gewonnen. Seither hält sich der Euro recht stabil. Es sei aber voreilig, bereits das Ende der Eurokrise zu verkünden, warnen Devisenmarkt-Beobachter.
Rainer Rickenbach
Der Euro ist derzeit wieder etwas mehr gefragt. (Bild: Owen Franken/Getty)

Der Euro ist derzeit wieder etwas mehr gefragt. (Bild: Owen Franken/Getty)

Rainer Rickenbach

Bei der Genfer Privatbank Lombard Odier gilt es als ausgemachte Sache: Die Erstarkung des Euro seit dem Mai sehen ihre Währungsspezialisten als «den nächsten grossen Trend auf den Devisenmärkten». Weiter heisst es im Newsletter der Genfer Privatbank: «Wir rechnen damit, dass die divergierende Geldpolitik der amerikanischen und der Europäischen Zentralbank in den kommenden Monaten einen Höhepunkt erreicht und der Euro gegenüber dem US-Dollar steigt.»

Ins Bild dazu passte der letzte öffentliche Auftritt von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). In der unter den Zentralbank-Präsidenten üblichen hypervorsichtigen Äusserungsweise deu­tete er an, den Staatsanleihenaufkauf nicht noch weiter zu forcieren. Was zahlreiche Draghi-Auguren postwendend als Abkehr von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank interpretierten.

Zumindest der Aussenwert der europäischen Einheitswährung deutet in der Tat auf ruhigeres Fahrwasser hin. Anfang Juli war der Euro mehr als 1.14 Dollar wert. In den zurückliegenden paar Tagen gab er sanft nach, gestern erreichte er ein Tageshoch von 1.1441 Dollar. Auch im Vergleich zum Franken nahm er an Wert zu.

1 Euro notierte gestern Abend zu Redaktionsschluss bei 1.0997 Franken (siehe Grafik). Kurz nach 18 Uhr erreichte er kurz ein Tageshoch von 1.1001 Franken. So stark war die Gemeinschaftswährung seit einem Jahr nicht mehr. Von ihrer alten Stärke aus der Zeit vor der Schuldenkrise ist sie zwar noch weit entfernt, doch immerhin hält sie sich ordentlich. «Der politische Druck, der auf dem Euro lastete, hat zuletzt deutlich nach­gelassen. Ausserdem ist die Konjunktur in der Eurozone robust. Das alles hat dieser Währung geholfen», sagt Thomas Heller, Chefanalyst bei der Schwyzer Kantonalbank. Mit dem politischen Druck meint Heller die Wahlen in Frankreich, die Atempause beim griechischen Schuldenproblem und die milliardenteure Abwicklung zweier italienischer Banken.

UBS sieht Euro Ende Jahr bei 1.16 Franken

Für den Ökonomen und Vermögensverwalter Christof Strässle gaben Mario Draghis optimistischer Ausblick für die europäische Wirtschaft und seine Erwartung, die Inflation kehre wieder zurück, den Ausschlag zur besseren Euro-Performance. «Darauf basieren nun die Mutmassungen, die Europäische Zentralbank fahre bald ihr milliardenschweres Anleihenkaufprogramm zurück», sagt Christof Strässle. Der Ökonom erwartet, dass sich der Euro in diesem Sommer in der Bandbreite von 1.08 bis 1.11 Franken bewegen wird. Bis Ende Jahr hält er sogar «einige Rappen nach oben» für möglich. Auch Thomas Heller glaubt nicht, dass die Einheitswährung durchstartet. «Bei mehr als 1.11 Franken pro Euro wird die Luft für die Einheitswährung nach oben langsam dünn», sagt er. Mehr traut der UBS-Devisenexperte Thomas Flury der Einheitswährung zu. Wie Flury in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» sagte, erwartet er bis Ende Jahr den Eurokurs bei 1.16 Franken.

Anders als die Devisenfachleute bei Lombard Odier erkennen weder Heller noch Strässle im jüngsten Wertanstieg eine Trendwende von Bestand. Denn in Griechenland und mit der Milliardenspritze für italienische Banken wurden nach ihrer Einschätzung bloss Etappenziele erreicht. Eine Verschnaufpause, mehr nicht. «Die Probleme sind nicht gelöst, man hat sie in die Zukunft verschoben», schätzt Thomas Heller die Lage ein. Und Strässle sagt: «Steuerzahler und Sparer dürften in Zukunft nochmals ­direkt oder indirekt zur Kasse gebeten werden.»

Zinserhöhungen in der Eurozone nicht vor Ende 2018 erwartet

Die Anlagespezialisten der amerikanischen ETF Securities rechnen sogar mit einer deutlichen Abwertung des Euro in nächster Zeit. «Nach unserer Überzeugung drohen dem Euro rapide Verluste, da die politischen Vorgaben der EZB konservativ bleiben», heisst es in der Einschätzung der Anbieter von Anlagelösungen. Es würde bedeuten: Die lockere Geldpolitik zur Stabilisierung des europäischen Währungsraumes setzt sich fort, die Zinsen bleiben im Keller.

Für die Schweizer Nationalbank dürfte sich so bald deshalb nichts ändern. Sie wird wie bis anhin Franken­investoren mit Strafzinsen abschrecken müssen. «Zinserhöhungen in der Eurozone sind nicht vor Ende 2018 zu erwarten. Entsprechend bietet sich auch der Schweizerischen Nationalbank bis dann kaum Spielraum für eine Reduktion oder gar Aufhebung der Negativzinsen», sagt Thomas Heller.

Der Euro ist derzeit wieder etwas mehr gefragt. (Bild: Quelle: Ariva / Grafik: mop)

Der Euro ist derzeit wieder etwas mehr gefragt. (Bild: Quelle: Ariva / Grafik: mop)

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