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Die europäische Outdoor-Branche schwächelt – doch Schweizer Firmen trotzen dem Trend

Sportartikelhändler beklagen sinkende Absätze. Die Schweizer Unternehmen haben dagegen ein Rezept gefunden: Sie setzen auf Nischen und sind damit erfolgreich.
Gabriela Jordan
Der Absatz beim Outdoor-Schuhwerk sank letztes Jahr um 0,7 Prozent. (Bild: Keystone)

Der Absatz beim Outdoor-Schuhwerk sank letztes Jahr um 0,7 Prozent. (Bild: Keystone)

Wandern und Bergsteigen gelten schon längst nicht mehr als langweilige Rentnerbeschäftigungen, sondern haben sich als trendige Freizeitaktivitäten etabliert. Sie sind gerade bei jungen Leuten sehr beliebt. Deren Nachfrage nach entsprechender Ausrüstung bescherte Sportartikelhändlern jahrzehntelang gefüllte Kassen.

Jetzt sind im Outdoor-Markt europaweit jedoch allmählich Sättigungstendenzen zu beobachten. Der Branchenverband European Outdoor Group hat vor kurzem über ein Umsatzminus von einem Prozent berichtet. Demnach setzten Hersteller von Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung in Europa vergangenes Jahr noch 5,8 Milliarden Euro um. Die Kauflust der Kunden habe in fast allen Produktkategorien nachgelassen. In den beiden grössten Rubriken schmerzt das Minus besonders: Bei der Bekleidung nahm das Kaufvolumen letztes Jahr um 0,8 Prozent auf 2,91 Milliarden ab. Beim Schuhwerk um 0,7 Prozent auf 1,69 Milliarden. Ebenfalls rückläufig war zum Beispiel der Verkauf von Rucksäcken (minus 2,6 Prozent auf 398 Millionen) und Schlafsäcken (minus 4,7 Prozent auf 113 Millionen).

Die Klettersparte wächst

Gewachsen ist hingegen das Kaufvolumen von Ausrüstung fürs Klettern und das Bouldern (Klettern ohne Seil und in Absprunghöhe). Laut der European Outdoor Group wurde letztes Jahr Kletterausrüstung für 142 Millionen Euro verkauft, was einem Plus von 5,7 Prozent entspricht. Der Zuwachs im Kletter-Geschäft kann aber den Rückgang in den grösseren Kategorien nicht aufwiegen.

Auch in der Schweiz hat sich der Outdoor-Trend etwas abgekühlt. Dies bestätigt zum Beispiel der Detailhändler Bächli Bergsport: «Durch fehlende Nachfolgeregelungen und den stagnierenden Markt sterben immer häufiger Detaillisten weg, wovon dann die Verbleibenden profitieren», sagt der stellvertretende Marketingleiter Michael Roth. Ein Beispiel dafür ist das Luzerner Familienunternehmen Eiselin Sport, das vor zwei Jahren seine letzte Schweizer Filiale schliessen musste. Firmengründer Max Eiselin sprach bereits damals von einer «riesigen Übersättigung des Marktes».

«Wir sind weniger breit aufgestellt als andere Sporthändler in der Schweiz und profitieren von dieser klaren Positionierung.»

Wie sich die aktuelle Entwicklung im Umsatz von Ochsner Sport, Intersport, Transa und Co. niederschlägt, lässt sich nicht in Erfahrung bringen, da die Unternehmen nicht börsenkotiert sind und aus Wettbewerbsgründen keine Verkaufszahlen mitteilen. Fakt ist aber, dass sie vermehrt auf Nischen setzen, um sich auf dem Markt gegen günstige Grossanbieter und Onlinehändler zu behaupten. So auch Bächli Bergsport: Das Unternehmen spezialisiert sich, wie der Name schon sagt, auf die Sparte Bergsport und verzeichnet dank dem einen wachsenden Umsatz. «Wir sind weniger breit aufgestellt als andere Sporthändler in der Schweiz und profitieren von dieser klaren Positionierung», sagt Roth. Ähnliches berichtet auf Anfrage die Firma Ochsner Sport, die den Fokus auf die Bereiche Urban Outdoor (etwa Laufen und Fitness) und Mountain Lifestyle legt. Dort sei es «mit der Performance zufrieden».

Wachstum dank des asiatischen Markts

Trotzen konnten dem stagnierenden Wachstum bisher die Hersteller Conzzeta und Calida, die beide börsenkotiert sind. Zur grossen Industriegruppe Conzzeta gehört die Marke Mammut, bei welcher die Sparte Outdoor letztes Jahr sogar um 10,9 Prozent gewachsen sei. Eine Sättigung des Marktes könne Mammut daher noch nicht feststellen, sagt ein Sprecher. Bei Calida wird die Mehrheit des Umsatzes mit Bekleidung erzielt, rund 30 Prozent aber mit Outdoor-Artikeln. Calida-Chef Reiner Pichler rechnet damit, dass die Bergsportmarken Millet, Lafuma, Eider und Oxbow im ersten Halbjahr 2019 «deutlich über dem Markt wachsen werden». Dies sei vor allem dem Wachstum in Asien und Japan zu verdanken. Doch auch er sagt: «Die aktuelle Entwicklung ist nicht mehr ganz so dynamisch, und es kommt zu einem geringeren Wachstum weltweit.»

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