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Trotz politischer Eiszeit: Ostschweizer Firmen geschäften weiter mit Saudi-Arabien

Während nach dem Mord an Regimekritiker Khashoggi viele Regierungen zumindest vorerst auf Distanz gegangen sind zu Saudi-Arabien, bleibt die Wirtschaft auf Tuchfühlung. Das zeigen auch Beispiele aus der Ostschweiz.
Thomas Griesser Kym
Manifa-Ölfeld des saudischen Ölkonzerns Aramco im Persischen Golf. Öl ist noch immer das wichtigste Schmiermittel der saudischen Wirtschaft. (Bild: PD (12. Mai 2018))

Manifa-Ölfeld des saudischen Ölkonzerns Aramco im Persischen Golf. Öl ist noch immer das wichtigste Schmiermittel der saudischen Wirtschaft. (Bild: PD (12. Mai 2018))

«Wegen seiner Rolle in der Weltwirtschaft, der muslimischen Welt und dem Nahen Osten ist Saudi-Arabien für die Schweiz ein sehr wichtiger Partner.» Das schreibt das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf seiner Website. Und weiter: «Wirtschaftlich birgt Saudi-Arabien für die Schweiz ein grosses Potenzial.

Doch seit der Ermordung des Regimekritikers Jamal Khashoggi Anfang Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul klingt es weniger freundlich und zuversichtlich. Mitte November hat die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats (WAK-N) einstimmig ­entschieden, die Beratung des Doppelbesteuerungsabkommens mit Saudi-Arabien zu sistieren. Dies so lange, bis der Bundesrat die Beziehungen der Schweiz zum Königreich überprüft hat.

Für die Schweizer Wirtschaft steht einiges auf dem Spiel. Im Mittleren Osten ist Saudi-Arabien der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz nach den Vereinigten Arabischen Emiraten. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat die Schweizer Wirtschaft vergangenes Jahr Waren für gut 1,8 Milliarden Franken nach Saudi-Arabien exportiert, vor allem Pharmazeutika, Maschinen und Uhren. Damit ist die Schweiz Nummer 14 auf der Liste der grössten Importländer Saudi-Arabiens.

In um­gekehrter Richtung exportierte Saudi-Arabien Güter für annähernd 700 Millionen Franken in die Schweiz. Der Bestand an Schweizer Direktinvestitionen in Saudi-Arabien betrug Ende 2016 gut 900 Millionen Franken.

Bühler ist Nummer eins bei Getreidemühlen

Wie bewegt sich zum Beispiel der Technologiekonzern Bühler im frostigeren politischen Klima? Das Unternehmen mit Hauptsitz in Uzwil ist seit über 50 Jahren im Wüstensand tätig. Firmensprecher Burkhard Böndel betont, Bühler «liefert ausschliesslich Anlagen für die menschliche und tierische Ernährung». Schwerpunkt seien industrielle Mühlen. In der Tat: In den vergangenen 15 Jahren hat Bühler viermal Grossaufträge aus Saudi-Arabien publik gemacht: 2003 für eine Futtermühle zur Produktion von Spezialfutter für eine Garnelenzuchtanlage sowie 2005, 2010 und 2015 für Getreidemühlen im Wert von 40 Millionen, 110 Millionen und 50 Millionen Franken.

Im Mai 2015 schrieb Bühler, man habe bereits 15 Mühlen an sieben Standorten in Saudi-Arabien installiert. Und: «Seit 1978 wurden im Königreich 50 Prozent aller Mühlen von Bühler gebaut.» Böndel ergänzt, «der Grossteil der Getreidevermahlung Saudi-Arabiens läuft über Anlagen von Bühler». Das Land konsumiert im Jahr über zwei Millionen Tonnen Mehl, und das ganze Getreide dafür muss seit 2016 importiert werden, da Sau­di-Arabien den eigenen Weizenanbau wegen des enormen Wasserbedarfs aufgegeben hat.

«Eine perfekte Zusammenarbeit»

Blick in die Bühler-Mühle im saudischen Jazan. (Bild: PD)

Blick in die Bühler-Mühle im saudischen Jazan. (Bild: PD)

Die im Jahr 2010 bestellte und 2015 in Betrieb genommene Bühler-Anlage sei die grösste Mühle Saudi-Arabiens. Der Bau jener Anlage in Jazan, die 2015 in Auftrag gegeben wurde, ist Anfang dieses Jahres fertiggestellt worden, wie der Website www.world-grain.com zu entnehmen ist, und die Mühle selber wurde bereits im August 2017 in Betrieb genommen, ein halbes Jahr früher als erwartet. Bühler-Projektmanager Stefan Bürgi sprach von «einer perfekten Zusammenarbeit aller involvierten Parteien».

