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Die Erbsenzähler vom Paradeplatz

Dominik Buholzer über Milliardenverluste und Bonuszahlungen bei der Credit Suisse
Dominik Buholzer, Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»,
Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

So verrechnet hat sich die Spitze einer Schweizer Grossbank schon lange nicht mehr. Die Credit Suisse schreibt damit zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen zwei Jahren einen Milliardenverlust und musste vor drei Woche wegen Rechtskosten ihr Jahresergebnis 2016 nachträglich gar noch nach unten korrigieren. Das drückte die Kernkapitalquote empfindlich nach unten, hinderte das Topmanagement aber nicht, sich weiterhin hohe Boni zuzuschanzen.

Es kam, wie es in solchen Situationen kommen musste. Der Sturm der Entrüstung war gross, die Einsicht der CS-Spitze klein. Von einem Verzicht auf irgendwelche Boni wollte CEO Tidjane Thiam zuerst nichts wissen. Das Management von heute für Fehler von gestern zahlen zu lassen, sei kein guter Anreiz, meinte er in einem Interview, um wenig später doch noch eine Kehrtwende zu vollziehen und einen «freiwilligen» Verzicht auf 40 Prozent der bereits zugeteilten Boni ins Feld zu führen.

Die Rechnung ging nicht auf. Die Empörung bleibt. Gut so. Denn nicht erst seit diesen Tagen gibt die Führungsetage der zweitgrössten Schweizer Bank ein unglück­liches Bild ab. Sich für den Misserfolg – und von etwas anderem kann man angesichts der jüngsten Rechnungsabschlüsse und eines Werteverlusts der Aktie um einen Drittel nicht sprechen – noch fürstlich zu belohnen, widerspricht jeglicher Logik.

Dass es auch anders geht, belegte jahrzehntelang Robert Holzach (1922–2009). Er war die zentrale Figur beim Aufstieg der Schweizerischen Bankgesellschaft von der «Bauernbank» zu einem global führenden Finanzinstitut. Holzach ging es nicht nur um den finanziellen Erfolg. Der war ihm auch wichtig. Aber genauso grossen Wert legte er auf Glaubwürdigkeit und Seriosität. Wer nur mit Geld wiederum Geld erwirtschaftet, war für ihn ein «numismatischer Erbsenzähler». Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er bereits in den 1980er-Jahren vor den Exzessen der Finanzbranche gewarnt hat.

Der Finanzjournalist Claude Baumann hat unlängst eine Biografie über Robert Holzach herausgegeben. Nicht nur der Führungs­etage der Credit Suisse kann man das Buch wärmstens zur Lektüre empfehlen.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»,

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

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