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DEVISEN: Hoffnung für Schweizer Firmen

Der Franken hat in jüngster Zeit an Terrain gegenüber dem Euro eingebüsst. Für die hiesigen Unternehmen ein Hoffnungsschimmer – aber noch längst keine Entwarnung.
Firmen wie die CPH Chemie + Papier Holding AG in Perlen leiden unter dem starken Franken. (Bild Corinne Glanzmann)

Firmen wie die CPH Chemie + Papier Holding AG in Perlen leiden unter dem starken Franken. (Bild Corinne Glanzmann)

Maurizio Minetti, Roman Schenkel

Der Franken war Ende vergangener Woche zum Euro so schwach wie seit der Aufhebung des Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar nicht mehr. Und auch wenn der Euro zuletzt wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 1.10 Franken pro Euro gerutscht ist, die Aufhellung an der Währungsfront und die soliden Konjunkturdaten haben bei exportorientierten Unternehmen für eine gewisse Erleichterung gesorgt. «Wir sind froh, dass die Entwicklung in diese Richtung geht. Das war Anfang Jahr noch nicht so absehbar», sagt Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Er erinnert allerdings an seine Aussagen vom Frühjahr, die noch immer Gültigkeit hätten: «Auch bei einem Kurs von 1.10 ist mit Strukturschäden zu rechnen. Kurzfristig könnten 20 000 Stellen verloren gehen.» Selbst bei 1.15 Franken pro Euro «wird es in der Wirtschaft noch holpern», wie Vogt sagt.

«Zu schnelle Abwertung»

Geht es nach den Ökonomen der UBS, so wird es aber nicht so schnell in diese Richtung gehen: «Die Aufwertung des Euro ging unserer Ansicht nach etwas zu schnell und war etwas zu hoch», sagt Constantin Bolz, UBS-Währungsexperte. Zwar hätten sich die Sorgen um Griechenland mehr oder weniger gelöst, der Europäischen Union stehe mit der Flüchtlingskrise aber bereits der nächste Härtetest bevor. «Wenn asiatische oder amerikanische Investoren nach Europa blicken, haben sie das Gefühl, die Probleme enden nicht», sagt Bolz. Ein investitionsfreundliches Umfeld sehe anders aus. Gegen einen noch stärkeren Euro spreche zudem, dass die Europäische Zentralbank auch die nächsten 12 Monate weiter Geld in den Markt pumpen werde.

«Eine extrem wichtige Etappe»

Nichtsdestotrotz macht sich bei den Zentralschweizer Firmen, von welchen viele im Export tätig sind, verhaltener Optimismus breit. Für Trisa zum Beispiel ist die jüngste Abschwächung des Frankens zum Euro eine «erfreuliche Nachricht», sagt Firmenchef Adrian Pfenniger. «Vier von fünf Franken unseres Umsatzes erzielen wir im Ausland, einen grossen Teil davon im Eurobereich.» Ein Kurs von 1.10 sei eine extrem wichtige Etappe in Richtung Kaufkraftparität, die über 1.20 liegt, sagt er. «Für den Werkplatz Schweiz gibt es jedoch keine Entwarnung», betont Pfenniger.

Das sieht auch Felix Sulzberger, Konzernchef des Surseer Wäscheherstellers Calida, so. Calida stelle sich zwar auf jeden Kurs ein, sagt Sulzberger. Ein Kurs von 1.20 sei aber selbstverständlich besser als 1.10. Calida macht aber nicht nur die reine Kostensituation zu schaffen, sondern auch der Einkaufstourismus, der zuletzt wegen der Währungssituation stark zugenommen hat. Davon betroffen seien insbesondere die Läden in Grenznähe, sagt Sulzberger. Calida erwirtschaftet rund drei Viertel des Umsatzes im Euroraum – nur 16 Prozent des Umsatzes fallen in Franken an.

1 Rappen bedeutet gleich Millionen

Ähnlich sieht es bei der CPH Chemie + Papier Holding in Perlen aus, die letztes Jahr fast zwei Drittel der Erträge in Euro erwirtschaftet hat. «Die Wertschöpfung war aber zu rund 70 Prozent in Franken», sagt Christian Weber, Leiter Kommunikation bei der CPH. Der Eurokurs wirke sich daher stark auf das Ergebnis aus. «Konkret bedeutet eine Abschwächung um einen Rappen gegenüber dem Euro, dass die Erträge der CPH um 1,5 Millionen Franken steigen», erläutert Weber. Ob der Euro bei 1.04 oder 1.10 steht, macht also rund 9 Millionen Franken aus.

Für Exporteure sei jeder Wechselkurs gut, der auf oder über der Kaufkraftparität liege. Die UBS und die CS sehen diesen «fairen Wert» bei 1.23 Euro pro Franken (siehe Grafik). «Je mehr wir uns also den Kaufkraftparitätskursen nähern, desto gleicher sind die Spiesse im internationalen Wettbewerb», so Weber.

Autoimporteur leidet

Der Autoimporteuer Amag kann vom schwachen Euro nicht profitieren, obwohl der Autoabsatz in der Schweiz dank den tiefen Preisen stark gestiegen ist. Amag importiert nämlich in Schweizer Franken statt in Euro und hat in den letzten Monaten einen starken Einbruch erlitten. «Wir mussten Abschreibungen auf Neuwagen, Vorführfahrzeugen, Occasionen oder Mietwagen-Rückläufern verzeichnen», sagt Sprecherin Roswitha Brunner. Seit Januar habe man die Preise laufend nach unten angepasst.

Ein Frankenkurs von 1.10 sei nicht nur für die Amag, sondern auch die ganze Schweizer Wirtschaft besser, hält sie fest. «Von Vorteil wäre, wenn sich der Kurs auf diesem Level längerfristig einpendeln würde. So bleibt die Schweiz wettbewerbsfähig», sagt Brunner.

«Brutal überbewertet»

Ihr Wunsch scheint sich zumindest gemäss UBS zu erfüllen. Die Grossbank rechnet für die kommenden drei Monate mit einem Euro-Franken-Kurs von 1.08. Für die nächsten sechs bis zwölf Monate prognostiziert die Grossbank einen Kurs von 1.10. «Ausschläge nach oben oder unten sind jederzeit möglich», sagt Bolz. Langfristig aber geht auch die UBS von einer noch deutlich stärkeren Abwertung des Frankens aus. «Der Franken ist auch mit 1.10 brutal überbewertet», sagt Bolz.

Bild: Grafik: Martin Ludwig

Bild: Grafik: Martin Ludwig

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