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Die Baloise hat in Deutschland heimlich eine neue Versicherung gegründet

Sie hat noch keinen Namen, aber sie existiert: Eine neue Online-Versicherung, die ein kleines Team der Baloise innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft hat.

Stefan Schuppli
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Sie hat noch keinen Namen, aber sie existiert: Eine neue Online-Versicherung, die ein kleines Team der Baloise innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft hat.

Sie hat noch keinen Namen, aber sie existiert: Eine neue Online-Versicherung, die ein kleines Team der Baloise innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft hat.

KEYSTONE/AP/ANDRE PENNER

Es ist ein eigenständiges Start-up, bei dem die Versicherung völlig neu «erfunden» wurde, wie es an der Investorentagung des Versicherungskonzerns in Basel hiess. «Wir brauchen neue Initiativen, die über das traditionelle Versicherungsgeschäft hinausgehen», sagte Baloise-Chef Gert de Winter.

Standort der Jungfirma ist Berlin, das Zentrum der innovativen IT-Start-up-Szene. Dort hat sich Baloise während vier Monaten schlaugemacht und auch 1600 junge Leute befragt – die Jungen, diese sind zunächst einmal die Zielgruppe.

Die Versicherung funktioniert in etwa so: Eine Police kann sehr einfach eingerichtet werden. Identitätskarte und Motorfahrzeugausweis werden fotografiert, einige wenige Fragen müssen beantwortet werden. Die Police kann ganz einfach online verändert werden, beispielsweise, wenn jemand anders das Fahrzeug braucht oder man eine Auslandreise antritt. Der Kunde zahlt das, was ihm als nützlich erscheint. Kommt es zu einem Schaden, wird dieser auch fotografiert. Der dazugehörige Text kann schriftlich oder auch mündlich eingegeben werden.

Im ersten Quartal 2017 werden 200 bis 500 Testkunden diese Applikation ausprobieren können, bereits im zweiten Quartal wird sie auf den Markt gebracht. Deutschland wurde als Markt ausgewählt, weil er erstens sehr gross ist und zweitens Baloise dort noch nicht stark vertreten ist. Sie konkurrenziert sich also praktisch nicht.

«Pay how you drive»

Die mobile Versicherung ist auch eine Art Labor. Denkbar ist etwa – wenn der Inhaber es wünscht –, das Auto mit einem Fahrsensor («Dongle») zu versehen, mit dem die Gefährlichkeit des Fahrstils des Fahrers ermittelt werden kann. Fahrt jemand sorgfältig, wird er mit einem Bonus belohnt. Dieses «Pay how you drive» («Zahle wie du fährst») wird Baloise 2017 in Luxemburg lancieren. Die grosse Hoffnung dabei: Unfälle vermeiden, Kosten reduzieren. Baloise will in den kommenden fünf Jahren die Zahl der Versicherten im Alterssegment 18 bis 25 Jahre verdreifachen.

«Um im Markt Fuss fassen zu können, muss die Autoversicherung preislich im Bereich der günstigsten Anbieter liegen», sagt Pascal Bonny, Leiter IT Schweiz von Baloise, der bei der Exploration des Geschäfts in Berlin dabei war. Die Rechnung soll auch deshalb aufgehen, weil die Personalkosten sehr tief gehalten werden können. Das Geschäft ist stark automatisiert und standardisiert. Der Personalbestand wird von derzeit 12 auf vorerst rund 20 Positionen aufgebaut.

Unabhängig davon denkt die Strategie-Gruppe der Baloise zusammen mit dem Londoner Think-Tank Anthemis darüber nach, wie sich der Versicherungsmarkt weiterentwickeln könnte, vor allem bezüglich Digitalisierung. Neue Geschäftsmodelle müssten möglichst rasch implementiert werden. Baloise ist nicht allein.