Fakt oder Mythos
Die Osterhasen stehen immer früher im Laden - oder etwa doch nicht?

Man kennt es: Immer früher beginnt das Geschäft mit Ostern. Kaum ist Weihnachten vorbei, stehen die Hasen an der Kasse. Aber: Das stimmt nicht. Die Detailhändler folgen einem striktem Zeitplan. Das Problem: Manche Jahre kommt Ostern früher.

Sabina Galbiati
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Kunden sagen es jedes Jahr: «Die Osterhasen stehen schon wieder früher im Regal.» Das bestreiten die Detailhändler vehement. Tatsächlich folgt das Ostergeschäft einem strikten Zeitplan. Seit Anfang Februar stehen die ersten Schokohasen an den Kassen bei Coop. Der Detailhändler beginnt jedes Jahr zehn Wochen vor Ostersonntag mit dem Ostergeschäft. So früh hält nur Denner mit. Migros und Aldi bieten ihre Schokohasen sieben Wochen vor Ostern an. «Die Nachfrage nach Osterhasen ist bereits ab Februar spürbar», sagt Urs Meier, Mediensprecher bei Coop.

Doch wie kommt der Eindruck bei den Kunden zustande? Ein Grund könnte sein, dass sich Ostern jedes Jahr verschiebt. Es gibt Jahre, in denen das Geschäft wesentlich früher beginnt. 2010 war Ostersonntag der 4. April. Die ersten Hasen standen demnach spätestens ab Ende Januar im Regal. Ein Rekordjahr dürfte 2016 werden. Der Ostersonntag fällt auf den 27. März. Das bedeutet: Erste Schokohasen wird man ab dem 18. Januar kaufen können.

Auch das Wetter beeinflusse das innere Osterbarometer der Kunden, sagen die Detailhändler. Setze das Frühlingswetter früh ein, seien die Hasen eher willkommen. Herrsche im Februar noch tiefster Winter, empfänden die Leute das Ostergeschäft als viel zu früh.

16 Millionen Hasen für die Schweiz

Alleine Coop und Migros verkaufen jedes Jahr rund 9,5 Millionen Osterhasen. Die beiden Detailhändler machen im Schweizer Lebensmittelhandel rund zwei Drittel des Umsatzes. Der Branchenverband Chocosuisse schätzt, dass für Ostern rund 16 Millionen Hasen hergestellt werden. «2013 wurden in der Schweiz über 4600 Tonnen Schokoladenprodukte für das Ostergeschäft hergestellt», sagt Franz Schmid, Direktor des Verbandes. Das entspricht 576 Gramm Osterschokolade pro Kopf.

«In der Schweiz macht die Osterschokolade 4,8 Prozent des jährlichen Schokoladenabsatzes aus», sagt Schmid. Das Ostergeschäft sei für die Branche ein sehr wichtiges Geschäft. Es gibt in der Schweiz sogar Umfragen, wie die Leute ihre Hasen essen: Laut Chocolat Frey beissen 58 Prozent der Leute zuerst in die Ohren. Jeweils rund 13 Prozent, zerschlagen den ganzen Hasen, brechen Stück für Stück ab oder zuerst den ganzen Hasenkopf. Jene, die nicht gegessen werden, landen zu fast 90 Prozent im Kochtopf. Sie werden zu Kuchen und Dessert verarbeitet.

Bäcker kämpfen um jeden Hasen

Eher selten im Topf landen vermutlich die Hasen aus den Bäckereien und Confiserien. Wegen des hohen Preisdrucks und dem grossen Angebot der Detailhändler müssen Bäcker und Konditoren ganz besondere Hasen kreieren. Einige bieten Hasen mit eingraviertem Namen an. Bei der Confiserie Sprüngli kann man via Internet Hasen mit gewünschtem Text bestellen.

Kaspar Sutter, Präsident des Schweizer Bäcker-Confiseurmeister-Verbandes schätzt, dass einzelne Backstuben während des Ostergeschäfts rund 10 bis 15 Prozent zusätzlichen Umsatz machen. Bei den Confiseuren liege er bei 20 bis 25 Prozent. Das hängt vom Standort und Wetter ab. In unmittelbarer Nähe zu den Detailhändlern verkaufen die kleinen Player weniger Hasen. Kommt hinzu, dass Osterschokolade in den Bäckereien und Confiserien erst vier Wochen vor Ostern angeboten wird. Sie müssen ihre Hasen von Hand herstellen und Spezialwünsche der Kunden ad hoc anfertigen. Im Gegensatz zu ihnen produzieren die grossen Detailhändler bereits im Herbst die ersten Hasen.