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Die Kräuter-Landwirte aus dem Entlebuch

In den bekannten Ricola-Bonbons stecken Kräuter aus dem Entlebuch. Die Bauern, welche diese anpflanzen, sind genossenschaftlich organisiert.
Mitten in einem Eibisch-Feld: Aktuar Anton Moser (mit Mütze) und Peter Stadelmann, Präsident der Kräutergenossenschaft Schüpfheim. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Mitten in einem Eibisch-Feld: Aktuar Anton Moser (mit Mütze) und Peter Stadelmann, Präsident der Kräutergenossenschaft Schüpfheim. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Genossenschaftspräsident Peter Stadelmann und Aktuar Anton Moser stehen mitten in einem Feld mit bis zu zwei Meter hohen Eibisch-Gewächsen. Sie begutachten die Pflanzen und sind zufrieden mit dem, was sie sehen. Das Entlebuch eignet sich mit seiner botanischen Vielfalt recht gut für den Anbau von Kräuterpflanzen. Im September wird Peter Stadelmann das Pflanzenfeld auf seinem Hof in Escholzmatt mähen und die Wurzeln ernten. Abnehmer für den Eibisch ist die Kräuterbonbons-Firma Ricola in Laufen.

Ricola ist der grösste Abnehmer

Der durch sein geschicktes Marketing in der halben Welt bekannte Bonbons-, Kaugummi- und Teehersteller im Kanton Baselland gab vor 26 Jahren den Anstoss zur Gründung der Kräuteranbaugenossenschaft im Entlebuch. «Ricola ist unser wichtigster Kunde geblieben. Wir liefern im Jahr zweieinhalb bis drei Tonnen getrocknete Kräuter nach Laufen», sagt Anton Moser, einer der Mitbegründer der Genossenschaft. Der ausgebildete Agronom ist Aktuar und für die ganze Administration zuständig. Das Entlebuch ist für Ricola eines der fünf mehr und weniger grossen Kräuteranbaugebiete in den Schweizer Alpen und Voralpen. Der Familienbetrieb bezieht ebenfalls im Wallis, im Emmental, im Puschlav und in Hergiswil am Napf Rohstoffe für seine Produkte.

15 der 60 Mitglieder der Kräuteranbaugenossenschaft Entlebuch sind Produzenten. «Seit der Genossenschaftsgründung 1986 sind nicht viele Landwirte dazugestossen, die sich mit Kräutern einen Nebenverdienst sichern. Doch die Anbaufläche ist stark gewachsen», sagt Moser. Heute erstrecken sich die Kräuterparzellen der Genossenschaft auf insgesamt 210 Aren.

Vierzehn verschiedene Teekräuter

Die Genossenschafter bringen es mit den Kräutern auf einen Umsatz von insgesamt rund 100 000 Franken. Ricola ist zwar die wichtigste, aber nicht die einzige Einnahmequelle. Schon früh haben die Produzenten damit begonnen, Teekräuter im Direktverkauf anzubieten. Dafür haben sie 14 verschiedene Kräuterarten – von Lindenblüten, Zitronenmelisse über Hagebutten bis Brennnessel – und 5 Mischungen im Sortiment. «Wir halten uns im Kräuteranbau strikt an die biologischen Richtlinien. Sowohl beim Pflanzenschutz als auch bei der Düngung werden keine chemischen Stoffe verwendet», sagt Peter Stadelmann. Er ist nicht nur Genossenschaftspräsident, sondern auch der Landwirt, der am meisten Kräuter anbaut. Die meisten Kräuterkulturen werden gepflanzt, die Jungpflanzen beziehen die Genossenschafter bei Biogärtnereien. Für Lindenblüten, Hagebutten und Schlüsselblumen begeben sich einige Genossenschafter im Sommer auf Sammeltour in der freien Natur.

Geübte Teetrinker sind Geniesser

Der Tee aus dem Entlebuch hat seinen Preis, 40-Gramm-Mischungen sind zum Preis von rund 6 Franken in den Ladenregalen. Im Vergleich zum Importtee ist das ein Mehrfaches. «Dafür ist unser Tee unverfälscht und hat auf dem Weg von der Produktion zum Konsumenten nicht Tausende Transportkilometer hinter sich», sagt Moser. Unverfälscht heisst in diesem Fall: keine Farb- oder Geschmackszusatzstoffe. Für viele Konsumenten ist es freilich zuerst einmal gewöhnungsbedürftig, wenn ein Hagebutten-Teebeutel nicht innerhalb von Sekunden rote Farbe und Aroma verströmt. Stadelmann: «Teetrinken muss man in aller Ruhe zelebrieren, dann wirkt auch das Aroma ohne künstliche Verstärkung intensiv.»

Der Tee-Absatz der Kräutergenossenschaft dürfte momentan einen kräftigen Schub erleben. Denn die Genossenschaft beliefert neu auch die Verkaufsregionen Zentralschweiz-Zürich von Coop. Das Biosphären-Label «Echt Entlebuch» hat ihr geholfen, mit dem Grossverteiler ins Geschäft zu kommen. «Das Biosphären-Label verfehlt seine Wirkung eben doch nicht», sagt Stadelmann an die Adresse der Skeptiker, die den Erfolg des beträchtlichen Marketingaufwandes für die Unesco-Biosphäre anzweifeln.

Bäuerliche Zusammenarbeit

Hilfreich war auch die genossenschaftliche Organisation. «Eine lose Gruppierung, bei der man mitmachen kann oder es bei Bedarf auch lassen kann, ist für Kunden wie Ricola oder Coop kein verlässlicher Partner. Wir wollten Leute dabeihaben, die sich finanziell am Projekt beteiligen – auch wenn nur mit 200 Franken pro Mitglied», erklärt Anton Moser. Die genossenschaftliche Form ist für die Entlebucher Kräuterproduzenten indes nicht nur ein Signal nach aussen, sie leben den Gedanken auch. Etwa mit ihrer speziellen Kräutermähmaschine, der Trocknungsanlage oder der Teebeutelmaschine, die im Besitz der Genossenschaft sind und für alle zur Verfügung stehen. «Das Genossenschaftsmodell eignet sich für die Landwirtschaft sehr gut, es ist eine bäuerliche Form von Zusammenarbeit», sagt Peter Stadelmann.

Rainer Rickenbach

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