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Die No-Billag-Ökonomie

Christoph Hauser zur No-Billag-Initiative.
Christoph Hauser

Es erstaunt, wie viel Zuspruch die No-Billag-Initiative im Zeitalter von Fake News und Filterblasen derzeit erhält. Oft wird versucht, ökonomisch gegen die heutige Lösung zu sprechen. Leider aber oft ohne wichtige, tiefergehende Über­legungen, die in der Ökonomie an sich schon seit Jahrzehnten bekannt wären.

Ökonomisches Ziel der Wirtschaft ist es, die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt möglichst gross zu machen. Um dafür einen Anhaltspunkt zu erhalten, überlegt die Ökonomie Folgendes: Produzierte Güter sollten zuerst denjenigen zukommen, die daraus den grössten Nutzen ziehen, den Freaks sozusagen. Dann sollte man von diesem Gut aber so lange noch weitere Stücke produzieren, solange da Leute sind, deren Nutzen für ein Stück noch höher ist als die Kosten, um diese weiteren Stücke auch noch zu produzieren. Diese Überlegung findet sich im Lehrbuch zur Ökonomie unter dem Stichwort «Grenznutzen gleich Grenzkosten».

Bei Radio, Fernsehen und generell bei digitalen Inhalten haben wir nun einen speziellen Fall. Wenn zum Beispiel eine Sendung einmal produziert ist, dann sind die Kosten für die «weiteren Stücke» nahezu null. Eine Sendung kann relativ leicht vervielfältigt werden. Es kostet volkswirtschaftlich so gut wie nichts, wenn Herr Müller etwa in die «Rundschau» reinzappt. Egal, wie gross oder klein Herr Müllers persönlicher Nutzen aus der «Rundschau» dabei sein mag: Wir können diesen Nutzen in der volkswirtschaftlichen Rechnung verbuchen, solange Herr Müller frei reinzappen darf.

Es lässt sich folgern: Die Wohlfahrt wird maximiert, wenn zum Preis von null diese oder jene bestehende Sendung anzuschauen ist. Natürlich gibt es beim Preis null das Problem, dass damit die Fixkosten zur Herstellung von Sendungen nicht gedeckt sind. Heute lösen wir das mit den ebenso fixen Gebühren. Diese funktionieren tatsächlich auch nur als Pflichtgebühr, weil sich sonst jeder denkt: «Sollen doch die anderen für die Fixkosten aufkommen!»

Die Pflichtgebühr mag stören, und man könnte infolgedessen die Nichtzahler von den Sendungen ausschliessen. Dann nimmt der Sendungsanbieter seinen Taschenrechner hervor und sucht das Maximum aus Menge mal Preis. Weil es für Dinge wie NHL-Hockey oder Promi-Serien jeweils die Freaks gibt, die auch hohe Preise zahlen können und wollen, kommt dabei ein gesalzener Preis heraus. Und weil wir immer noch hohe Fixkosten haben, tritt ein Monopolist auf den Plan, der sicher nicht die gesellschaftliche Wohlfahrt im Kopf hat, sondern eher sein eigenes Geschäft.

Noch entscheidender für die Ablehnung von No Billag: Manchmal ist es nicht möglich, die Nichtzahler von der Nutzung eines Guts auszuschliessen. Eine Sendung zum Beispiel, die einen Beitrag an unsere Politikdebatte leistet, oder eine Sendung, die korrupte Machenschaften aufdecken will, nützt allen im Land (ausser den Korrupten). Hier kann man einem Nichtzahler kaum sagen: «Du hast nicht bezahlt, jetzt kriegst du und nur du halt schlechtere politische Entscheide, etwas weniger nationalen Zusammenhalt und einen korrupteren Staat!»

Wenn jemand an solche öffentlichen Güter nicht bezahlt, so ist das zwar unfair, gleichzeitig aus seiner persönlichen Sicht aber völlig rational. Der Beitrag nur eines Einzelnen wird die Welt nämlich nicht verändern. Erst die Summe macht es aus. Darum gilt: Ohne selbstbindende Pflichtgebühr werden gerade die für die Gesellschaft und ihren Zusammenhalt wichtigen Sendungen verschwinden – und zwar aus purer ökonomischer Logik heraus.

Christoph Hauser

Hinweis: Der Autor ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Hochschule Luzern, Leiter des Kompetenzzentrums Management and Law sowie Autor des Buches «Ordnung ohne Ort» (NZZ Libro).

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