Kommentar

Die Marktmacht der Zentralschweizer Kantonalbanken im Hypothekargeschäft ist trügerisch

Die Staatsbanken konnten in den letzten Jahren auf Kosten der Grossbanken wachsen. Doch digitale Plattformen könnten den hiesigen Hypothekarmarkt gehörig aufmischen.

Maurizio Minetti
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Maurizio Minetti.

Maurizio Minetti.

Mindestens jede zweite Hypothek wird in der Zentralschweiz von den Kantonalbanken vergeben. In Obwalden zum Beispiel sind es sogar 65 Prozent. Gleichzeitig haben die Grossbanken UBS und Credit Suisse in den letzten 16 Jahren in der Zentralschweiz – mit Ausnahme des Kantons Zug – Marktanteile im Hypothekargeschäft verloren. Dies zeigt eine neue Studie der Hochschule Luzern.

Die Kantonalbanken profitierten vom angekratzten Image der Grossbanken und machten jahrelang gute Geschäfte. Während UBS und Credit Suisse ihre Wunden leckten, beackerten die Staatsbanken die lukrative Klientel der Haus- und Wohnungsbesitzer. Der sichere Hafen hiess in den letzten Jahren meistens entweder Kantonalbank oder dann Raiffeisenbank.

Es wäre jedoch falsch, wenn sich die Kantonalbanken auf diesem Erfolg ausruhen würden. Denn die Kunden sind ihnen zu einem sehr grossen Teil im Zuge der Finanzkrise in den Schoss gefallen. Und die Grossbanken schlagen jetzt mit geballter Kraft zurück. Sie investieren Millionen in digitale Hypothekenplattformen, mit denen sie die verloren gegangene Kundschaft wieder ins Boot holen wollen. Weil solche Angebote schweizweit lanciert werden können, haben sie das Potenzial, den hiesigen Hypothekarmarkt gehörig aufzumischen. Glaubt man den Bankexperten, gehört solchen Plattformen die Zukunft. Wenn sie nicht ebenfalls investieren, könnten Kantonalbanken bald ins Hintertreffen geraten.