Konsum
Die Migros räumt ein: Bei Papier ist «holzfrei» eben doch nicht «holzfrei»

Der Detailhändler räumt ein, die Bezeichnung «holzfrei» sei unklar — und sie reagiert nun auf die Vorwürfe des Schweizer Konsumentenschutzes.

Fabian Hock
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Das M-Budget Kopierpapier soll bald umdeklariert werden.

Das M-Budget Kopierpapier soll bald umdeklariert werden.

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«Holzfreies» Papier ist nicht frei von Holz. Die Bezeichnung, räumt die Migros nun ein, sei für die Konsumenten verwirrend. Deshalb will der Detailhändler künftig auf diese Deklaration auf seinem Kopierpapier der Marke M-Budget verzichten. Das sagte Sprecherin Christine Gaillet gestern auf eine Anfrage dieser Zeitung.

Vorangegangen war eine Unterhaltung zwischen der Migros und der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) auf der Social-Media-Plattform Twitter. «Liebe @migros, wieso bezeichnen Sie Papier, welches aus Holz hergestellt wurde als ’holzfrei’??», fragt die SKS. Und die Migros antwortet: «Holzfreies Papier besteht aus Zellstoff und Hadern, mit einem Holzstoff-Anteil von max. 5%.»

Nach dem Hinweis eines weiteren Nutzers, dass ja auch der Zellstoff aus Holz gemacht werde, schreibt die Migros: «Das stimmt! Beim Ausdruck ’holzfrei’ handelt es sich um einen Fachausdruck, welcher besagt, dass das Papier z.B. nicht vergilbt.» Zuvor hatte das Onlinemagazin «Das Lamm» bei der Migros nachgefragt, was denn unter der Bezeichnung «holzfrei» zu verstehen sei. Die Antwort: Einzig der im Holz enthaltene Stoff Lignin fehle in dem Papier.

Migros-Sprecherin Gaillet erklärt nun, dass es sich bei der Angabe «holzfrei» zwar um einen von der Branche definierten Fachbegriff handle, der für ein Qualitätsmerkmal des Papiers stehe. Die Deklaration sei korrekt und üblich, «aber wir haben die Verwendung des Begriffes intern nochmals überprüft und nehmen zur Kenntnis, dass er für unsere Kunden verwirrend sein könnte». Aus diesem Grund «werden wir in absehbarer Zeit auf diese Deklaration verzichten». Innerhalb der Papeterie-Artikel sei das M-Budget-Kopierpapier das einzige Produkt, das die Bezeichnung «holzfrei» trägt.

Für Konsumenten irreführend

Gegenüber der «Nordwestschweiz» erklärt Josianne Walpen von der SKS, was sie an der Bezeichnung «holzfrei« für stossend hält: Es handle sich um eine «täuschende Deklaration», die für Konsumentinnen und Konsumenten «sehr verwirrend» sei, sagt sie. Die Migros fand das zunächst nicht. Sprecherin Gaillet sagte dem «Lamm» zuvor noch: «Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass die Schweizer Konsumenten sich bewusst sind, dass Papier aus Holz hergestellt wird.» SKS-Frau Walpen dagegen sagt: «Wenn ein vertrauenswürdiger Anbieter wie die Migros ein Produkt als holzfrei deklariert, dann muss ich davon ausgehen können, dass kein Holz drin ist.» Deshalb sei der Begriff für Konsumenten irreführend.

Das sieht nicht nur die SKS so. Asti Roesle, bei der Umweltorganisation Greenpeace für Holz und Wald zuständig, sagt: Für den Konsumenten müsse ersichtlich sein, was im Papier enthalten sei, nicht nur, was nicht drin sei. Roesle nennt die Bezeichnung «intransparent», denn man könne als Konsument «nicht einschätzen, ob man beim Kauf von holzfreiem Papier umweltbewusst handelt oder nicht».

Zertifikat angestrebt

In Sachen Umweltbewusstsein fällt das M-Budget-Kopierpapier noch in einem weiteren Punkt auf: Es ist nicht FSC-zertifiziert. Der FSC — der «Forest Stewardship Council» — ist ein international angesehenes Zertifizierungssystem für Waldwirtschaft. Die Migros ist Gründungsmitglied des FSC-Schweiz. Es garantiert laut eigener Aussage, dass Holz- und Papierprodukte aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern kommen. In den Regalen der Migros ist das M-Budget-Papier das einzige, dem das Zertifikat fehlt.

«Es ist korrekt, dieses Produkt ist nicht FSC-zertifiziert», sagt Gaillet. Alle anderen Papeterie-Kopierpapiere hätten das Zertifikat jedoch. Als Erklärung nennt die Migros-Sprecherin das Herkunftsland: «Das verwendete Holz respektive der Zellstoff für dieses Papier stammt aus Schweden.» Gemäss FSC sei das waldreiche Schweden «kein Risikoland bezüglich illegaler und kontroverser Holzherkunft».

Der Hersteller biete für dieses Papier gar keine FSC-Zertifizierung an, so Gaillet weiter. Der Grund sei die begrenzte Verfügbarkeit von FSC-Zellstoff am Produktionsstandort. So gebe es in Südschweden relativ wenig FSC-zertifizierte Wälder. Das FSC-Holz aus Nordschweden in den Süden zu transportieren, ergebe weder aus ökonomischer noch ökologischer Sicht Sinn. Daher sollen die in Südschweden begrenzten FSC-Zellstoffkapazitäten für Premium- und Standard-Qualitäten, nicht aber für Economy-Papiere verwendet werden. «Langfristig ist es unser Ziel, bei allen Produkten auf FSC umzustellen.»