Wirtschaftskrise
Die Banken auf Zypern bilden kein Systemrisiko

Kaum vernetzt, kaum über Obligationen refinanziert: Die zypriotischen Banken gelten deshalb als isoliertes Problem. Die Auswirkungen auf das russische Bankensystem gelten als beherrschbar.

Matthias Niklowitz
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Laut den jüngsten Daten der Zypriotischen Zentralbank waren die Einlagen bei den einheimischen Banken in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Erst im Januar dieses Jahres gab es die ersten nennenswerten Abflüsse.

Aber selbst ein immenser Banken-Run wäre laut den Analysten von Goldman Sachs, einer US-Investmentbank, verkraftbar. Wenn Sparer die Hälfte ihrer Gelder abheben würden, hätten die Banken ein Loch von 34 Milliarden Euro zu stopfen. Das entspricht weniger als einem Prozent der laufenden Notfazilität der Europäischen Zentralbank EZB.

Geringe Ansteckungswahrscheinlichkeit

Kunden anderer Banken von Euro-Problemländern werden sich jetzt fragen, wie sicher ihre Einlagen sind und ob sie nicht als eine Art «Vermögenssteuer» verwendet werden.

Die Analysten von Goldman Sachs weisen darauf hin, dass Zypern im Rahmen der Eurokrise spät dran ist und dass in anderen Ländern wie Spanien und Italien Sparer ihr Gelder wieder zu den Banken bringen.

Zu eigentlichen Stürmen auf die Banken war es nie gekommen, auch nicht bei Problemfällen wie Monte Paschi oder Bankia. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie Sparer reagieren werden, wenn sie ihre Spargelder als Pool wahrnehmen, aus dem sich klamme Staaten zwecks Sanierung ihrer Banken bzw. Staatshaushalte bedienen könnten.

Spezialfall Bankensystem

Zypern hat, in absoluten Zahlen gemessen, ein kleines Bankensystem. Direkte Auswirkungen auf andere Banken in der Eurozone sind laut Analysten - mit der Ausnahme Griechenlands - nicht zu befürchten.

Auch bestehen kaum Ansteckgefahren durch die Obligationen. Die Bank of Cyprus hat lediglich 600 Millionen Euro an solchen Anleihen ausstehend, davon ist der Grossteil nachrangig. Das entspricht 2 Prozent der Bilanzlänge.

Bei der Laiki-Bank sind 980 Millionen der Passivseite über Bonds refinanziert worden. Auch hier ist der Grossteil nachrangig. Die Bonds entsprechen hier 3 Prozent der Bilanzsumme.

Eine konventionelle Sanierung mit den Etappen Aktienkapital - nachrangige Anleihen - normale Obligationen würde lediglich ein Drittel des Geldes einbringen, das Zypern über die Spareinlagen hereinzuholen versucht.

Weitere Opfer: Russische Banken

Zypern gilt als das Land, wo vergleichsweise viel russisches Geld unklarer Provenienz liegt. Laut den Analysten der Bank of America, einer grossen US-Bank, liegt das Risiko für die russischen Bürger und Banken, die Konten auf der Insel unterhalten, bei rund 4,7 Milliarden Dollar.

Das entspricht weniger als einem Prozent der russischen Auslandsguthaben. Russische Bürger haben umgerechnet 19 Milliarden Dollar auf zypriotischen Banken geparkt. Hinzu kommen 12 Milliarden, welche russische Banken bei ihren zypriotischen Tochtergesellschaften lagern.

Wenn allerdings Interbanken-Gelder nicht berücksichtigt werden, liegt der mögliche maximale Verlust tiefer.

Russische Banken könnten aber auch indirekt betroffen sein. Sie haben laut Moody’s, einer Bonitätsprüfgesellschaft aus den USA, zwischen 30 und 40 Milliarden Dollar an zypriotische Firmen mit russischer Herkunft ausgeliehen.

Es könnte laut Moody’s von Zypern ein Zinszahlungsmoratorium beschlossen werden, das für solche Gesellschaften gilt, um weiter Mittelabflüsse zu unterbinden.

Selbst im schlimmsten Fall, einer Zwangsabgabe von 15 Prozent, würde das die russischen Banken laut Analysten lediglich 14 Prozent ihrer für dieses Jahr zu erwartenden Gewinne.

Die Anleihen russischer Banken brachen am Montag ein. Einzelne Analysten bezeichnen das bereits als gute Gelegenheit für Schnäppchen.