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Soja: Das ist die Doppelmoral der Europäer

Um den Frieden im globalen Handel zu wahren, importiert die EU mehr US-Soja. Dass es sich dabei um GVO-Pflanzen handelt, spielt keine Rolle. Mit ganz anderen Ellen misst Europa seine eigene Produktion.
Raphael Bühlmann
Die Europäer importieren einen Zehntel der weltweit produzierten Soja. Insbesondere aus Brasilien (Bild) und den USA. Dabei handelt es sich um 80 Prozent um Gentechnisch veränderte Pflanzen. (Bild: Andre Penner)

Die Europäer importieren einen Zehntel der weltweit produzierten Soja. Insbesondere aus Brasilien (Bild) und den USA. Dabei handelt es sich um 80 Prozent um Gentechnisch veränderte Pflanzen. (Bild: Andre Penner)

Am 25. Juli sorgten zwei Geschichten binnen Stunden für Schlagzeilen. Zum einen entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass durch Menschenhand herbeigeführte Genmutationen bei Pflanzen in jedem Fall nach bestehender, restriktiver Gesetzgebung betreffend gentechnisch veränderter Organismen (GVO) zu beurteilen sind. Zum anderen verkündeten die EU-Kommission und die US-Regierung gegenseitige Zugeständnisse im Handelskonflikt. EU-Präsident Jean-Claude Juncker erklärte, dass die Union mehr US-Soja importieren wolle. Was er dabei nicht sagte: US-Farmer setzen bei Soja fast ausschliesslich auf Gentechnik. GVO-Importe nach Europa erhöhen und gleichzeitig den Anbau strenger regulieren? Für Gerd Spelsberg, Gründer von Transgen, der unabhängigen Informationsplattform in Sachen Gentechnik ein Widerspruch, mit dem sich die Europäer aber mittlerweile arrangiert zu haben scheinen.

Tatsächlich ist Europa seit Jahrzehnten von GVO-Soja abhängig. Gerade einmal 7 Prozent des Bedarfs gedeihen auf eigenen Äckern. 34 Millionen Tonnen – ein Zehntel der Weltproduktion – müssen jährlich herangeschifft werden. Spelsberg schätzt, dass es sich dabei bei 80 Prozent um Gensoja handelt. Dass dies bei den in der Frage sonst so kritischen Europäern durchgeht, sei, gemäss Spelsberg, dem geltenden Gesetz betreffend Deklarationen geschuldet. «GVO-Soja ist nur in Nahrungsmitteln für die menschliche Ernährung als solche zu deklarieren. Nicht so, wenn diese zu Futtermittel weiterverarbeitet wird.» Bei den daraus produzierten Eiern oder Fleischstücken fehlt jeglicher Hinweis auf die GVO-Fütterung.

EU-Importe aus den USA steigen rasant

Dass nun durch den Kommissionsentscheid zusätzliche nicht deklarierte GVO-Soja aus den USA auf den Tellern europäischer Konsumenten landet und der EuGH gleichzeitig entscheidet, auch feinste Methoden der Gentechnik streng zu regulieren, zeugt für Spelsberg von der Doppelmoral Europas. Denn eines stehe in der Sache ausser Frage, die Vereinigten Staaten bleiben das Land der unbegrenzten Möglichkeiten für Biotech-Firmen.

Gemäss dem Schweizer Soja-Netzwerk, dem Kompetenzzentrum für alle Fragen um Soja für Futtermittelzwecke, ist Brasilien heute der einzige Grossproduzent, welcher gentechfreie Soja in grösseren Mengen anbiete. In den USA steigt hingegen der GVO-Anbau. 2017 wurden in den Staaten auf 75 Millionen Hektaren GVO-Pflanzen angebaut (die Schweiz verfügt über eine Million Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche). Die zweitwichtigste Kultur dabei war Soja mit insgesamt 34 Millionen Hektaren. Gegenüber 2016 wurde das Anbaugebiet um 7 Prozent erweitert. Die Produktion liegt heute bei rund 117 Millionen Tonnen. Das US Department of Agriculture (Usda) geht davon aus, dass noch 5 Prozent der Produktion gentechfrei sind. Zum Vergleich: Europas Gesamtproduktion lag 2017 bei 2,4 Millionen Tonnen.

In der Schweiz gilt Deklarierungspflicht

Die Schweiz ist wie die EU abhängig von Sojaimporten. Im Jahr 2015 wurden deshalb 285000 Tonnen Sojabohnen und -schrot mehrheitlich aus Brasilien für Futtermittelzwecke eingeführt. 20 Prozent stammten aus Europa. In der Schweiz selbst werden auf 1500 Hektaren rund 3800 Tonnen Soja produziert. Davon wurden rund 2000 Tonnen (0,8 Prozent des Jahresbedarfs) für Futtermittel verwendet. Der Rest ist hauptsächlich Speisesoja (zum Beispiel Tofu).

Im Unterschied zur EU ist in der Schweiz auch gentechnisch verändertes Futtermittel gemäss Futtermittelverordnung als solches zu deklarieren. Unbeabsichtigte Vermischungen sind sowohl in der Schweiz als auch in der EU zulässig, sofern sie die definierten Grenzwerte von 0,9 Prozent nicht überschreiten. Zudem verlangen verschiedene Label-Programme in der Schweiz (IP-Suisse, Naturafarm, Bio Suisse/Knospe, Suisse Garantie, QM Schweizer Fleisch, Terra-Suisse, weitere) eine Fütterung ohne gentechnisch veränderte Futtermittel.

Am 1. August hat die Europäische Kommission die neuesten Handelszahlen veröffentlicht. Die Importe aus den USA sind bereits im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 283 Prozent gestiegen. Der Anteil der US-Soja erhöhte sich damit um 9 Prozentpunkte auf 37 Prozent. «Die Europäische Union kann mehr Sojabohnen aus den USA einführen, und zwar ab sofort. Davon profitieren sowohl die europäischen als auch die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger», erklärte Juncker dazu. Die US-Preise für Sojabohnen und Sojamehl seien gemäss der EU-Kommission derzeit die wettbewerbsfähigsten auf dem Markt «und daher eine sehr attraktive Futteroption für europäische Importeure und Konsumenten.»

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