Swisscom
«Die Preise geraten unter Druck»

Swisscom-CEO Carsten Schloter erklärt, wieso er mit Konkurrentin Sunrise verhandelt und weshalb zufriedene Kunden seinen Lohn aufbessern.

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Carsten Schloter

Carsten Schloter

Aargauer Zeitung

Ueli Kneubühler

Herr Schloter, wir treffen uns an jenem Tag zum Interview, an dem Orange-Chef Andreas Wetter seinen Wechsel in den Orange-Verwaltungsrat bekannt gibt. Wann folgen Sie ihm?

Carsten Schloter: In absehbarer Zeit habe ich nicht die Absicht, es Andreas Wetter gleichzutun. Bei der Swisscom habe ich Gestaltungsspielraum, nicht wie bei Grosskonzernen. Das gefällt mir, an einen Wechsel denke ich nicht. Zudem bin wohl noch etwas zu jung für ein Verwaltungsratsmandat.

Umsatz und Gewinn waren im ersten Quartal leicht rückläufig. Mit Ausnahme Ihres Italien-Bereichs Fastweb.

Schloter: Fastweb entwickelt sich tatsächlich erfreulich und wächst schneller, als wir dachten. Auch im ersten Quartal 2009, und das in Zeiten einer rückläufigen Wirtschaft. Damit sich die Investition lohnt, wir haben immerhin fast 8 Milliarden Franken bezahlt, muss Fastweb aber weiter wachsen.

Organisch oder durch Übernahmen?

Schloter: Beide Varianten sind möglich. Fastweb ist besonders stark im Geschäftskundenmarkt, weil unsere Tochter ein eigenes Netz betreibt und nicht auf Telecom Italia zurückgreifen muss. Alleine letztes Jahr kamen 70 Prozent des Wachstums aus dem Geschäftskundenmarkt. Daran wollen wir anknüpfen.

Kunden scheinen mit Swisscom zufrieden zu sein. Studien belegen, dass ihre Kunden besonders loyal sind. Wendet Swisscom besonders enge Fesseln an, wenn es um die Vertragsauflösung
geht?

Schloter: Nein, bestimmt nicht. Ganz im Gegenteil. Wir haben seit 2003 massiv in den Service investiert, weil wir wussten, dass die Technologie noch komplexer wird. Unsere Servicekosten sind heute über 120 Millionen Franken höher wie vor sechs Jahren. Wir haben über 700 neue Stellen geschaffen.

Sie fahren mit Ihrer Servicestrategie eine andere Linie als Ihre Konkurrentin Sunrise, die über den Preis Kunden zu gewinnen versucht. Ist das der richtige Weg?

Schloter: Davon bin ich überzeugt. Die Telekombranche verändert sich rasant. Die Erwartungen an die Verfügbarkeit der Netze, den Service und die Sicherheit werden noch weiter steigen und sind damit viel bedeutender wie der Preis.

Trotzdem hatte Sunrise 2008 am meisten Neukunden gewonnen.

Schloter: Aber nur, weil Sunrise Tele 2 übernommen hat und nun die gekauften Kunden ebenfalls als Zuwachs ausweist. Die Zahlen für das erste Quartal 2009 im Mobilfunk zeigen ein anderes Bild. 66 Prozent aller Neukunden kamen zu Swisscom, nicht zu Sunrise.

Swisscom investiert, baut aus, die Kosten steigen. Swisscom ist aber auch börsenkotiert mit dem Bund als Mehrheitsaktionär. Sie müssen insbesondere den Aktionären gerecht werden.

Schloter: Wir haben einen langfristigen Fokus. Einerseits hat uns der Serviceausbau 120 Millionen Franken gekostet, andererseits erlauben uns diese Investitionen, Marktanteile dazuzugewinnen.

Sie haben jüngst die Kasinomentalität des Kapitalmarkts kritisiert.

Schloter: Eine wesentliche Ursache liegt in den Vergütungssystemen, wenn sie auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet sind. Auch Swisscom bezahlt eine variable Komponente, einen Bonus. Aber bei uns ist nicht der Gewinn die massgebende variable Grösse, sondern die Kundenzufriedenheit.

Die Konkurrenz wirft Ihnen vor, dass Swisscom wegen ihrer Monopolstellung zu oft gewinnt.

Schloter: Vor der Marktliberalisierung 1998 lag unser Marktanteil bei 100 Prozent und war in den folgenden 7 bis 8 Jahren nur rückläufig. Daher finde ich es etwas einseitig, wenn sich unsere Mitbewerber nun beklagen, dass wir ab und an wieder Marktanteile dazugewinnen.

Swisscom kontrolliert 51 Prozent des Breitbandmarktes. Nach dem Kupferkabel hält nun die Glasfasertechnik Einzug, die 1000-mal leistungsfähiger ist. Erreicht Swisscom erneut die 50 Prozent?

Schloter: Natürlich ist das unser Ziel. Zuerst werden wir versuchen, unsere bestehenden Kunden zu einem Umstieg auf die Glasfaser zu bewegen. Gleichzeitig werden wir, wie auch die Elektrizitätswerke (EW), Sunrise ein Wiederverkaufsangebot machen, obgleich sie selbst nicht in Glasfaser investieren werden.

Wo stehen die Verhandlungen mit Sunrise?

Schloter: Wir haben bereits einen Testbetrieb auf unserem neuen Glasfasernetz vereinbart.

Letztlich soll die neue Technologie zu mehr Wettbewerb unter den Bewerbern führen.

Schloter: Davon bin ich überzeugt. Denn mit der Infrastruktur, die wir und die EWs zur Verfügung stellen, haben auch die alternativen Anbieter die Möglichkeit, die Glasfasernetze zu nutzen. Das wird sicher Druck auf die Preise machen, und der Endkunde kann zwischen verschiedenen Anbietern wählen. Denn beim bisherigen Kupfernetz waren wir der alleinige Anbieter, und der Wettbewerb fand nur mit den Kabelnetzbetreibern statt.

Sunrise-Chef Christoph Brand kritisiert genau das. Er wirft Elektrizitätswerken und Swisscom vor, parallel zwei Glasfasernetze zu bauen, was Konsumenten und Steuerzahler vier Milliarden zu viel kosten würde.

Schloter: Da tätigen mehrere Unternehmen Milliardeninvestitionen für ein neues Glasfasernetz, die EWs und die Swisscom, und da sitzt einer auf dem Zaun und kommentiert, was die anderen alles falsch machen. Aber Sunrise selbst investiert nicht in die Glasfaser. Das finde ich bemerkenswert.