Die Automobilkrise zwingt Komax zur Kurzarbeit in Dierikon, Rotkreuz und Küssnacht

Wegen der globalen Autokrise sind Umsatz und Gewinn des Luzerner Kabelmaschinenherstellers Komax eingebrochen. Auch Kündigungen sind möglich.

Maurizio Minetti
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Blick in die Produktion von Komax in Dierikon.

Blick in die Produktion von Komax in Dierikon.

Dominik Wunderli (14. März 2019)

Die globale Autokrise ist in Dierikon angekommen. Der Hersteller von Kabelverarbeitungsmaschinen Komax muss für 80 Prozent der Angestellten in der Schweiz Kurzarbeit anmelden. Betroffen davon sind rund 550 Personen an den Standorten in Dierikon (360), Rotkreuz (170) und Küssnacht am Rigi (20), wie Komax-Sprecher Roger Müller erklärt. Die Belegschaft ist am Dienstagmorgen über den Schritt informiert worden.

Zunächst muss Komax aber noch die Bewilligung der Behörden einholen. Die Angestellten haben das Recht, die Kurzarbeit abzulehnen. In diesem Fall muss der Arbeitgeber weiterhin den vollen Lohn auszahlen. Stimmen die Angestellten der Kurzarbeit zu, müssen sie eine Lohneinbusse in Kauf nehmen.

Roger Müller erwartet, dass Ende Februar klar sein wird, ob die Kurzarbeit wie geplant eingeführt werden kann. Vorgesehen ist ein Beginn ab 1. März. Wie lange die Massnahme gelten soll, ist noch unklar. Das Gesetz schreibt vor, dass Unternehmen innerhalb von zwei Jahren maximal zwölf Monate lang Kurzarbeit durchführen können. Bei Komax gab es zuletzt nach der Finanzkrise im Jahr 2009 Kurzarbeit.

Abhängig von der Autoindustrie

Der Konzern aus Dierikon ist nicht der einzige Zentralschweizer Auto-Zulieferer, der unter dem weltweiten Absatzrückgang leidet. Unter anderem aus diesem Grund mussten bereits letztes Jahr Schurter und Swiss Steel Kurzarbeit einführen. Beim Stahlhersteller in Emmenbrücke dauert die Kurzarbeit derzeit noch an. Auch Schurter hat noch vereinzelt Kurzarbeit in der Produktion, wie es auf Anfrage heisst.

Die Idee hinter der Kurzarbeit ist, dass Firmen die Arbeitszeit der Angestellten vorübergehend reduzieren, um so langfristig Arbeitsplätze zu erhalten. Mit dieser Massnahme will Komax denn auch möglichst viele Jobs an den drei Produktions- und Entwicklungsstandorten sichern. Dennoch sind bei Komax in der Schweiz und auch international Stellen gefährdet. Das Unternehmen schreibt in einer Mitteilung, dass einzelne Kündigungen nicht auszuschliessen seien. Man werde in den kommenden Monaten die Strukturen innerhalb der gesamten Gruppe überprüfen und gegebenenfalls «organisatorische und personelle Veränderungen» vornehmen. Komax beschäftigt weltweit an über 40 Standorten rund 2200 Personen.

Den Hauptsitz Dierikon sieht Komax grundsätzlich aber nicht in Gefahr. Hier hat das Unternehmen unlängst 70 Millionen Franken in einen Erweiterungsbau investiert. Komax gibt sich zuversichtlich, dass –wenn die Marktsituation sich wieder verbessert – sich die hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung der vergangenen Jahre auszahlen werden und man künftig wieder stärker als der Markt wachsen könne. Das neue Gebäude in Dierikon soll ab März schrittweise bezogen werden, so dass die vorübergehend in Küssnacht stationierten Mitarbeiter wieder nach Dierikon umsiedeln können.

Aus Projektgeschäft «die Lehren gezogen»

Komax erwirtschaftet rund 80 Prozent des Umsatzes im Automobilsektor. Abnehmer der Maschinen sind vorwiegend Autohersteller, die den Automatisierungsgrad bei der Kabelverarbeitung ständig erhöhen müssen. Der Kostendruck der Autohersteller spielt dem Unternehmen denn auch grundsätzlich in die Hände. Komax sieht folglich unverändert positive mittel- und langfristige Wachstumsperspektiven. Doch kurzfristig ist die Delle gewaltig, denn die Kunden verschieben Projekte und stoppen Investitionen. Es sei momentan unklar, wann der Aufwärtstrend einsetzen werde, heisst es aus Dierikon.

Abgesehen von der konjunkturellen Entwicklung hat Komax aber auch eigene Fehler gemacht, wie der Konzern in der Mitteilung einräumt. Man habe aus den 2019 gemachten Erfahrungen «die Lehren gezogen» und werde sich in Zukunft wieder auf risikoärmere Aufträge im Projektgeschäft fokussieren. Wie Firmensprecher Müller erklärt, sind damit vorwiegend kundenspezifische Projekte im Bereich des autonomen Fahrens gemeint wie auch Projekte für die Flugzeugindustrie. Hier ist der Aufwand jeweils gross, und die Erfolgschancen sind nicht immer absehbar.

Letztes Jahr ging der Komax-Umsatz mit rund 415 Millionen Franken um 13 Prozent zurück, der Bestellungseingang schrumpfte um 17,7 Prozent auf 408,7 Millionen Franken. Auf Gewinnebene erwartet Komax einen Einbruch der Ebit-Marge von 14 Prozent im Vorjahr auf nun 5,5 Prozent. Noch im Sommer hatte das Management eine Ebit-Marge von 8 bis 9 Prozent in Aussicht gestellt. Die detaillierten Gewinnzahlen zum letzten Geschäftsjahr wird Komax am 17. März bekannt geben.

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