AZ Medien
«Die Leser halten uns die Treue»

Der Gewinn der AZ Medien ist 2008 um 89 Prozent gefallen. Ein Spar- und Synergieprogramm soll im laufenden Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis bringen. Strategisch steht die Firma dank Übernahmen laut Verleger Peter Wanner gut da.

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Peter Wanner

Peter Wanner

Aargauer Zeitung

Daniel Imwinkelried

Die Wirtschaft ist erst gegen Ende 2008 in die Krise geraten. Trotzdem ist der Gewinn der AZ Medien 2008 um hohe 89 Prozent eingebrochen. Wieso?

Peter Wanner: Das vergangene Geschäftsjahr ist unbefriedigend verlaufen. Die Wirtschaftskrise ist ein Grund dafür, aber nicht der wichtigste. Viel bedeutender ist, dass die Inserateeinnahmen der Tageszeitung massiv unter dem Budget lagen. Ferner waren die Leistungen des Lokalfernsehens und der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) ungenügend. Schliesslich drückten hohe Projektkosten - etwa für den «Sonntag» und die Online-Plattform a-z.ch - auf das Ergebnis.

Bereits vor einem Jahr haben Sie die schlechte Leistung im Inserategeschäft beklagt und Massnahmen eingeleitet. Warum haben sie noch nicht gewirkt?

Wanner: Publicitas vermarktet für uns Inserate. Die Erträge waren im vergangenen Jahr deutlich unter Budget, und daraus haben wir nun die Konsequenzen gezogen. Wir führen mit der Publicitas Gespräche über mögliche neue Formen der Zusammenarbeit und erwarten entsprechende Vorschläge, prüfen in der Zwischenzeit aber auch den Aufbau einer eigenständigen Verkaufsorganisation. Spätestens Ende Juni entscheiden wir, ob wir Richtung Eigenregie gehen werden.

Sie beklagen die unbefriedigende Leistung der Publicitas, doch inwiefern sind die tieferen Inserateeinnahmen auch eine Folge der momentanen Wirtschaftskrise?

Wanner: Wir spüren die Wirtschaftskrise, besonders bei den Stelleninseraten, die massiv eingebrochen sind. Im Vergleich hat die AZ Medien Gruppe stärker unter dem Inserateeinbruch gelitten als andere Medienunternehmen der Schweiz. Das ist atypisch und gibt zu denken.

Wie hat sich das Inserategeschäft in den ersten Monaten 2009 entwickelt?

Wanner: Die Einnahmen sind bei allen Medienunternehmen nochmals gesunken. Ich rechne mit einem weiteren Rückgang, vor allem im Stellen- und Immobilienmarkt. Alle Tageszeitungen müssen sich auf happige Einbussen gefasst machen.

Also noch keine Wende im Inserategeschäft?

Wanner: Davon gehe ich aus. Wenigstens gibt es aber im lokalen Anzeigenbereich positive Signale.

Wie sieht es bei der Auflageentwicklung aus?

Wanner: Die Auflage konnte einigermassen stabil gehalten werden, d. h. die Leser und Leserinnen halten uns die Treue. Und das ist doch sehr erfreulich.

Mit «.ch» und «Cash» sind vor kurzem zwei Gratiszeitungen eingestellt worden. Eröffnet das neue Chancen?

Wanner: Nein, diese beiden Zeitungen hatten keinen grossen Anteil am Inseratekuchen und hatten verhältnismässig wenig Leser. Zudem sind nicht nur die Zeitungen gratis verteilt, sondern viele Inserate auch gratis oder zu sehr günstigen Preisen verkauft worden.

Das heisst aber wenigstens, dass der Druck auf die Inseratepreise nun etwas nachlässt?

Wanner: Das ist möglich. Die Flut der Gratiszeitungen hat bei den Inseraten zu einem Preiszerfall geführt, den auch wir schmerzhaft gespürt haben.

Die AZ Medien Gruppe liebäugelte ebenfalls lange mit einer Gratiszeitung. Verfolgen Sie das Projekt weiter, obwohl die Gratiszeitungen mehrheitlich keinen Erfolg hatten?

Wanner: Vor einem Jahr haben wir uns entschlossen, die geplante Gratiszeitung nicht zu lancieren. Das war ein weiser Entscheid. Die sich anbahnende Finanz- und Wirtschaftskrise war absehbar. Eine neue Zeitung sollte nie in eine Krise hinein lanciert werden.

Zu Beginn des Gesprächs haben Sie erwähnt, dass auch der Fernsehbereich ein schlechtes Ergebnis erzielt hat. Ab diesem Jahr erhält Tele M1 Gebührengelder. Wird der Fernsehsender dann kostendeckend sein?

Wanner: Wir hatten bereits für 2008 Gebührengelder einkalkuliert. Doch leider gab es eine Einsprache gegen die Konzessionsvergabe. Mittlerweile besitzen wir eine rechtskräftige Konzession für den Sender Tele M1. Bisher haben wir das Fernsehen mit den Radio-Einnahmen subventioniert, dieses Jahr sollte Tele M1 aber kostendeckend sein.

Als dritte Baustelle nannten Sie die Basellandschaftliche Zeitung. Wo klemmt es?

Wanner: Die Probleme werden laufend gelöst. Ab 1. Juni werden wir die Zeitung in Aarau drucken. Betriebswirtschaftlich und publizistisch macht die Zeitung grosse Fortschritte.

Wie andere Zeitungen der AZ Medien musste die bz ein hartes Sparprogramm über sich ergehen lassen. Wie geht es im Zeitungsbereich weiter?

