Kommentar

Die geplante deutsche Bankenfusion zeigt das Dilemma der Staaten auf

In vielen der rund 30 Banken, die in der Finanzkrise in Europa von Regierungen gerettet wurden, ist der Staat als Aktionär noch präsent. Die Schweiz hat es besser gemacht.

Daniel Zulauf
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Daniel Zulauf.

Daniel Zulauf.

Es sind noch keine zwei Jahre her, seit die französische Grossbank BNP artig in Berlin anklopfte, um die Möglichkeit einer Übernahme der Commerzbank zu sondieren. Schliesslich ist die deutsche Regierung mit einem Anteil von 15 Prozent die grösste Commerzbank-Aktionärin, seit sie dem Institut in der Finanzkrise zu Hilfe eilte.

«Wir stehen nicht unter Zeitdruck. Ziel ist es, für den Steuerzahler perspektivisch ein gutes wirtschaftliches Ergebnis zu erzielen», beschied man den Franzosen postwendend.

Inzwischen ist der Wert der Commerzbank-Beteiligung aber weiter zusammengeschmolzen – um über 40 Prozent oder mehr als 1 Milliarde Euro. Und in Berlin weiss man, dass auch eine Fusion mit der arg geschwächten Deutschen Bank keine Garantie für ein gutes Ergebnis ist. Aber offensichtlich hat man sich dort in die Idee verbissen, aus der Not eine Tugend zu machen und einen «Champion» der deutschen Kreditwirtschaft zu formen.

Allerdings ist nicht anzunehmen, dass die Regierung Hand zu einem Restrukturierungsprogramm bieten will, dem Tausende Jobs zum Opfer fallen. Deshalb dürfte sie mit einem Pseudo-Merger liebäugeln, der betriebswirtschaftlich zwar nichts bringt, aber wenigstens die Kirche im Dorf belässt. Das Dilemma ist symptomatisch: In vielen der rund 30 Banken, die in der Finanzkrise in Europa von Regierungen gerettet wurden, ist der Staat als Aktionär noch präsent. Die Schweiz kann froh sein, dass der Bund die UBS-Rettung mit Schuldpapieren finanzierte und sich nie als Eigentümerin versuchte.