Gesundheitskosten
Die Hälfte aller Arzt-Rechnungen werden am Patienten vorbeigeschleust

Patienten wären die besten Kontrolleure ihrer Gesundheitskosten, findet Nationalrat Bernhard Guhl. Doch viele Rechnungen gehen von Arzt oder Spital am Patienten vorbei direkt an Krankenkassen – was gegen das Gesetz verstösst. Guhl will das ändern.

Roman Seiler
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Die hohen Gesundheitskosten bereiten Sorgen (Symbolbild)

Die hohen Gesundheitskosten bereiten Sorgen (Symbolbild)

Keystone

Krankenversicherer rüsten auf, um Betrügern das Handwerk zu legen. Täter sind auch Ärzte und Spitäler. Dieses Treiben stoppen könnten auch die Patienten mithelfen, sagt der Aargauer Nationalrat Bernhard Guhl von der BDP: «Sie sind die besten Rechnungskontrolleure. Sie wissen, wie lang ihr Spitalaufenthalt war und wie sie behandelt wurden.»

Nur: Rund 25 Millionen, das sind etwa die Hälfte aller Rechnungen von Ärzten und Spitälern, sieht der Patient nicht mehr, sagt Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte des Internetvergleichsdiensts comparis.ch: «Das verstösst eigentlich gegen das Krankenversicherungsgesetz (KVG).»

Daher fordert Guhl, dass jeder Patient eine Rechnung erhält. Auch dann, wenn er sie nicht selbst zahlt. Dieses von Spitälern, aber auch von Gruppenpraxen angewandte Verfahren nennt man «Tiers payant».

Die meisten dieser Rechnungen sieht der Patient jedoch nicht – oder nur teilweise. Guhl reichte deswegen am Mittwoch ein Postulat im Nationalrat ein. Er beauftragt den Bundesrat, zu prüfen, wie der entsprechende Passus des KVG eingehalten wird: «Im Bericht sind Massnahmen vorzuschlagen, wie sichergestellt werden kann, dass alle Patienten unaufgefordert die Rechnung erhalten.»

Erhält der Patient – wie vom Gesetz verlangt – seine Rechnung, erfahre er nicht nur, welche Kosten seine Behandlung ausgelöst hat, sagt Guhl. «Er kann sie auch kontrollieren.» Und halte er sie für falsch, könne er bei seinem Krankenversicherer intervenieren: «Die damit zu erzielenden Einsparungen dürften die Kosten für den Rechnungsversand übersteigen.»

Auch Christophe Kaempf vom Krankenversicherungsverband Santésuisse geht davon aus, dass Kosten eingespart werden, wenn Patienten ihre Rechnungen kontrollieren.

Streit um Versand

Ärztevertreter bezweifeln dies allerdings. Laut Conrad Engler, Sprecher des Spitalverbands H+, kostet der Versand einer Rechnung per Post rund zwei bis drei Franken. Weil Spitalrechnungen in der Regel elektronisch an die Krankenversicherer übermittelt werden, sagt er: «Sinnvoll wäre es, wenn sie die Rechnung den Kunden zustellen mit der Information über die Kostenübernahme und den allfälligen Selbstbehalt.»

Gemäss Carole Sunier, Sprecherin des Krankenversicherers CSS, sind die Leistungserbringer «gesetzlich verpflichtet, den Versicherten eine Rechnungskopie zuzusenden: «Das gilt für alle, auch die Spitäler. Wir fordern natürlich, dass die Leistungserbringer diese gesetzliche Vorgabe umsetzen.»

Für Spitalvertreter Engler bleibt die Rechnungskontrolle eine «Kernaufgabe der Versicherer»: «Aufgrund der technisch und medizinisch komplizierten Tarifstrukturen und Rechnungen können die meisten Patientinnen und Patienten nur beschränkt eine Leistungsabrechnung überprüfen.»

Guhl ist sich dessen bewusst: «Die Rechnungen müssten vereinfacht werden.» Nur dann könnten sie Patienten effizient kontrollieren.