Die Krux mit der Pilotenlizenz: Der Swiss droht nach der Coronavirus-Krise ein gröberes Cockpit-Problem 

Der Grossteil der Swiss-Flotte ist gegroundet. Doch möglicherweise müssen wegen einer Branchenregelung bald auch ihre Piloten am Boden bleiben. Die Airline sucht nun eine Lösung mit dem Bund. 

Benjamin Weinmann
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Airline-Piloten müssen regelmässig einen Check-Flüge absolvieren, um ihre Fluglizenz zu behalten.

Airline-Piloten müssen regelmässig einen Check-Flüge absolvieren, um ihre Fluglizenz zu behalten. 

Sales Wick / Obwaldner Zeitung

In Zürich-Kloten, in Dübendorf und am Flughafen Genf: Die Swiss-Flotte ist derzeit mit ein paar wenigen Ausnahmen gegroundet (siehe Box). Gerade mal zehn Prozent ihres normalen Flugplans führt die Swiss diese Woche noch aus. Somit bleiben auch die meisten ihrer Piloten derzeit am Boden.

Für die Planung der Zeit nach der Corona-Krise droht der Swiss deshalb ein Problem. Denn wegen der bundesrätlichen Massnahmen zur Schliessung von öffentlichen Schulen, Hochschulen und anderen Bildungsstätten Mitte März, musste auch die Swiss ihren Trainingsbetrieb weitgehend runterfahren, wie Sprecherin Sonja Ptassek auf Anfrage bestätigt. «Dies betrifft auch die European Flight Academy.» Das ist die Flugschule der Lufthansa-Gruppe mit drei Ausbildungsstandorten in Deutschland, einem in Arizona in den USA, und je einem in Grenchen und Zürich.

Laut der Swiss-Sprecherin mussten auch der Trainingsflugbetrieb und der Theorieunterricht für alle Kurse ausgesetzt werden. Die Schüler, die sich in Arizona befanden, wurden inzwischen zurück in die Schweiz geholt. «Es ist im Moment noch nicht klar, wann der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen werden kann», sagt Ptassek.

Auch auf europäischer Ebene ein Thema

Neue Piloten wird die Swiss allenfalls nach der Rückkehr zur Normalität möglicherweise gar nicht benötigen, sollten die Kunden anfangs nur verhalten buchen, oder sollte künftig gar generell weniger geflogen werden. Doch da wäre noch die bestehende Piloten-Crew, rund 1400 an der Zahl. Und diese benötigen einen regelmässigen Check im Simulator, damit ihre Lizenz gültig bleibt. Zwingend sind drei Starts und drei Landungen in drei Monaten. Sonst droht der Lizenzentzug.

Doch wie die Swiss-Sprecherin bestätigt, ist auch das Simulator-Training derzeit nicht möglich. Man sei deshalb mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt daran, Lösungen zu finden, «um betriebsnotwendige Trainings wieder zu ermöglichen». Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit hat sich dem Problem angenommen und versucht, die Fristen für die Lizenzverlängerung des Flugscheins mit Hilfe einer Ausnahmeregelung auszuweiten.

Beim Swiss-Pilotenverband Aeropers ist das Thema ebenfalls auf dem Tisch. «Grundsätzlich finden wir es gut, dass man Rücksicht auf die Gesundheit des Personals nimmt, da man im Simulator eng beieinander sitzt», sagt ein Sprecher. «Aber auch wir machen uns Gedanken, wie dieses Problem gelöst werden kann, wenn der Flugbetrieb wieder los geht.» Man werde versuchen, mit der Swiss eine konstruktive Lösung zu finden.

Wohin mit all den Flugzeugen?

US-Airlines parkieren in der Wüste - Swiss zieht andere Standorte vor

Die Swiss hat ihre Flugzeuge derzeit an drei Standorten parkiert. Drei A333 sind in Genf, der Rest der Langstreckenflotte befindet sich am Flughafen Zürich. In Dübendorf sind 16 Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge parkiert. US-Airlines wie Delta und American Airlines hingegen weichen auf Standplätze in der Wüste aus. Denn im trockenen, kargen Klima ist das Korrosionsrisiko für die teuren Maschinen deutlich kleiner. Bei der Swiss heisst es, das Abstellen in der Wüste sei kein Thema, da man die Flugzeuge nicht langfristig verstauen wolle. Um die Flugzeuge zeitnah wieder für den Flugbetrieb aktiv zu machen, brauche es regelmässige Unterhaltsarbeiten, die man in der Wüste nicht auf die Schnelle erledigen könnte. (bwe)

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