Die Hotels spüren die Krise

Die Geschäftskunden bleiben in den Limmattaler Hotels immer öfter aus. Das Rekordjahr 2008 steht auf jeden Fall ausser Reichweite. Aber die aktuellen Zahlen liegen auch hinter anderen Jahren zurück.

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Schweiz am Sonntag

Von Sidonia Küpfer

«Der Januar war noch in Ordnung, aber seit Anfang Februar und seit den Sportferien hinken wir den Zahlen aus früheren Jahren deutlich hinterher», sagt Thomas Brunnschweiler, Empfangschef des Hotels Sommerau-Ticino in Dietikon. Man könne die Belegungen nicht mit 2008 vergleichen, denn das sei für die Schweizer Hotellerie ein absolutes Rekordjahr gewesen. Die aktuellen Zahlen hielten aber auch dem Vergleich mit 2007 nicht stand, sondern lägen eher auf dem Niveau von 2006, dem ersten Jahr der Erholung nach dem Rückgang, den die New-Economy-Krise 2001 hervorgerufen hatte, so Brunnschweiler.

«Das ist ein herber Rückschlag für uns», sagt er angesichts der grossen Investitionen, die letztes Jahr von der Familie Frapolli getätigt worden seien. Im Mai seien die vielen Feiertage ein Problem, denn diese hinterliessen momentan beim Hotel Sommerau-Ticino stärkere Spuren als sonst. Denn das Hotel wird, wie für das Limmattal typisch, zum grössten Teil von Geschäftskunden frequentiert.

Der Empfangschef hofft nun auf einen guten Juni, denn dieser sei ein wichtiger Indikator für die Phase von September bis November, wenn das Hotel jeweils am besten ausgelastet sei. «Wenn im Juni nicht viel läuft, mache ich mir keine Hoffnungen mehr, dass die zweite Jahreshälfte besser ausfallen könnte», erklärt Brunnschweiler.

Zu Entlassungen habe die spürbare Krise aber bislang nicht geführt: «Im Frühling kommt es in unserer Branche oft zu Wechseln. Diese natürlichen Austritte haben wir teilweise nicht mehr ersetzt», beschreibt Brunnschweiler die Personalpolitik. «Trotzdem treten wir der aktuellen Situation positiv entgegen. Im Wissen, dass wir nur in unserem Umfeld etwas bewegen können. Das bedeutet Kunden- und Gästepflege.»

Auch im Hotel Conti wurden zuletzt zwei natürliche Austritte nicht mehr ersetzt, wie Barbara Rüedi, die gemeinsam mit Andreas Büchel das Conti leitet, sagt. Im Hotelbereich spüre das Conti seit November einen Rückgang der Buchungen. Ihr Eindruck sei, dass vor allem ausländische Gäste vermehrt wegblieben. Aber auch Rüedi hält einen Vergleich mit dem Vorjahr für nicht angebracht: «2008 war ein Bombenjahr, in diesem Stile wäre es wahrscheinlich auch ohne Wirtschaftskrise nicht weitergegangen.»

Ihren Optimismus bewahrt sich Barbara Rüedi, denn das sei auch für ihre Gäste wichtig: «Wir sind verpflichtet, unseren Gästen eine gute Atmosphäre zu schenken, und da will ich meinen Mitarbeitern mit gutem Beispiel vorangehen», hält sie fest. Zudem laufe es dem Conti im Restaurantbereich weiterhin gut, dieser sei vom Rückgang noch kaum betroffen. Der positive Geschäftsgang in der Restauration, kombiniert mit einem vernünftigen Kostenbewusstsein - beispielsweise indem sie nicht dringliche Investitionen aufschiebe -, sollte die Baisse in der Hotellerie auffangen können, so Rüedi.

«Die Kunden sind deutlich preisbewusster geworden», stellt der Schlieremer Ibrahim Budak vom Hotel Tivoli fest. Für ihn liegt denn momentan der Schlüssel zum Erfolg auch bei der Preispolitik: Er reagierte auf die rückläufigen Buchungen, die auch er gespürt hat: «Wir waren im Januar und Februar schlecht ausgelastet und haben deshalb unsere Preise um 20 Prozent gesenkt», sagt Budak. Seither sei er mit der Auslastung zufrieden.

Von Montag bis Freitag sei er in den vergangenen Wochen durchschnittlich zu 95 Prozent ausgelastet gewesen, die nächsten beiden Wochen sei das Hotel voll belegt. Möglich sei die Preisreduktion auch aufgrund des finanziellen Polsters aus dem guten Geschäftsjahr 2008.

Eine positive Entwicklung sieht Budak bei den Monatszimmern: Hier ortet er auch in Zukunft grosses Potenzial, denn die Nachfrage nach Zimmern, die zu Spezialkonditionen über längere Zeit gemietet werden, sei steigend, erklärt der Hotelier. Aktuell habe er rund zehn Stammkunden, die ihm einen gewissen Grad an Sicherheit geben. Die Wirtschaftskrise ist für Budak bislang kein Problem.