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Bitcoin im Abwärtsstrudel: Die Goldgräberstimmung ist vorbei

Die Kryptowährung Bitcoin hat seit Anfang Jahr fast 70 Prozent an Wert eingebüsst. Viele Kleinanleger haben sich mit dem Handel die Finger verbrannt. Zahlen zeigen aber, dass die Branche weiter auf dem Vormarsch ist.
Jann Lienhart (SDA), Roman Schenkel
Ein Bitcoin-Automat am Blockchain Summit in Zug: Die Lust, Bitcoins zu kaufen, ist etwas vergangen. (Bild: Patrick Huerlimann/Keystone (26. April 2018))

Ein Bitcoin-Automat am Blockchain Summit in Zug: Die Lust, Bitcoins zu kaufen, ist etwas vergangen. (Bild: Patrick Huerlimann/Keystone (26. April 2018))

Vom Mauerblümchen zum Börsenliebling und wieder zurück: Gut ein halbes Jahr nach dem Bitcoin-Hype ist es etwas ruhiger geworden um die Kryptowährungen. «Es ist weniger laut, aber das ist auch gut so», sagt Christoph Gerlinger, Chef der German Startups Group in Berlin. «Die Goldgräberstimmung 2017 hat bezogen auf Initial Coin Offerings sehr viel Schrott nach oben gespült», sagt er. Bei einem ICO sammelt eine Firma Kapital in Form von etablierten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether bei Anlegern ein und gibt im Gegenzug sogenannte Tokens aus.

Begünstigt wurden die zahlreichen ICOs vom Höhenflug des Bitcoin, der bekanntesten Kryptowährung. Als der Preis für Bitcoin in den letzten Dezembertagen des vergangenen Jahres auf 20000 US-Dollars in die Höhe schoss, waren Kryptowährungen plötzlich in aller Munde. Hatten zuvor nur eingefleischte Computerexperten von der Kryptowährung gehört, erklärte Ende 2017 sogar die Boulevardzeitung «Blick» ihren Lesern alles Wissenswerte über Bitcoin.

Gerücht lässt Kurs einbrechen

Seither hat der Bitcoin stark an Wert eingebüsst und pendelte zuletzt um die 7000-Dollar-Grenze. Vergangene Woche reichte das Gerücht, dass die US-Grossbank Goldman Sachs aus dem Handel mit Bitcoin aussteigen will, um den Kurs der Kryptowährung innert zweier Tage um knapp 13 Prozent einbrechen zu lassen. Auch die Bitcoin-Alternativen Cardano, Ethereum und Ripple und die venezuelanische Krypto-Staats- währung Petro sanken in ähnlichem Ausmass. Am Sonntag war ein Bitcoin 6400 Dollar wert. Seit dem Höchststand von fast 20 000 Dollar entspricht dies einem Wertverlust von annähernd 70 Prozent. Allerdings ist das nach wie vor das Siebenfache dessen, was sie Anfang 2017 gekostet hat. Von Seiten privater Kleinanleger sei das Interesse dennoch weg, sagt ein Händler, der auf Bitcoin basierende Finanzprodukte anbietet. «Für viele war der plötzliche Preissturz ziemlich schmerzhaft, und sie haben jetzt erst einmal die Nase voll.»

Auch der Markt der sogenannten Initial Coin Offerings (ICOs) hat in der Öffentlichkeit etwas an Sichtbarkeit eingebüsst. 2017 ging als das Jahr des ICO-Booms in die Geschichte ein. Eine Studie des Beratungsunternehmens PWC zeigt, dass Unternehmen im letzten Jahr über 7 Milliarden Dollar über ICOs eingenommen haben. 2016 waren es erst 236 Millionen gewesen. Insgesamt haben letztes Jahr laut der Studie 438 Unternehmen eine eigene Währung herausgegeben. Das sind achtmal mehr als im Vorjahr. Wer von weniger Präsenz in den Medien auf einen Rückgang der ICOs schliesst, der täuscht: Zahlen von PWC zeigen, dass im ersten Halbjahr 2018 weltweit bereits über 13, 7 Milliarden Dollar mittels ICOs aufgenommen wurden. Im ganzen Jahr 2017 zählte PWC 552 Initial Coin Offerings, heuer sind es bereits 537 an der Zahl. In der Schweiz sammelten 28 ICOs 456 Millionen Dollar ein. Im Vorjahr waren es über 1,4 Milliarden bei 33 ICOs. Die USA bleibt dank klarer und strikter regulatorischer Anforderungen führender ICO-Standort. In Europa bleibt die Schweiz beliebtester Standort für Kryptofirmen, Grossbritannien konnte sich hinsichtlich Volumen und Anzahl merklich verbessern.

Volumen pro ICO nimmt ab

Insgesamt scheint das eingesammelte Geld pro ICO aber etwas abgenommen zu haben. «Es ist schwierig geworden, damit Geld zu verdienen», bestätigt Philipp Sandner, Professor am Frankfurt School Blockchain Center. Viele Startups bekämen nur einen Bruchteil dessen, was sie ursprünglich geplant hatten.

Das trifft zum Beispiel auf das Projekt des ehemaligen Digitalchefs der Credit Suisse, Marco Abele zu. 30 Millonen Franken wollte dieser für sein in Zug ansässiges Blockchain-Startup Tend einsammeln. Das 2017 vom CS-Banker gegründete Unternehmen will eine Plattform anbieten, auf der vermögende Investoren Luxusgüter wie Rennautos, Gemälde oder Weinberge gemeinsam besitzen. Die Anleger sollen dabei zusammen von der Wertsteigerung der Objekte profitieren und diese auch tatsächlich nutzen können, etwa den Luxuswagen auf einer Rennstrecke.

Wenig Interesse an Zuger Startup

Um die weitere Entwicklung und die dafür notwendige Manpower zu finanzieren, lancierte Tend im vergangenen Februar ein ICO. Dieses stiess allerdings auf wenig Interesse. Laut dem Branchenportal «ICO Bench» gelang es dem Startup, nur etwas mehr als vier Millionen Dollar mittels ICOs zu generieren. Wie es mit Tend weitergeht ist noch unklar. Gegenüber dem Branchenportal «finews» sagte ein Mediensprecher, man habe genügend Mittel, um die Entwicklung in Angriff zu nehmen.

Laut PWC hat bis dato ein Drittel der angekündigten ICOs die Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Im Vergleich zum Vorjahr seien die aktuellen ICOs erwachsener und etablierter. «Derzeit wird im Hintergrund viel Wissen aufgebaut und dass das geräuschloser passiert, ist gar nicht verkehrt», sagt auch Sander vom Frankfurt School Blockchain Center.

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