Die Luzerner Kantonalbank dreht an der Gebührenschraube

Wer bei einem Todesfall eine Saldobestätigung braucht, bezahlt bei der LUKB neu 120 Franken. Auch andere Dienstleistungen kosten mehr.

Maurizio Minetti
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Ein Dokument kann viel kosten, wenn dahinter viel Arbeit steckt.

Ein Dokument kann viel kosten, wenn dahinter viel Arbeit steckt.

Bild: Getty

Ein Todesfall ist immer ein Schock, der den Angehörigen viel Kraft abverlangt. In so einer Situation muss aber gleichzeitig Papierkram erledigt werden: Bestattung und Erbschaft sind zu regeln, Versicherungen zu kündigen, Bank, Post und Behörden zu informieren. Eine Leserin, die vor kurzem ihren Vater verloren hat, musste genau dies tun. Der Vater war jahrzehntelang Kunde der Luzerner Kantonalbank (LUKB), die jetzt eine Saldobestätigung per Todestag erstellen musste. Dieses einseitige Papier hat die Leserin vor kurzem erhalten – und gleichzeitig hat die Bank dem Konto des verstorbenen Vaters 120 Franken belastet. Grund: Eröffnung der Erbenposition.

«Das ist ein stolzer Preis für eine Saldobestätigung, die per Mausklick erzeugt wird», empört sich die Leserin. Betrübt hat sie zudem, dass die Bank keine Beileidsbekundung geschickt habe. «Anteilnahme und Kundenfreundlichkeit sehen für mich anders aus», sagt sie.

Bei anderen regionalen Banken kostenlos

Ein Blick ins Kleingedruckte zeigt, dass die LUKB tatsächlich per Anfang Jahr für die Eröffnung von Erbenpositionen einmalig 120 Franken verlangt. Zur Begründung heisst es bei der Bank, dass das Einrichten und Verwalten von Geschäftsbeziehungen mit ungeregelten Erbschaften «mit sehr hohem Aufwand verbunden» sei.

Die von der Leserin erwähnte Ausstellung der Saldobestätigung sei nur ein Teil aller Bankdienstleistungen, die in einem Todesfall zu erbringen seien. Nach Eintreffen der Todesfallmeldung führe die Bank manuell diverse Arbeiten aus, damit sie ihren rechtlichen Pflichten nachkommen könne. Dazu gehört unter anderem die Löschung von Debit- und Kreditkarten, E-Banking-Zugriffsberechtigungen oder Daueraufträgen. Nach den Mutationsarbeiten muss die Bank weitere Aufgaben wahrnehmen, um etwa sicherzustellen, dass Dokumente innerhalb der gesetzlichen Fristen eintreffen. Laut LUKB-Sprecher Daniel von Arx lassen sich solche Arbeiten «nicht in vollem Umfang digitalisieren oder automatisieren», sondern müssen manuell erledigt werden.

Mit der Einführung einer Gebühr steht die LUKB allerdings ziemlich alleine da. Die restlichen fünf Zentralschweizer Kantonalbanken bestätigen auf Anfrage, dass solche Dienstleistungen aktuell kostenlos sind – obschon die Banken sinngemäss mitteilen, dass man den Markt laufend beobachte und allenfalls mit der Anpassung von Gebühren reagieren könne. Ebenfalls nichts zahlt man für die Abwicklung von Erbschaftsfällen bei Credit Suisse, UBS, Migros Bank oder Postfinance.

Raiffeisen Schweiz empfiehlt den eigenständigen Genossenschaftsbanken ebenfalls, keine Gebühr dafür zu verlangen. «Sollte der Aufwand sehr gross sein, empfiehlt Raiffeisen Schweiz, dass die Raiffeisenbank in Absprache mit dem Kunden ihren Aufwand normal verrechnet», heisst es aus der Zentrale in St.Gallen. Bei Valiant ist die Eröffnung der Erbenposition zwar kostenlos, für die Saldobestätigung verrechnet sie allerdings 27 Franken.

Pensionierungs- und Steuerberatung wird teurer

Darüber hinaus hat die LUKB per Anfang Jahr weitere Tarife erhöht. So kostete die Pensionierungsberatung bislang pauschal rund 810 Franken inklusive Mehrwertsteuer. Seit Anfang Jahr sind es nun knapp tausend Franken. Für eine Steuerberatung verlangt die grösste Bank der Zentralschweiz pro Stunde neu 270 statt 215 Franken, wobei aber das Ausfüllen der Steuererklärung nach wie vor 215 Franken pro Stunde kostet. Die LUKB verweist darauf, dass man per Anfang Jahr auch neue Produkte eingeführt habe, wie etwa die Finanzplanung für Unternehmer oder eine Express-Steuererklärung.

Wer bei der LUKB telefonisch Kontoauskünfte verlangt, etwa eine Saldoabfrage oder eine Information über die letzten Zahlungseingänge, bezahlt neu 3 Franken. Bislang war die Dienstleistung kostenlos. Weiter wurde die Eröffnungspauschale für ein Mietzinskautionssparkonto von 30 auf 50 Franken erhöht. Und auch die Ausstellung und Verarbeitung von Checks kostet mehr. Die LUKB erklärt die Preiserhöhungen mit einer «möglichst verursachergerechten Gebührengestaltung».

Eine weitere neu eingeführte Gebühr sorgte kürzlich für Kritik. So müssen Personen mit einem Beistand bei der Luzerner Kantonalbank neu 120 Franken für eine Kontoeröffnung bezahlen sowie ab Juli 5 Franken pro Monat für die Kontoführung – zusätzlich zur normalen Kontoführungsgebühr von 6 Franken pro Monat. Der Dachverband der Behindertenorganisationen Inclusion Handicap ist der Meinung, dass diese Regelung gegen den Grundsatz des Diskriminierungsverbotes verstösst, wie «Zentralplus» kürzlich berichtet hat.

Gebühr für Personen mit Beistand wird sistiert

Die LUKB erklärt dazu auf Anfrage, die Eröffnung sowie die Führung von Beistandschaftskonten seien sehr aufwendig und unterstünden einer hohen Sorgfaltspflicht auf Seiten der Bank. Die Gebühr von 120 Franken sei nicht kostendeckend.

Für die Errichtung einer Beistandschaft ist die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zuständig. Man habe mit den betroffenen Behörden Wege gesucht, um die Abläufe für alle Parteien zu vereinfachen und die Kosten tief zu halten, heisst es bei der LUKB. «Aufgrund der hohen Individualisierung der einzelnen Verträge und der daraus entstehenden Komplexität lassen sich die entsprechenden Prozesse jedoch nach wie vor nicht standardisieren beziehungsweise digitalisieren oder automatisieren», sagt LUKB-Sprecher Daniel von Arx.

In den letzten Tagen hätten aber Gespräche stattgefunden, um Wege zu finden. «Wir sind zuversichtlich, dass wir eine für alle Parteien gangbare Lösung finden werden», so von Arx. Die Erhebung der neuen Gebühren für Personen mit einem Beistand habe man deshalb vorläufig sistiert.