Temperaturchecks und ÖV-Sperre: So bereitet die Wirtschaft die Rückkehr aus dem Home Office vor

Damit der Betrieb nicht gefährdet wird, verhängen Firmen Einreiseverbote und Temperaturchecks. Sie machen sich bereit für die Rückkehr zur Normalität.

Stefan Ehrbar
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Der Bund empfiehlt nach wie vor, aus dem Home Office zu arbeiten.

Der Bund empfiehlt nach wie vor, aus dem Home Office zu arbeiten.

Keystone

Das Arbeiten aus der eigenen Wohnung bleibt vielen noch länger erhalten. «Wo immer es möglich ist, soll man weiter auf Home Office setzen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch. Doch die etappenweise Lockerung, die der Bundesrat mit der Öffnung der ersten Geschäfte am 27. April eingeleitet hat, werfen ihre Schatten voraus. Firmen bereiten sich darauf vor, dass ihre Angestellten wieder ins Büro kommen und versuchen, Infektionen zu verhindern.

Der Nahrungsmittelriese Nestlé hat die Mitarbeitenden mit administrativen Funktionen ermutigt, von zu Hause aus zu arbeiten. Doch in den Produktionsstandorten ist die physische Präsenz vieler Mitarbeiter nötig, damit der Betrieb weiterläuft. Nun gibt es einen Fiebercheck: «Wir haben Temperaturkontrollen eingeführt, die am Eingang unserer Produktionsstandorte durchgeführt werden», sagt eine Sprecherin.

Firmen planen Zeit nach dem Home Office

Geschäftsreisen seien bis mindestens am 15. Mai ausgesetzt. Die verstärkten Hygienemassnahmen und die erhöhten Sicherheitsabstände würden nach wie vor gelten. Die kontinuierliche Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sei eine Notwendigkeit. Nestlé spiele eine grosse Rolle. Die ständige Verfügbarkeit der Produkte sei dank dem grossen Engagement der Mitarbeiter möglich, so die Sprecherin.

Beim Stromnetzbetreiber Swissgrid werden Mitarbeiter angehalten, nicht mehr den öffentlichen Verkehr zu nutzen. «Als Alternative bietet Swissgrid allen Mitarbeitenden neben der Benutzung des privaten Autos die Benutzung von Mobility-Fahrzeugen an», so ein Sprecher. Die Mindestabstände seien im ÖV nur sehr schwierig einzuhalten, begründet er den Schritt. Die Gesundheit und der Schutz der Mitarbeiter hätten oberste Priorität. Neun von zehn Mitarbeitern arbeiteten derzeit permanent von zu Hause aus.

Der Pharmakonzern Novartis hat seinen Mitarbeitern verordnet, bis zum 1. Mai von zu Hause aus zu arbeiten, sofern das möglich ist. Nun werde für die Zeit danach geplant, sagt ein Sprecher. «An unseren Standorten werden alle geltenden Massnahmen des Bundesamt für Gesundheit wie etwa Social Distancing strikte umgesetzt und Desinfektionsmittel wird zur Verfügung gestellt.»

Bei Roche arbeiten 85 Prozent zu Hause

Physische Sitzungen seien möglich, sofern nicht mehr als fünf Personen anwesend seien. Auch für die Benützung von Liften gebe es spezielle Regeln. Novartis-Mitarbeiter können auf medizinische Beratung zugreifen - aber auch auf ein psychosoziales Beratungsangebot für schwierige Momente, so der Sprecher.

Mit einem längeren Home-Office-Regime rechnet hingegen Konkurrentin Roche. «Alle Mitarbeiter, die ihre Arbeit nicht unbedingt vor Ort ausüben müssen, arbeiten bis auf Weiteres im Home Office», sagt ein Sprecher. Am Standort Basel/Kaiseraugst seien das derzeit 85 Prozent der Belegschaft. An diesem Standort habe Roche bisher eine «geringe Zahl von Infektionen» gehabt.

Swiss Life bezahlt im Zweifelsfall das Taxi

Der Lebensversicherer Swiss Life hält vorerst bis am 11. Mai an der Regelung fest, wonach die Mehrheit der Mitarbeitenden weiterhin von zu Hause aus arbeiten sollen. «Damit unterstützen wir die bundesrätlichen Bestrebungen, dass Menschenansammlungen und eine Belastung des öffentlichen Verkehrs zu vermeiden sind», sagt eine Sprecherin.

Es gebe ein paar wenige spezifische Tätigkeiten, die bei Swiss Life nur im Büro erledigt werden könnten. Man stelle sicher, dass die Bedingungen für diese Mitarbeiter gut seien: «Dazu gehört beispielsweise auch, dass entsprechende Parkplätze verfügbar sind oder die Finanzierung von Taxis, wenn kein eigenes Auto zur Verfügung steht».

Gute Erfahrungen mit Home Office

Gute Erfahrungen mit dem Home Office hat der Versicherer Zurich gemacht. Der Modus habe sich «als funktionierende Organisation und als widerstandsfähig erwiesen», so eine Sprecherin. «Unbedachte Eile bei der Rückkehr an die Standorte ist nicht angebracht.» Die Geschäftsleitung entscheide frühestens in den nächsten zwei Wochen über eine allfällige Rückkehr in die Büros. Man werde die Schritte «kontrolliert und etappenweise» angehen.

Auch die Swisscom hält am Home-Office-Regime fest - und zwar «bis sicherlich am 8. Juni», so eine Sprecherin. Mitarbeiter sollten wenn möglich nicht den ÖV nutzen und auf Meetings werde verzichtet. Den Mitarbeitenden stehe zudem 24 Stunden täglich eine Hotline zur Verfügung. Zumindest die Stosszeiten im ÖV meiden sollen die Mitarbeiter der ABB. Zudem gelte weiterhin: «Bei Unwohlsein oder ersten Symptomen bleiben Mitarbeiter strikt zu Hause.»