Wanner: Es stimmt: Wir haben bei all unseren Zeitungen, das heisst bei der Aargauer Zeitung, der bz und der Solothurner Zeitung, ein rigoroses Sparprogramm eingeleitet, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass das erste Quartal 2009 sehr schlecht ausfallen würde. Das Sparprogramm wird in diesem und im nächsten Jahr wirksam werden. Hinzu kommt ein Synergieprogramm, das dank der vollständigen Übernahme der Vogt-Schild Medien AG, zu der die Solothurner Zeitung gehört, möglich geworden ist. Wir wollen Service- und Infrastruktur-Bereiche - etwa die Informatik - zusammenlegen und so stark Kosten sparen.

Mit welchem Betrag rechnen Sie?

Wanner: Mit einem höheren einstelligen Millionenbetrag, Spar- und Synergieprogramm zusammengerechnet.

Synergien schaffen kostet aber immer auch Stellen. Worauf müssen sich die Angestellten gefasst machen?

Wanner: Ich kann heute noch nicht sagen, wie viele Stellen als Folge des Synergieprogramms gestrichen werden. Man kann auch beim Sachaufwand und beim übrigen Betriebsaufwand sparen. Wir prüfen Einsparungen in der gesamten Organisation. Dabei wollen wir die Stellenreduktion gering halten. Im Vordergrund stehen Frühpensionierungen, Entlassungen kann ich aber vereinzelt nicht ausschliessen.

Was passiert, wenn die Einnahmen weiter sinken und das Synergie- und Sparprogramm nicht reicht? Wird es dann erneut ein Sparprogramm geben?

Wanner: Das ist nicht geplant. Ziel muss sein, dieses Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen, und das dürfte schwer und anspruchsvoll genug sein. Ein weiteres Ziel muss es sein, dass sich das Unternehmen gesundschrumpft und gestärkt aus der Krise hervorgeht. Die AZ Medien sind mit einer Eigenkapitalquote von 55 Prozent solide finanziert. Strategisch stehen wir mit der Übernahme von Vogt-Schild bzw. der Solothurner Zeitung gut da. Zudem sind wir zu einer Mehrheitsbeteiligung am Solothurner Radio 32 gekommen. Mittlerweile gehören uns die A1 entlang und in der Nordwestschweiz 12 Gratisanzeiger, denen ich grosse Geschäftschancen einräume. Und bei den Zeitschriften haben wir jetzt auch den Titel «Wir Eltern» im Portefeuille.

Seit längerem reden Sie davon, dass sich weitere Zeitungen dem Mittelland-Zeitung-Verbund anschliessen könnten. Bis jetzt ist aber nichts passiert. Warum?

Wanner: Das können Sie nicht erzwingen. Wir geben aber nicht auf und reden mit verschiedenen Verlagen über Kooperationsmöglichkeiten.

Was ist das Ziel dieser Gespräche?

Wanner: Alle Zeitungsverlage leiden unter sinkenden Einnahmen. Es wäre jedoch ein Riesenfehler, wenn sie vorwiegend bei den Redaktionen sparen würden. Denn das schmälert die Informationsleistung. Abonnierte Zeitungen müssen sich von den Gratis-Publikationen unterscheiden, und das gelingt ihnen nur, wenn sie zur publizistischen Qualität Sorge tragen. Sinnvoller scheint mir deshalb, wenn die Zeitungen zum Beispiel vermehrt Artikel austauschen.

Und Ihr Traumpartner in Sachen Kooperation sind die Regionalzeitungen der NZZ-Gruppe?

Wanner: Warum nicht, das ist ein möglicher Partner. Ich bin da pragmatisch und prüfe auch Vorschläge von anderer Seite.

Selbst von Tamedia, der Sie einmal vorgeworfen haben, sie würde den «totalen Zeitungskrieg» anzetteln?

Wanner: Das war einmal, als Tamedia das Gratisblatt News im Mittelland lancierte. Inzwischen wurde die Ausgabe wieder eingestellt. Als Pragmatiker habe ich keine Berührungsängste. Auch Tamedia könnte ein Partner sein.

Käme dabei gar ein Verkauf der AZ Medien infrage?

Wanner: Nein.

Sie wollen als operativer Chef der AZ Medien zurücktreten und suchen einen Nachfolger. Ist der Kronprinz bereits gefunden?

Wanner: Ich habe mit einem Headhunter eine Selektion der Kandidaten vorgenommen und werde unserer Findungskommission vier Kandidaten präsentieren. Sie stammen aus dem Mediensektor, aber auch aus anderen Branchen. Mein Ziel ist es, den neuen CEO noch vor den Sommerferien präsentieren zu können.

Werden Sie dann Verwaltungsratspräsident der AZ Medien?

Wanner: Das ist noch nicht entschieden. Die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten Jürg Schärer, der einen hervorragenden Job macht, dauert noch bis zur Generalversammlung im Juni nächsten Jahres. Sicher ist, dass ich noch ein paar Jahre als Verleger weitermachen und mich auf strategische Fragen konzentrieren werde.

Wie der Traktandenliste zur Generalversammlung am 5. Juni zu entnehmen ist, wird Ihr ältester Sohn als neues Mitglied des Verwaltungsrates vorgeschlagen.

Wanner: Ja, so ist es vorgesehen. Damit bleibt die Familientradition gewahrt. Er hat seine Studien an der HSG in St. Gallen abgeschlossen und ist derzeit in Ausbildung bei Gruner + Jahr in Hamburg.