Die Maskenpflicht stört die Pendler nicht: Die Zahl der ÖV-Passagiere steigt weiter an

Seit über einer Woche gilt die Maskenpflicht in Bahn, Bus und Tram. Fast alle halten sich daran. Die Pendler kontrollieren die Einhaltung auch untereinander.

Stefan Ehrbar
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Fast alle Nutzer des öffentlichen Verkehr tragen eine Maske. Einen negativen Einfluss hatte die Pflicht nicht.

Fast alle Nutzer des öffentlichen Verkehr tragen eine Maske. Einen negativen Einfluss hatte die Pflicht nicht.

Keystone

Die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr wirkt – und sie scheint kaum jemanden zu stören. Sie gilt seit dem Montag vor einer Woche. Erste Daten zeigen: Die Quote der Maskenverweigerer in Bahn, Bus und Tram ist klein. Zudem scheinen kaum Pendler auf das Auto oder Velo umgestiegen zu sein, weil sie im ÖV eine Maske tragen müssen. Das gilt für den Verkehr in den Städten genauso wie in den touristischen Regionen.

Bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) heisst es, die Auslastung betrage im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres derzeit rund 80 Prozent. «Die Maskenpflicht hatte darauf keinen wesentlichen Einfluss, die Auslastung ist stabil», sagt ein Sprecher. Bei Bernmobil lag die Auslastung letzte Woche bei 75 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Noch Ende Juni waren es rund 70 Prozent gewesen.

Fast alle halten sich an die Pflicht

Bei der Rhätischen Bahn (RhB), deren Geschäft stärker von Touristen abhängig ist, liegt die Nachfrage derzeit bei etwa 60 Prozent der Vorjahreswerte. Auch bei der RhB wird eine steigende Nachfrage registriert. Die Maskenpflicht hatte keine negativen Auswirkungen, sagt eine Sprecherin. «Nach der ersten Woche Maskenpflicht ziehen wir ein positives Fazit.» Die Fahrgäste hielten sich fast ausnahmslos daran.

«Nur vereinzelt muss jemand darauf aufmerksam gemacht werden.»

Die Maskenpflicht und die Frequenzen stünden in keinem Zusammenhang, heisst es auch bei der Berner BLS. Stadtbus Winterthur teilt mit, die Auslastung sei in der letzten Woche bei knapp 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr gelegen und damit ähnlich hoch wie in den zwei bis drei Wochen zuvor. Bei den Verkehrsbetrieben Luzern wiederum sagt ein Sprecher, man stelle fest, dass die Busse zu Hauptverkehrszeiten mittlerweile «teilweise gut gefüllt» sind. Die Maskenpflicht werde «grossmehrheitlich sehr gut» eingehalten.

«Pendler sprechen andere ohne Maske an»

Was das in Zahlen bedeutet, führen die Verkehrsbetriebe Zürich genauer aus. Je nach Linie tragen dort 95 bis 99 Prozent der Kunden eine Maske. Konflikte habe es bisher nicht gegeben, sagt ein Sprecher – im Gegenteil. «Wir haben festgestellt, dass die Pendler gut vorbereitet sind und einander aushelfen, wenn jemandem eine Maske fehlt. Auch kommt es vor, dass Personen ohne Maske von anderen Fahrgästen freundlich darauf angesprochen werden, eine solche zu tragen.» Es sei der Wille spürbar, «die Regelung nun so durchzuziehen», sagt der Sprecher.

Gar auf einen positiven Effekt hin deuten Daten der Zählstelle, die von den VBZ am Bahnhof Hardbrücke betrieben wird. Dort verkehren neben diversen S-Bahnen eine Tram- und drei Buslinien. Am Mittwoch wurden knapp 60'000 Pendler gezählt – der zweithöchste Wert seit dem 13. März, kurz vor dem Lockdown. Der Wert ist hoch, weil es sich um einen Tag mit schönem Wetter handelte. An solchen sind in der Stadt tendenziell weniger Leute mit dem ÖV unterwegs. Zudem dürften schon einige Pendler in den Sommerferien gewesen sein.

Viele fühlen sich nun sicherer

Noch kein Fazit zur ersten Woche der Maskenpflicht können die SBB ziehen. Am Freitag vor einer Woche sagte der neue SBB-Chef Vincent Ducrot, dass er die Maskenpflicht begrüsse. Die interne Marktforschung der Bahn gehe davon aus, dass der ÖV dadurch etwa gleich viele Nutzer verliere, wie er wieder gewinne. Denn während die einen die Maske als unangenehm empfinden und deswegen auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen, fühlen sich andere nun wieder sicherer.

Vor dem 6. Juli galt lediglich die Empfehlung, bei engen Platzverhältnissen eine Maske zu tragen. Bussen gibt es zwar auch heute nicht, wenn jemand keine Maske trägt. Wer sich weigere, könne aber aufgefordert werden, das Verkehrsmittel bei der nächsten Station zu verlassen, schreiben die SBB. Erfordere es die Situation, werde die Transportpolizei hinzugezogen.

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