Die Bayer-Aktionäre atmen auf – vorerst

US-Kläger lassen sich im Streit um dem Unkrautvernichter Roundup mit 10 Milliarden Dollar ruhig stellen.

Daniel Zulauf
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Das Produkt «Roundup» wird teuer für Bayer.

Das Produkt «Roundup» wird teuer für Bayer.

Bild: Imago Images

«Buy the Rumour, sell the News.» Offensichtlich beherzigten viele Bayer-Aktionäre diese alte Börsenweisheit, indem sie ihre Aktien sofort nach Empfang der Nachricht über den lange ersehnten Vergleich im Rechtsstreit um den Monsanto-Unkrautvernichter Roundup losschlugen.

Der Kurs der Bayer-Aktien verlor zeitweise gegen fünf Prozent und fiel deutlich unter die Marke von 70 Euro, nachdem das deutsche Agrochemie- und Pharmaunternehmen am Mittwochabend das Ergebnis der langen und schwierigen Verhandlungen gemeldet hatte.

Bayer zahlt zwischen zehn und elf Milliarden Dollar zur Beilegung des Streites. Zu Beginn der Auseinandersetzung, kurz nachdem Bayer 2016 den 66-Milliarden-Dollar teuren Monsanto-Kauf angekündigt hatte, waren Schätzungen für den Vergleich auf bis zu 25 Milliarden Dollar gegangen. Der glimpflichere Verlauf begann sich aber bereits im Mai 2019 abzuzeichnen. Seither ist der Aktienkurs von gut 50 Euro auf zeitweise fast 80 Euro hochgeklettert. Die Investoren haben den Vergleich sehnlichst erwartet.

Bayer zieht Vergleiche Prozessen vor

Hinter den beigelegten Verfahren stehen die Klagen von 125000 Roundup-Anwendern, die teilweise schwere gesundheitsschädigende Wirkungen des glyphosathaltigen Spritzmittels geltend machen. Das Produkt darf in den USA ohne Warnhinweis im Supermarkt verkauft werden, obwohl es von kalifornischen Gerichten dreimal als hauptursächlich für eine seltene Form von Lymphdrüsenkrebs beurteilt wurde. Bayer bestreitet diese Kausalität, hat aber aufgrund der verlorenen Prozesse den Weg des aussergerichtlichen Vergleiches gewählt. Bayer-Chef Werner Baumann pries den Vergleich als «wirtschaftlich sinnvoll – «verglichen mit den erheblichen finanziellen Risiken eines fortgesetzten, langjährigen Rechtsstreites sowie den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf unsere Reputation und unser Geschäft.»

Die vereinbarte Zahlung von 77000 Dollar pro Kläger erscheint in der Tat eher niedrig. Bei entfernt vergleichbaren US-Haftpflichtverfahren gegen Medikamentenhersteller wurden teilweise deutlich höhere Entschädigungssummen erreicht. Das ist insofern erstaunlich, als Medikamentenhersteller im Gegensatz zu Herstellern von frei verkäuflichen Unkrautvernichtern vor einem Richter immer mit der unvorhersehbaren Nebenwirkung argumentieren können.

Ein Viertel der Verfahren sind noch nicht beigelegt

Doch das Roundup-Problem ist für Bayer noch nicht ganz vom Tisch. Ein Viertel der Verfahren sind nicht Teil des Vergleichs. Diese könnten zu einem späteren Zeitpunkt auf den Tisch kommen, zum Beispiel, wenn die drei schweren Prozessniederlagen von Bayer in den noch laufenden Berufungsverfahren bestätigt werden sollten.