Spitzenlöhne
Die Lohnschere schliesst sich zwar, aber...

Topmanager erhalten immer noch bis zu 266-mal mehr als ihre Mitarbeiter, obwohl sich die Schere zwischen Topverdienern und dem Tiefstlohn in der eigenen Firma in der Schweiz 2011 leicht geschlossen hat.

Andreas Schaffner
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Die Lohnschere hat sich in der Schweiz leicht geschlossen (Symbolbild)

Die Lohnschere hat sich in der Schweiz leicht geschlossen (Symbolbild)

Keystone

Die Zeiten, als CS-CEO Brady Dougan mit seinen 90 Millionen Franken über 1800-mal mehr verdiente als der am schlechtesten bezahlte Angestellte der Grossbank Credit Suisse, sind vorbei: Die Schere zwischen Topverdienern und dem Tiefstlohn in der eigenen Firma in der Schweiz hat sich 2011 leicht geschlossen. Dies zeigt eine gestern veröffentlichte Untersuchung der Arbeitnehmerorganisation Travail Suisse.

Doch die Spanne zwischen höchstem und tiefstem Lohn bleibt sehr hoch - so verdient etwa Novartis-CEO Joseph Jimenez 266-mal so viel wie der am schlechtesten bezahlte Arbeiter bei Novartis.

Auch 2011 führten die Manager von Novartis, Roche, UBS, CS und Nestlé die Liste mit den am besten bezahlten Managern an. Doch bei den Grossbanken sind deutliche Spuren der schlechten Jahresabschlüsse auszumachen. Das gleiche gilt auch für Firmen wie die Swisscom, Nestlé oder etwa die Versicherungsgesellschaft Bâloise.

Kritik an der «Aufholjagd»

Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik bei Travail Suisse, weist jedoch daraufhin, dass in den letzten Jahren - quasi im Windschatten der Grossen - bei «normalen Unternehmen» so etwas wie eine Aufholjagd stattgefunden habe, wenn auch auf tieferem Niveau. Deutlich sei dies etwa beim Reisekonzern Kuoni festzumachen, wo sich die Lohnschere innerhalb eines Jahres um 180 Prozent geöffnet habe auf ein Verhältnis von 1:36. Bei der Baufirma Implenia sei das Verhältnis zwischen Spitzenverdiener und Tiefstlohn um 225 Prozent auf 1:24 gestiegen; bei der Lonza um 165 Prozent auf 1:24 und bei der Baloise um 126 Prozent auf ein Verhältnis von 1:31. «Insgesamt sind im letzten Jahr die Lohnscheren von 22 Unternehmen aufgegangen», so Blank.

Dieser «ganz normale Wahnsinn» hat laut Travail-Suisse-Präsident Martin Flügel einschneidende Konsequenzen auf die Gesellschaft: «Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass die ungerechtfertigte Bereicherung, die an den Unternehmensspitzen stattfindet, massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben wird.»

Die politische Stabilität in der Schweiz sei in Gefahr, sie werde durch die hohen Saläre auf der Teppichetage infrage gestellt. «Das Erfolgsmodell Schweiz steht am Abgrund.» Flügel fordert daher, dass Aktionäre zwingend über den Lohn von Managern und Verwaltungsräten abstimmen und eine Personalvertretung in den Verwaltungsrat entsenden können.

Chefinnen: in der Schweiz selten

In der EU hat gut ein Viertel der Beschäftigten eine Chefin, in der Schweiz liegt der Anteil hingegen bei weniger als einem Fünftel. Ein Aufwärtstrend ist nicht feststellbar: Während der Wert in den EU-Ländern zwischen 2005 und 2010 von 25 auf 29 Prozent anstieg, ging die Quote in der Schweiz von 21 auf 19 Prozent zurück, wie die Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) aufzeigt. Damit hat die Schweiz europaweit einen der geringsten Anteile an Frauen in Führungspositionen. Am häufigsten sind Frauen als Vorgesetzte in Estland, Schweden und in Grossbritannien zu finden. (SDA)

Arbeitszufriedenheit Schweizer vorn

Die Zufriedenheit der Beschäftigten in der Schweiz ist nach wie vor hoch, doch die Belastungen nehmen zu. Rund neun von zehn Erwerbstätigen sind zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen , wie eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt. Nur in fünf EU-Ländern ist die Zufriedenheit noch höher; Spitzenreiter ist Dänemark . Im Vergleich mit der EU stehe die Schweiz gut da. In einigen Bereichen sieht das Seco jedoch Handlungsbedarf . Laut der Studie sind Arbeitstempo und Termindruck in keinem EU-Land so hoch wie in der Schweiz. (SDA)