Bestellerin aller Mühlen war die Grain Silos & Flour Mills Organization (GSFMO), ein staatlicher Getreideimport-, Mühlen- und Mehlmonopolist, der dem saudischen Landwirtschaftsministerium untersteht. Seit Ende 2015 heisst das Vehikel Saudi Grains Organization (Sago), und die bisher staatlich geführten Mühlen werden privatisiert.

Im Rahmen dieses mehrjährigen Prozesses «ist das Geschäfts­volumen zurückgegangen», sagt Böndel. Bühler ist jedoch weiterhin mit einem kleinen Team an zwei Standorten in Riad und Jeddah vor Ort. Dieses nimmt nicht nur Anlagen in Betrieb, sondern ist besonders auch für Wartung, Services und Unterhalt zuständig und baut Ersatzteile ein, die Bühler liefert.

Kägi mit Geschäftsstelle in Dubai

Eine Abkehr von der Geschäftspolitik scheint kein Thema zu sein. Generell fühle sich Bühler nicht den Regierungen verpflichtet, sondern den Kunden und vor allem den Menschen, die dank der Anlagen des Unternehmens täglich ihre Grundnahrungsmittel erhielten, sagt Böndel.

«Deshalb tragen wir selbst in Krisengebieten mit dazu bei, die Versorgung mit Nahrungsmitteln aufrechtzuerhalten.»

Bühler verfolge in seinen Märkten die politischen Entwicklungen aufmerksam, bewerte diese aber nicht ­öffentlich. Das gelte für Saudi-Arabien wie für alle anderen Länder auch.

Aktiv im Geschäft mit Saudi-Arabien ist auch der Waffel- und Biskuitbäcker Kägi Söhne aus dem Toggenburg. Das Lichtensteiger Unternehmen, das fast die Hälfte seiner Verkäufe im Export erzielt, nennt als «wichtigste internationale Märkte» Deutschland, Österreich, Asien und den Mittleren Osten, worunter auch Sau­di-Arabien namentlich genannt wird. Zur besseren Vermarktung seiner Produkte auf der Arabischen Halbinsel hat die Kägi ­Söhne AG im Jahr 2011 eine Geschäftsstelle in Dubai eröffnet.

GK Grünenfelder sorgt für Kühle in der Hitze

Langjährige Erfahrung in Saudi-Arabien hat die GK Grünenfelder AG aus Kriessern, die Nutzfahrzeuge baut. In den 1970er-Jahren setzten arabische Ölländer die Ölwaffe gegen westliche Verbündete Israels ein. Die Drosselung der Ölproduktion liess die Öl­preise drastisch steigen, was im Westen eine Rezession auslöste. Patron Albert Grünenfelder sen. suchte deshalb neue Märkte und Geschäftschancen – und fand diese ausgerechnet im Mittleren Osten. Dort gründete er zusammen mit Esmat Al-Saady 1976 das Gemeinschaftsunternehmen CGS. Aus dem ersten Werk in Riad ist bis heute eine Gruppe mit vier Standorten in Saudi-Arabien und Bahrain geworden, die rund 700 Beschäftigte hat.

CGS bezeichnet sich als ein führender Hersteller von Kühlfahrzeugen und Kühlhäusern im Mittleren Osten. Der älteste Sohn des verstorbenen Patrons, Marcel Grünenfelder, arbeitete geraume Zeit in Saudi-Arabien und sitzt als Chef der GK Grünenfelder Holding im Verwaltungsrat der CGS. Gerade ist er von einer neuerlichen Reise nach Saudi-Arabien zurückgekehrt. Wie Bühler beobachte man die politische Lage, sagt Grünenfelder. Aber:

«Un­sere Arbeit und unser Geschäftsverlauf sind von der jüngsten ­Entwicklung nicht unmittelbar betroffen.»

Einen grösseren Einfluss hätten die Schwankungen des Ölpreises, der die Staatsausgaben der saudischen Regierung erheblich mitbestimmt. Auch Grünenfelder sagt, dass CGS, ähnlich wie Bühler, Zulieferer der Lebensmittelindustrie sei, wovon im Endeffekt die Bevölkerung profitiere. Mit dem Geschäftsgang im Mittleren Osten zeigt sich Grünenfelder zufrieden.

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