Chefwechsel
«Die Orior-Story hat erst begonnen»

Seit gut 100 Tagen führt Remo Hansen den kotierten Lebensmittelverarbeiter Orior. Ein Porträt von einem Chef, der seine Karriere bei der Migros lanciert hatte.

Ruedi Mäder
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Tortelloni «en masse»: Pasta-Fan Remo Hansen im Zweigwerk Pastinella in Oberentfelden. walter Schwager

Tortelloni «en masse»: Pasta-Fan Remo Hansen im Zweigwerk Pastinella in Oberentfelden. walter Schwager

Mit der Wahl von Remo Hansen (49) zum neuen Chef entschied sich der Verwaltungsrat der Orior-Gruppe für Kontinuität: Rolf Sutter zog sich Anfang Mai 2011 nach 12 Jahren von der operativen Führung zurück und konzentriert sich seither auf das Präsidium des Verwaltungsrats.

Mit Hansen trat ein erfahrener Orior-Mann Sutters Nachfolge an. Hansen arbeitet seit 13 Jahren in jener Gruppe, die aus der ehemaligen Westschweizer Firma Rinsoz & Ormond hervorging. Im April 2010 kehrte Orior an die Schweizer Börse zurück.

Karrierestart in der Migros

Remo Hansen wuchs in Zürich auf, wo er beim Migros-Genossenschafts-Bund eine kaufmännische Lehre absolvierte. Von 1985 bis 1993 war er in verschiedenen Funktionen im Produktmanagement des Grossverteilers tätig und schlug sich dabei mit Kaffee, Tee und Saucen herum.

Nach mehreren Jahren in Südamerika begann für ihn das Kapitel «Migros Österreich»: Hansen hatte den Auftrag, für eben jene Migros Österreich ein Weihnachtssortiment zusammenzustellen. Früh scheint er realisiert zu haben, dass da einiges schief aufgegleist war und der Markterfolg höchst fraglich war.

Hansen teilte dies seinem Vorgesetzten per Brief mit – worauf ihm umgehend nahegelegt wurde, anderswo eine nächste berufliche Herausforderung zu suchen (übrigens brach die Mi-gros ihrerseits das verlustreiche Expansionsabenteuer «Österreich» im Jahr 1996 ab).

Marketingleiter bei Traitafina

Remo Hansen ging bei der European Marketing Distribution ein kürzeres Engagement ein (1994/95), wechselte danach als Marketing- und Verkaufsleiter zu Traitafina, damals ein Teil der Hero Schweiz; abgeworben wurde er von Guido Egli, heute Chef von Mövenpick. Gern erinnert er sich an seinen direkten Vorgesetzten zurück, den engagierten Traitafina-Patron Hermann Bader.

Anno 1998 startete Hansen als Leiter der Fleischverarbeitungs-Spezialistin Fredag bei Orior. 2001 wurde er in die Gruppenleitung berufen. Das grösste Expansionsprojekt betraf den Aufbau und die Führung des Produktionsunternehmens Fresico in China und die Verkaufsorganisation in Singapur. Ab Herbst 2006 führte er parallel zur Fredag auch die Pastinella-Gruppe.

Im Februar dieses Jahres wurde Hansen zum neuen Orior-Chef ernannt; in der Endausmarchung setzte er sich gegen zwei externe Anwärter durch. Hansen nimmt für sich in Anspruch, als langjähriges Mitglied der Gruppenleitung die Unternehmensstrategie mitgeprägt zu haben.

Zu den grösseren Herausforderungen in seiner heutigen Charge rechnet er jene, «dass man den langfristigen Gedanken nicht aus den Augen verliert und nicht nervös wird, gerade in einem Marktumfeld, wo der Aktienkurs an einem Tag mal mehrere Prozente einbricht und der Druck von Analysten und Investoren steigt». Schliesslich habe man eine Vision und sei davon überzeugt, dass die Orior-Story «tatsächlich erst begonnen» habe, wie dies schon sein Vorgänger Rolf Sutter jeweils betonte.

Hansen erbte ein Unternehmen in Rekordform, das auf seinen Feldern top oder aber «eine starke Nummer zwei» ist. Ob er den Kurs halten kann, hängt nicht zuletzt von der Entwicklung an der «Kundenfront», das heisst im Detailhandel und in der Gastronomie, ab.

Noch erzielt Orior erst etwa 10 Prozent im Export, primär mit Bündner Fleisch in Frankreich. Hansen ist zuversichtlich, dass Orior die Euro-Schwäche durchstehen kann. Steigerungspotenzial sieht er vor allem im Bereich Mittagstisch-Menüs, wo sich Orior um den Auftrag der Stadt Zürich bewirbt. Über den Tag hinaus will er Orior als starke «Absendermarke» positionieren – als Ergänzung zu Labels wie Le Patron, Rapelli, Spiess, Fredag oder Pastinella in der Gastronomie.

Öfter mal joggen statt mittagessen

Hansen ist verheiratet und hat zwei Buben. Der «Food-Mann» isst auch gerne. Besonders gross ist seine Affinität zu Pasta und zur italienischen Küche allgemein. Den Fisch fängt er am liebsten selber in Florida, beim Abschalten. Es fällt Hansen nicht schwer, seine Linie zu halten: «Zwei- bis dreimal pro Woche versuche ich über Mittag, statt zu essen, joggen zu gehen.»